Bestseller 2018 Die meistverkauften Sachbücher des Jahres 2018
1 Michelle Obama: "Becoming. Meine Geschichte"
Darum geht's: "Ich werden", "Wir werden", "Mehr werden": In dieser Steigerung erzählt Michelle Obama nicht nur von sich selbst und dem Alltag im Weißen Haus. Sondern davon, wie sie als Juristin einst den Praktikanten Barack Obama betreute, ihm zuschaute, wie er in Flipflops Basketball spielte, bis sie als POTUS und FLOTUS in Washington landeten, es dennoch schafften, in kleinen Lokalen zu essen und Skifahren als Freiheitsmoment in der Blase zu entdecken. Ihre Geschichte zeigt, dass Liebe heißen kann, eine Unterhaltung zu beginnen, die nie endet. Und dass aus einer lebenslangen beruflichen Ambition ein gesellschaftspolitischer Impetus werden kann.
Bestseller-Zutaten: Als ob das Charisma von Michelle Obama nicht völlig ausreichte: Ihre kompromisslose Menschenfreundlichkeit ist die nötige Alternative zum grassierenden Rotz allüberall. Bedarf scheint vorhanden: Kaum erschienen im November, war "Becoming" sofort auf Platz eins.
Zu Recht Bestseller? Ihre geradlinige No-Bullshit-Haltung ist inspirierender als alle Ratgeberbücher aller Jahresbestsellerlisten zusammen.
Auf diese Alternativen warten wir 2019: Die stille, schlaue Kraft, die von Ex-Bundeskanzlergattin Loki Schmidt ausging, hinterließ ebenfalls Spuren. "Ein Jahr mit Loki" von Lothar Frenz (Februar, Rowohlt Berlin) erzählt ihre Geschichte.
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Michelle Obama: "Becoming. Meine Geschichte", übersetzt von Harriet Fricke, Goldmann Verlag, 544 Seiten, 26 Euro
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2 Stephen Hawking: "Kurze Antworten auf große Fragen"
Darum geht's: "Gibt es einen Gott?", "Wie hat alles angefangen?", "Werden wir auf der Erde überleben?": Es ist das letzte Buch des Über-Physikers Stephen Hawking, der im Frühjahr 2018 gestorben ist . Mit Fragen wie Antworten geht er wirklich aufs Ganze - liefert einen genial schlüssigen Anti-Gottesbeweis, erklärt String-Theorie sowie die Energie schwarzer Löcher und problematisiert die Eigenständigkeit Künstlicher Intelligenzen, die selbst ihm "zu gewaltig" und "zu viele" sind. Uff."
Bestseller-Zutaten: Hawking ordnet lässig und mit viel Freude die Naturgesetze. Sein Clou: Er spielt Wissenschaft und Religion nicht gegeneinander aus - und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Der nächste Asteroideneinschlag hat genauso Platz wie seine Zeitreiseparty, zu der keiner kam, weil er die Einladungen am Tag danach verschickte.
Zu Recht Bestseller? Keiner weckt mehr Weltneugier als Hawking - und dafür braucht er nicht mehr als einen schmalen Band.
Auf diese Alternativen warten wir 2019: Ebenso gattungsüberschreitend wie zukunftsweisend: das Hauptwerk des chinesischen Philosophen Zhao Tingyang "Alle unter einem Himmel. Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung" (September, Suhrkamp).
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Stephen Hawking: "Kurze Antworten auf große Fragen", übersetzt von Hainer Kober und Susanne Held, Klett-Cotta Verlag, 255 Seiten, 20 Euro
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3 Bas Kast: "Der Ernährungskompass"
Darum geht's: Kriegt einer beim Joggen Herzstechen. Und merkt, dass der Sport die Chips, die er in sich reinschiebt, doch nicht so kompensiert, wie er immer dachte. Als Wissenschaftsjournalist beim "Tagesspiegel" macht Bas Kast das Naheliegende: Er recherchiert sich durch alle Ernährungs- und Diätstudien, die er finden kann - breitet hier seine Ergebnisse aus. Über Atkins, Intervallfasten, Vitamin-Tabletten, die exakte gesundheitsfördernde Menge Alkohol.
Bestseller-Zutaten: Geschrieben von Laie mit Wissenschaftsexpertise, also niedrigschwellig, aber fundiert.
Zu Recht Bestseller? Dass Bas Kast keine Aktien in irgendeiner Ernährungsform hat, ist ein großes Pfund. Dass er als Wissenschaftsjournalist Forschungsergebnisse so übersetzen kann, dass sie mit Blick in den eigenen Kühlschrank Sinn ergeben und er Rückgrat genug hat, "ein vorsichtiges Fazit" zu ziehen, schafft Vertrauen. Aber dass Fett nicht so böse ist, wie alle dachten, Zucker dagegen schon und Nüsse super sind, sind wirklich olle Kamellen.
Auf diese Alternativen warten wir 2019: Je nach, ähem, Geschmack: Die Fortsetzung des 2017er-Bestsellers von Andreas Michalsen, dem undogmatischen Charité-Professor für Klinische Naturheilkunde: "Mit Ernährung heilen - Besser essen - einfach fasten - länger leben." (Februar, Insel). Oder doch die Generalabrechnung von Nils Binnenberg "Ich habe es satt! Wie uns Ernährungsgurus krank machen" (März, Suhrkamp).
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Bas Kast: "Der Ernährungskompass", C. Bertelsmann Verlag, 320 Seiten, 20 Euro
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4 Thilo Sarrazin: "Feindliche Übernahme"
Darum geht's: Eine Art Fortführung von "Deutschland schafft sich ab": Hier versucht er vorzurechnen, dass die Republik untergeht, wenn weitere Muslime ins Land kommen oder die, die hier leben, noch weitere zeugen. Weil dann Muslime die Politik dominierten. Dazu Statistiken, Schaubilder, seitenweise Tabellen. Und ausführliche demographische, psychologische, sozioökonomische Beweisführungen, die ganz ruhig den "insulären Charakter der islamisch geprägten Kulturen" anprangern, das eingeschränkte "Meinungsklima", die "gegenüber Wissen und Fortschritt gleichgültige Natur des Islam"...
Bestseller-Zutaten: Sarrazin, der Islam und das scheinheilige Geraune vom "Endlich sagt's mal einer". Dazu der "Skandal" im Sommer, als Random House sich weigerte, das Buch zu veröffentlichen, und er damit flugs beim "Finanzbuchverlag" unterkam.
Zu Recht Bestseller? Wer inhaltlich hinter Sarrazin steht, dem kann man hier nicht mit Fakten kommen. Aber eine Erhebung würde lohnen: Alle Käufer und Käuferinnen besuchen, das Buch aufblättern - und prüfen, ob mehr als die ersten zehn Seiten abgenutzt erscheinen. Wir wetten: Alle mittendrin eingeschlafen.
Auf diese Alternativen warten wir 2019: Gutes Gegengift: "Warum so viel Hass?", die Essaysammlung von Leïla Slimani (Mai, btb) und Sophie Passmanns "Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch" (März, Kiwi)
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Thilo Sarrazin: "Feindliche Übernahme", FinanzBuch Verlag, 450 Seiten, 24,99 Euro
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5 Michael Wolff: "Feuer und Zorn"
Darum geht's: Donald Trump ist gewählt, tritt sein Amt an - und die Hölle ist los. Der Journalist Michael Wolff setzt sich auf ein Sofa im Weißen Haus und bleibt. Sieht, wer kommt, wer geht, quatscht mit diesem und jenem. Und führt diese Recherchen in einem fast nach Tagesprotokoll klingenden Bericht zusammen: über Trumps Arbeitsethos (mäßig), seine Paranoia vor Keimen (drum am liebsten Burger King), seine Aussetzer (zehn Minuten, dann von vorne) und die Ränkespiele innerhalb seiner Entourage.
Bestseller-Zutaten: Außer Trump als unberechenbarer Bösewicht? Wolffs Nähe zum Geschehen, die tatsächliche wie die behauptete. Und der sensationslüsterne Ton.
Zu Recht Bestseller? Als Chronik dieser ersten neun Monate zweifellos. Doch: Das Buch ist durchzogen davon, wer wann was "begeistert" zu wem sagt, wer vor welchem Satz einen Schluck Wasser trinkt, ohne dass Wolff selbst dabei war. All das bestärkt das Gefühl, dass hier die Grenzen zwischen Fakt und Vermutung verwischen.
Auf diese Alternativen warten wir 2019: Bis die Taschenbuchausgabe von Ta-Nehisi Coates' "We Were Eight Years in Power: Eine amerikanische Tragödie" erscheint (September, Fischer): alle sieben Staffeln "The West Wing" anschauen. Für einen fiktionalen Hinter-die-Kulissen-Blick, besseres Ende inklusive.
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Michael Wolff: "Feuer und Zorn", übersetzt von Thomas Gunkel und Isabel Bogdan, Rowohlt Buchverlag, 480 Seiten, 19,95 Euro
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