Kinder-Rugby in Italien "Mom, I'm a Rugby Player"
Rugby ist in Italien ein Nischensport. Neben dem Fußball findet es nur wenig Beachtung, obwohl die Nationalmannschaft jährlich beim Six-Nations-Turnier startet und Rugby bereits im 19. Jahrhundert in Italien gespielt worden sein soll. Es gibt aber auch rugbybegeisterte Kinder. Der Fotograf Gianmarco Maraviglia hat einige davon mit seiner Kamera begleitet - darunter den eigenen Sohn.
Rechts ein ernster Blick, links ein Lächeln: der Rugby-Nachwuchs vor einer Partie. Trotz des jungen Alters ist Rugby auch hier ein Kontaktsport.
Auf der Ersatzbank bekommen die Spieler die letzten Instruktionen der Trainer. Fast 90.000 Menschen spielen in Italien Rugby. Weltweit sind es 9,1 Millionen Menschen, 2,4 Millionen davon sind weiblich.
Durch die hohe Gefahr von Kopfverletzungen hat der Weltverband ein sogenanntes "Concussion-Management" entworfen, das den genauen Ablauf nach einem Zusammenstoß regelt. Von den ersten Anzeichen einer Kopfverletzung über die Auswechslung bei einem Verdacht bis zur Rückkehr aufs Spielfeld.
"Die Kinder lieben, dass es ein Teil des Sports ist, dreckig zu werden", sagt Fotograf Maraviglia.
Rugby im Regen wird von den Jüngsten offenbar noch nicht so gut aufgenommen. In den unteren Altersklassen spielen Mädchen und Jungen gemeinsam in Teams.
Beim Jugendrugby stellt jedes Team zehn Spieler auf. Da kommt es vor, dass Kinder zunächst auf der Ersatzbank sitzen, und ihre Energie auf andere Weise loswerden müssen.
Augen zu und durch: Beim Spiel zwischen den Jugendteams der Mailänder Klubs Dragoni del Parco Sempione und Rugby Milano begräbt eine Spielertraube den Ball unter sich.
Das neuseeländische Nationalteam führt vor jeder Partie den sogenannten Haka auf, einen rituellen Tanz der indigenen Bevölkerung, der Maori. Fast so imposant: der Blick dieses Jungen, um den Gegner einzuschüchtern.
Rugby kann sehr anstrengend sein. Die Spielzeit variiert von zweimal sieben Minuten, wie beim Siebener-Rugby, bis zu 80 Minuten, wie beim Rugby Union. Auf dem Trainingsgelände der Dragoni del Parco Sempione, dem Vigorelli Palace, auf dem dieser kleine Spieler gerade eine Pause nimmt, hatten die Beatles 1967 ihre erste Liveshow.
Gejubelt wird beim Rugby generationengerecht: Der Dab gehört dazu.
Auf dem Platz sind sie Rivalen, doch nach einem Rugby-Spiel gehört es für die Teams zum guten Ton, gemeinsam mit Bier anzustoßen, sagt Fotograph Maraviglia. Das werde dann "Dritte Halbzeit" genannt. Bei den Jüngeren werden die Bedingungen dementsprechend angepasst: Man isst und trinkt zusammen. Saft, wohlgemerkt.
Im Hintergrund wird das Bier für die "Dritte Halbzeit" des Erwachsenenteams gelagert. Davor machen sich die Kinder aber zunächst auf dem Weg zu ihrem Mahl nach dem Spiel.
"Mom, I'm a Rugby Player": Stolz wiegt im Rugby mit, ob bei den Erwachsenen oder den Kindern - oder deren Eltern. Zu den Spielen der ersten italienischen Liga kommen teilweise Tausende Menschen, zu den Spielen der Jüngsten oft nur die Eltern.
Im Erwachsenenrugby gibt es verschiedene Arten des Spiels. Rugby Union gilt als etabliert, in der Form spielen zwei Mannschaften à 15 Spielern zweimal 40 Minuten gegeneinander. Weniger verbreitet sind das Touch Rugby und das Siebener-Rugby, das seit 2016 olympisch ist. Die von Maraviglia begleiteten Kinder haben noch Zeit, sich für eine Art des Spiels zu entscheiden.