Rothäute im Sozialismus - DER SPIEGEL
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"Kulturgruppe für Indianistik" Der Wunsch nach Freiheit im Reservat

Sie träumten von den Weiten der Prärie - und lebten in einem Reservat der anderen Art. Aus Wildwest-Sehnsucht spielten Hunderte DDR-Bürger voller Leidenschaft Cowboy und Indianer. Die so irrwitzigen wie harmlosen Treffen der Tipi-Freaks zogen den ganzen Argwohn der Stasi auf sich.
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Indianerzeremonie: Nach der Schwitzhütte mit Jim Castilla 1973. Die Schwitzhütte, bei den Indianern Nordamerikas wie auch bei anderen Völkern der nördlichen Halbkugel verbreitet, dient der zeremoniellen Reinigung und physischen Gesunderhaltung und Heilung bei Erkrankungen.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Tipi an Tipi: Die "Indian Week" 1995 in Auma/Triptis (Thüringen). Das Treffen von ostdeutschen Indianisten findet seit 1973 jährlich statt.

Foto: Suhrkamp Verlag
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An den Marterpfahl: Neben den Hobbyindianern gab es in der DDR immer auch Cowboys, die ihr Hobby aber lange im Verborgenen pflegen mussten, bis sie als Repräsentanten des amerikanischen Landproletariats eine eigenständige Legitimation fanden. In dieser Aufnahme von 1958 wird ein Cowboy von einem Indianer an einen Marterpfahl gebunden.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Tipi vor Platte: Indianisten beim Nationalen Jugendfestival der Freien Deutsche Jugend (FDJ) 1984 in Berlin.

Foto: Werner Turski / Suhrkamp Verlag
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Staatliche Kontrolle: Die "Verbindungsspinne Indianistik" des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik zeigt die Beziehungen zwischen ostdeutschen Indianerfreunden auf. Die Wildwest-Fans wurden von der Staatssicherheit der DDR überwacht und unterwandert, gleichzeitig jedoch auch gefördert und politisch instrumentalisiert.

Foto: BStU / Suhrkamp Verlag
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Indianeralltag in der DDR: Ein vollbepackter Trabi vor einem Tipi. Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Old Manitou: Der erste Indianistikklub der DDR in einer Aufnahme aus den fünfziger Jahren. Der 1956 in Radebeul gegründete Klub "Old Manitou" war über viele Jahrzehnte Anlaufstelle für ostdeutsche Westernfreunde.

Foto: Brigitte Hüttner / Suhrkamp Verlag
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Addi Hiddisch: Der damalige Jungkrieger des Indianistikklubs "Old Manitou" mit seinen Frauen im Jahre 1969.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Die Akte "Tomahawk": Diese operative Personenkontrolle der Staatssicherheit der DDR vom 8. Februar 1983 bis zum 31. Mai 1985 richtete sich gegen einen Aktivisten der Solidaritätsbewegung, die sich für die Bürgerrechte der amerikanischen Ureinwohner einsetzte. Mit Erfolg, denn bald arbeitete der einst verdächtige Indianist als inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi.

Foto: BStU / Suhrkamp Verlag
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Scharf geschossen: Die Scharfschützen Rodger und Rocky im Jahre 1966. Das Cowboy-und-Indianer-Spielen war in der Deutschen Demokratischen Republik viel mehr als nur eine extravagante Freizeitbeschäftigung. Während die "Rothäute" weitgehend mit der offiziellen sozialistischen Linie kompatibel waren und in deren Sinne instrumentalisiert werden konnten, ließen sich die Cowboys allerdings nicht so einfach überhöhen - waren sie doch in den Western des "imperialistischen Klassenfeindes" USA die großen Helden.

Foto: Lutz Lehrmann / Suhrkamp Verlag
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Sozialistische Cowboys: Vor dem "Old Buffalo Saloon" in der von Pete Potlatch gebauten Westernstadt "Crazy Town" in Pasewalk in den achtziger Jahren.

Foto: Peter Altmann / Suhrkamp Verlag
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Der erste Häuptling der DDR: Johannes Hüttner alias "Powder Face" gründete im April 1956 eine "Volkskunstgruppe". Noch im selben Monat registrierte das Kreiskulturkabinett Radebeul offiziell die "Kulturgruppe für Indianistik".

Foto: Suhrkamp Verlag
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Anti-Amerika: Die Indianisten repräsentierten in der Deutschen Demokratischen Republik die Opfer des US-Imperialismus. Diese Karikatur aus den achtziger Jahren zeigt nordamerikanische Indianer als Marionetten der US-amerikanischen Machthaber.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Modernes Fortbewegungsmittel: Trotz Traditionsbewusstsein fuhren diese zwei "Indianisten" in den sechziger Jahren auf einem Motorrad.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Antiimperialistischer Kampf: Die Hobbyindianer in der Deutschen Demokratischen Republik identifizierten sich mit dem antiimperialistischen Befreiungskampf der nordamerikanischen Ureinwohner.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Indianertanz: Teilnehmer des Nationalen Indianerfestes 1986 im AGRA-Park Leipzig.

Foto: Siegfried Jahn / Suhrkamp
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Wildwest-Feeling: Saloon in der Hölle von Taucha. Aufnahme aus den siebziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Zeltlager: Auf der "Indian Week" trafen sich seit 1973 jährlich die ostdeutschen Indianerfreunde. Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Werner Turski / Suhrkamp Verlag
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Ein Cherokee in Radebeul: "Nicki" Buffalo Child 1966 im Indianermuseum (Karl-May-Museum) in Radebeul. Der Cherokee-Indianer war von 1966 bis 1971 Hüter des Museums.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Reservatskarte: Übersicht der Reservate, die die Indianisten in der Deutschen Demokratischen Republik gründeten.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Wilder Osten: Messerwerfen eines Volkskunstkollektivs im Jahre 1982. Die ostdeutschen Indianerfreunde sollten sich gesellschaftlich einbringen und einen Beitrag zum Aufbau des Sozialismus leisten - mit ihren Unterhaltungsprogrammen waren sie ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der DDR.

Foto: Gerhard Fischer / Suhrkamp Verlag
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Von Cowboys und Indianern: Was im Westen ein Hobby unter vielen war, hatte im Osten eine ganz andere Dimension - "Wilder Westen" bedeutete im Realsozialismus schließlich vor allem eines: Amerika. Dort herrschte der "imperialistische Klassenfeind" und so gerieten die Cowboys und Indianer der DDR in das spannungsgeladene Feld der politischen Symbolik. Die Aufnahme zeigt einige Radebeuler bei einem Marsch zum Indianermuseum im Jahre 1965.

Foto: Lutz Lehrmann / Suhrkamp Verlag
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Der Indianerkapitalist: Chief Pete Potlatch, der sich speziell für die Indianer des Nordwestens Amerikas interessierte, wollte mit seinem Indianistenklub ganz unsozialistisch Geld verdienen. Gegenüber offiziellen Stellen erklärte er indessen, die Indianer des Nordwestens seien eigentlich "sowjetische Indianer", um den Funktionären die Relevanz seines Hobbys zu verdeutlichen. Hier ist Pete Potlatch in einer Aufnahme aus dem Jahre 1987 zu sehen.

Foto: Suhrkamp Verlag
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In "Klamotte": Chief Pete Potlatch - eigentlich Peter A. - in authentischer Nordwestküsten-"Klamotte" in den achtziger Jahren. "Klamotte" steht in der Szene der Indianisten für indianische Trachten.

Foto: Peter Altmann / Suhrkamp Verlag
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Musik für Revolverhelden: Die Langspielplatte "Country tut gut" erschien 1989 bei AMIGA.

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Cowboy-Treffen: Die zweite Country-Week fand am 3. und 4. November 1989 statt.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Beim "Council": Alljährlich trafen sich seit 1958 die damals rund 150 aktiven Cowboy- und Indianerfreunde für ein langes Wochenende zum "Council", auf dem in bester Wildwest-Tradition gefeiert wurde.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Wilde Schießerei: Verteidigung der Ranch, ein Mann Verlust (Big Man). Aufnahme aus dem Jahre 1966.

Foto: Lutz Lehrmann / Suhrkamp Verlag
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Nationales Indianerfest: Indianisten haben anlässlich des Nationalen Indianerfestes in Leipzig 1986 ihre Tipis im AGRA-Park aufgebaut.

Foto: Suhrkamp Verlag
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"Freiheit für Leonard Peltier!": Ein Solidaritätsstand zugunsten Leonard Peltiers in den achtziger Jahren. Peltier galt als Ikone des Widerstandes der "native americans" in den USA. Er wurde nach einer Schießerei in der Pine Ridge Reservation, bei der 1975 zwei FBI-Agenten ums Lebens gekommen waren, von einem US-Gericht 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt. Vielen galt dieses Verfahren als unfairer Schauprozess, Peltier als unschuldig und politischer Gefangener der USA.

Foto: Werner Turski / Suhrkamp Verlag
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Indianisten-Stadtfest: Die ostdeutschen Indianisten, die nach dem Bau der Berliner Mauer eine offizielle Legitimation und eine Funktion beim Aufbau des Sozialismus erhielten, repräsentierten die Opfer des US-Imperialismus und trugen so zur sozialistischen Bildungsarbeit bei. Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Mit Federschmuck und Mokassins: Gerry und Addi Hiddisch mit Stämmen. Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Mit Tipi zum Fest: Postkarte anlässlich des 1. Indianerfestes im AGRA-Park in Leipzig vom 22. bis 24. August 1986.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Indianer-Tradition: Gräberehrung in Dresden 1965. Die Auseinandersetzung mit indianischen Riten und Tänzen machte aus vielen Indianisten regelrechte Experten. Das detaillierte Wissen reicht vom Musikinstrumenten bis hin zum Tipibau, von den Stammesgesetzen bis zu alten nordamerikanischen Sprachen.

Foto: Suhrkamp Verlag
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"Stetson City": Die Westernstadt außerhalb von Radebeul lässt die Herzen der ostdeutschen Wildwest-Fans höher schlagen. Es handelt sich hierbei um das Klubgelände des ersten Indianistikklubs der DDR "Old Manitou". Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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