Rückwanderer aus Russland - DER SPIEGEL
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Rückwanderer aus Russland Wider die "Leutenot"

Schluss mit der Plackerei: Landarbeiter aus dem ostholsteinischen Lensahn wanderten Ende des 19. Jahrhunderts in die Industriegebiete oder ins Ausland ab. Die Regierung versuchte, der "Leutenot" durch den Einsatz von Kindern, polnischen Saisonarbeitern und Rückwanderern aus Russland Herr zu werden. Uwe Stock über die Situation vor Ort.
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Feld statt Penne: "Regierungserlaß vom 5. Januar 1871, betreffend die Dispensationen vom Schulbesuch sowie die Ausführungs-Instruction. 1871. Schleswig." Der sehr unregelmäßige Schulbesuch in den ländlichen Volksschulen zieht sich durch das ganze 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren noch 20 Prozent der schulpflichtigen Kinder im Sommer für Erntearbeiten in der Landwirtschaft "dispensiert". Erst 1910 vermerkten die Schulchroniken von Schwienkuhl und Lensahn, dass "im Sommer keine Schüler für ländliche Arbeiten dispensiert" waren. Im Ersten Weltkrieg war allerdings an einen geregelten Unterricht im Sommer nicht zu denken.

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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Kartoffelernte: Polnische Saisonarbeiterinnen beim Aufnehmen von Kartoffeln auf dem Gut Koselau in Ostholstein. Das Ernten der Kartoffeln ist reine Handarbeit. Ein Mitarbeiter des Gutes führt die Aufsicht. Bei dem Wagen im Hintergrund handelt es sich um ein Wagengestell auf Lorenrädern. Offensichtlich gab es auf dem Gut eine Feldbahn zum Abtransport der Ernte.

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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Kein Zuckerschlecken: Vor der riesigen Gutsscheune sind polnische Saisonarbeiterinnen und andere Gutarbeiter damit beschäftigt, den Mist auf Bauwagen zu laden - eine schwere körperliche Arbeit. In der Mitte des Bildes ist der Aufseher zu erkennen.

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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"Polnische Garde": Polnische Saisonarbeiterinnen im Sonntagsornat zusammen mit dem Gutspächter Walter Matzen. Vermutlich wurde das Bild vor oder nach einem Kirchbesuch oder Gottesdienst aufgenommen. Ob eine Arbeiterin ihr Kind mit nach Koselau genommen hat oder ob es sich um ein Kind aus dem Dorf handelt, bleibt unklar. Das Bild stammt aus dem Fotoalbum des Gutes Koselau und trägt den Titel "polnische Garde".

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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Neues Glück im Westen: Das Bild zeigt Adolf Liebelt und einen Teil seiner Familie, die 1912 aus Russland nach Deutschland "rückgewandert" war. Der Fürsorgeverein in Berlin vermittelte sie an das Gut Koselau. In den 1920er Jahren wurde die Familie eingebürgert. Einige der Nachkommen leben noch heute in Koselau.

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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Lizenz zum Arbeiten: Arbeiter-Legitimationskarte für Franz Buchholz aus Stanislawowka im Kreis Shitomir, Ukraine. Sein Arbeitgeber war der Hofpächter Grimm in Kayhof, Ostholstein. Die Legitimationskarte diente der Überwachung der Saisonarbeiter sowie der Rückwanderer aus Russland, solange sie noch nicht eingebürgert waren.

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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Rückwandern - so geht's: Broschüre des Fürsorgevereins für deutsche Rückwanderer in Berlin. Mit Hilfe dieses Leitfadens konnten sich interessierte Bauern über die Bedingungen für die Vermittlung von Landarbeiterfamilien aus Russland informieren. Der Fürsorgeverein stellte Muster für Dienstvertäge zur Verfügung und überwachte die Arbeitsbedingungen nach der Vermittlung. Er fungierte auch als Beschwerde-Instanz für die Aussiedler und sorgte, falls erforderlich, für eine neue Arbeitsstelle.

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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