Rubicon Trail Im Kriechgang
Der Rubicon Trail ist öffentlich. Er wird zumeist von speziell hergerichteten 4x4-Gefährten befahren. Doch genauso kann man den etwas über 30 Kilometer langen Gebirgspfad als Mountainbike, Wanderer, Quad- oder Enduro-Fahrer bezwingen. Der Trail liegt nahe des Lake Tahoe in Kalifornien. Er gilt in der 4x4-Szene als eine der schwierigsten Offroad-Strecken der Welt.
Offroad-Humor: "Am Anfang schuf Gott den Rubicon Trail und es war gut so." Besonders am Wochenende bevölkern Outdoor-Aktivisten den Trail. Vor dem Eingang parken dann unzählige Pick-ups mit Hängern, auf denen umgebaute Jeeps parken. Normale Geländewagen haben keine Chance, die felsigen Passagen unbeschadet zu überstehen.
Der Wille ist da, der Weg nicht. Bisweilen braucht es gutes Gefühl im Gasfuß, um die Felsen im richtigen Winkel zu erklimmen und mit dem Wagen nicht aufzusetzen. Alte Rubicon-Regel: Fahre niemals alleine. Am besten sogar mir mehreren Fahrzeugen. So kann, wer feststeckt, von den anderen wieder befreit werden.
Harter Brocken: Hier war selbst für den Jeep Wrangler die Fahrt vorläufig zu Ende. Ein medizinballgroßer Fels hat sich unter dem Wagenboden verkeilt, die Räder verlieren den Kontakt zum Boden. Dann helfen auch keine Differenzialsperren mehr.
Wie Blutspuren kennzeichnet verlorenes Öl den Weg der Vorgänger. So manches Getriebe und Differenzial wurden hier schon zerstört.
Rüttelpause: Unser Autor beim Lunch-Stopp. Mehr als zwei Stunden Fahrt am Stück machen meist die Bandscheiben nicht mit.
Wer den Gipfel erklommen hat, genießt eine fantastische Aussicht auf die Sierra Nevada. Unglaublich, dass Menschen sich hier schon vor mehr als 150 Jahren einen Weg gebahnt haben.
Im Zweifel sollte stets eine erfahrene Person vorausgeschickt werden, die einem exakt die richtige Spur weist. Den Rest erledigen Untersetzungsgetriebe, Differenzialsperren und ein entkoppelter Stabilisator an der Vorderachse. Mit allem ist der Wrangler Rubicon serienmäßig ausgestattet.
Mit von der Partie war bei der von Jeep organisierten Tour auch der "Stitch", die Studie einer Buggy-Leichtbauversion. Seine größeren Räder, die höhere Bodenfreiheit und das geringere Gewicht ließen den Wagen locker über Stock und Stein gehen. In Serie schafft es dieses Auto zwar nicht, aber einige Ideen werden künftig in Jeep-Modellen realisiert.
Tödliche Unfälle am Rubicon Trail sind nicht bekannt - Knochenbrüche von Wanderern und Mountainbikern hingegen schon. Wer oder was hinter der Aufschrift "Pat ECV" steckt, wissen nur die Angehörigen. Statt Blumen ziert das Grab eine verrostete Antriebsachse.
Sarkasmus der Enkel: Großmutter Jackie Hall fuhr angeblich keinen Allradantrieb. Doch dies wird sicher nicht der Grund für ihr Ableben gewesen sein.
Reifen-Knutschen: Sehr beliebt unter den Hardcore-Offroadern ist das einseitige Hochfahren auf den Reifen des anderen. Diese beiden Rubicon-Fans haben ihre Jeeps für härtesten Geländeeinsatz hergerichtet. Mit einer Seilwinde kann man sich zur Not selbst herausziehen.
Bisweilen besteht der Rubicon Trail nur noch aus Felsen, zwischen denen sich die Autos ihren Weg suchen müssen. Zwischen November und Mai bleibt der Trail gesperrt, dann liegt dort meistens Schnee.
Welches Gelände sollte diesen Reifen aufhalten? Riesige Räder und eine höher gelegte Karosserie schaffen mehr Bodenfreiheit und damit eine der Grundvoraussetzungen, schwieriges Terrain zu bezwingen. Bei Dunkelheit sorgt die LED-Leiste am Dach für taghelle Bedingungen.
Kriechgang-Künstler: Meist am Wochenende trifft man sich mit ein paar Gleichgesinnten, um sich und Material zu fordern. Auf die Frage, warum man denn unbedingt hier langfahren muss, erhält man nur die eine Antwort: "Weil es Spaß macht."
Oldie auf Ausfahrt: Dieser hergerichtete Jeep CJ5 ist 52 Jahre alt, aber immer noch fit genug für den Rubicon Trail. Andere Marken als Jeep sind hier kaum anzutreffen. Für sie sind einige Passagen schlicht unüberwindbar.