Ruhrkampf - DER SPIEGEL
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Besetzung des Ruhrgebiets Verlierer auf allen Seiten

Es war ein Krieg nach dem Krieg: 1923 besetzten französische Soldaten das Ruhrgebiet, um den Deutschen ausstehende Reparationsgüter abzutrotzen. Die Bevölkerung wehrte sich mit allen Mitteln - und der Konflikt eskalierte zum blutigen Kampf.
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Präsentiert das Gewehr! Je verfahrener die Situation, desto massiver die Kontrollen und Überwachungen im Ruhrgebiet. Im Juni 1923 gingen die Franzosen so weit, den Eisenbahnverkehr zwischen beiden Teilen Deutschlands einzustellen.

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An der Quelle: Da die Deutschen mit ihren Reparationsleistungen im Verzug waren, marschierten die Franzosen im Ruhrgebiet ein, um die dortige Kohle- und Koksproduktion als "produktives Pfand" zur Erfüllung der deutschen Verpflichtungen zu sichern. Das kolorierte Foto zeigt einen französischen Solaten auf einem requirierten Kohlenzug.

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Ausgewiesen: Schnell avancierten die Ausweisungen zum Hauptinstrument der Besatzungspolitik im Ruhrkampf. An die 150.000 Menschen deportierten die Franzosen und Belgier ins unbesetzte Reich, wobei die Beamten und deren Familien besonders betroffen waren. Das Foto zeigt Wartende vor einer Beratungsstelle des Roten Kreuzes für Ausgewiesene auf dem Limburger Bahnhof.

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Verhärtete Fronten: Mit dieser Gegenwehr hatten Franzosen und Belgier nicht gerechnet. Noch am Tag des Einmarsches am 11. Januar 1923 rief Reichspräsident Friedrich Ebert die Bevölkerung zum passiven Widerstand auf - mit der Folge, dass Wirtschaft und Transportwesen im Ruhrgebiet komplett zusammenbrachen. "Unter dem Zwang der Bajonette leisten wir nichts!", fomulierte der deutsche Finanzminister Andreas Hermes die deutsche Position, die die Gegner mit Gewalt zu brechen versuchten. Das Foto zeigt französische Besatzungssoldaten bei einer Straßenkontrolle in Essen.

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Draußen bleiben! Unerwünscht im eigenen Land - die Franzosen schirmten sich gegen die deutsche Bevölkerung ab. Das Foto zeigt den Eingang eines französischen Offizierskasinos in Essen.

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Mit Waffengewalt: Im Alltag bedeutete die Ruhrbesetzung eine ständige Überwachung der Bürger durch die machthabenden Franzosen und Belgier, die mit rund 100.000 Mann das Gebiet verteidigten. Das Foto zeigt einen französischen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett bei einer Personenkontrolle.

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Gegen Überfremdung: Die französische Besetzung des Ruhrgebietes beförderte den deutschen Nationalismus massiv. "Deutsch bleibt der Rhein!" - mit dieser Parole wehrte sich der Auftraggeber dieses politischen Plakates von 1923, die "Liga zum Schutze der deutschen Kultur" gegen die Dominanz der "Erzfeinde".

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Nationaler Held: Der Nationalsozialist Albert Leo Schlageter (2. Reihe, 3.v.l.), der gemeinsam mit anderen gleichgesinnten Freikorpskämpfern die Besatzung etwa durch Brückensprengungen sabotiert hatte, wurde von den Franzosen gefangen genommen und trotz landesweiter und internationaler Proteste am 26. Mai 1923 hingerichtet. Daraufhin wurde er zum nationalen Helden, den selbst die Kommunisten feierten.

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Böse Nachbarn: "Auf Wiedersehen! Ihr werdet mir bald nachfolgen, ob ihr wollt oder nicht", ruft der deutsche Michel aus dem Sarg heraus dem französischen Ministerpräsidenten Raymond Poincaré (mit Schaufel) und der Allegorie Englands, dem "John Bull", zu. Diese Karikatur von Wilhelm Schultz aus dem "Simplicissimus" prangert die Haltung der Nationen Frankreich und England im Ruhrkampf an.

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Kontrolle ist besser: Da die Bevölkerung des Ruhrgebiets die Besetzung mit "passivem Widerstand" beantwortete, verstärkten die Besatzer ihre Überwachung. Das Foto zeigt einen französischen Soldaten, der ein Binnenschiff an einer Schleuse des Rhein-Herne-Kanals kontrolliert.

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Trauer und Wut: Die Konfrontationen zwischen Besatzern und Besetzten kulminierten im sogenannten "Essener Blutsamstag" am 31. März 1923. Französische Soldaten, die in den Essener Krupp-Werken Beschlagnahmungen vornehmen wollten, erschossen 13 Arbeiter, 30 weitere wurden verletzt. Das Foto zeigt den Trauerzug für die getöteten Arbeiter.

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Weg vom Wasser! Aus Angst vor Sabotageaktionen untersagten die Besatzer der Bevölkerung, sich den Wasserstraßen im Ruhrgebiet zu nähern. Abgebildet ist ein Verbotskatalog für die ganze Strecke des Rhein-Herne-Kanals, des Dortmund-Ems-Kanals, des Lippe-Seitenkanals und des Zweigkanals von Herne, unterzeichnet vom kommandierenden französischen General Jean Marie Joseph Degoutte.

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Kohle, Stahl, Holz: Da die Deutschen mit ihren Reparationszahlungen im Rückstand waren, forderten die Siegermächte des Ersten Weltkrieges statt Geld Sachleistungen, insbesondere Holz, Kohle und Stahl. Das Foto zeigt französische Soldaten auf dem Gelände des Steinkohlen-Bergwerks "Mathias-Stinnes-Zeche" in Essen-Karnap.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?