Skandinaviens Ureinwohner Mehr als nur Rentierzüchter
Rentierzüchter, Schlittenfahrer und Trachtenträger: Der Fotograf Joel Marklund will zeigen, dass die Ureinwohner Skandinaviens all das sein können - aber auch noch mehr. Er hat Menschen aus Schweden, die dem Volk der Samen angehören, porträtiert. Hier posiert Mattias Jonsson in einem Kolt, der traditionellen Tracht.
Jonsson arbeitet in der Rentierindustrie. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Vater macht er eine kurze Pause vom Markieren der Rentierkälber: "Ich hatte eine fantastische Kindheit. Das verdanke ich der Kultur und der Lebensart der Samen. Ich möchte meine Kinder auch so aufwachsen sehen und ihnen dabei immer zur Seite stehen", sagt Jonsson.
Rund zehn Prozent aller Samen sind in der traditionellen Rentierzucht tätig. Marklund selbst wuchs in der Nähe einiger samischer Siedlungen auf: "Ich wollte unbedingt etwas fotografieren, das mich wirklich berührt. Über die Geschichte der Samen wurde noch nicht viel berichtet."
Marika Renhuvud hilft in der Schlachterei ihrer Eltern aus. Normalerweise arbeitet sie als Tänzerin in Stockholm: "Ich habe es mein ganzes Leben lang geliebt, mit den Rentieren zu arbeiten und bin schon als Kind mit meinem Vater in den Wald gezogen. Aber ich musste auch feststellen, dass ich unglaublich gerne tanze. Das macht mich glücklicher als alles andere auf der Welt."
"Ich glaube, dass man über den Tanz Geschichten über unsere Kultur erzählen kann. Ich kann mich damit ausdrücken, meinen Schmerz, was ich fühle und denke und was ich gerne in unserer Gesellschaft ändern würde", sagt Renhuvud.
Schon seit den Achtzigerjahren kämpfen Bo Sunna und seine Familie gegen die lokalen und nationalen Behörden, weil ihnen das Recht genommen wurde, Rentiere zu hüten - sie ließen die Tiere nicht in abgesperrten Gebieten grasen und markierten sie nicht gesetzeskonform.
Marklund will den Alltag der Samen zwischen Tradition und Moderne zeigen - er unterscheide sich kaum von dem der restlichen schwedischen Gesellschaft. Daher fotografierte er seine Protagonisten stets in Alltagskleidung und in dem traditionellen Kolt.
Matti Berg ist Vorsitzender der Samensiedlung Girjas. 2016 wurden der Siedlung exklusive Fisch- und Jagdrechte in der Umgebung verliehen. Damit erhielten die dort lebenden Samen ihr angestammtes Recht wieder, das ihnen 1993 vom schwedischen Parlament abgesprochen worden war.
"Dieses Land bedeutet mir so viel, es ist Teil von mir, Teil meiner Leute und Teil unserer Identität. Das Land ist alles für uns", sagt Berg.
Ola Stinnerbom ist ein samischer Künstler und Trommler. Das Fell, das er trägt, ist Teil seiner samischen Tracht.
Stinnerbom bemalt eine Trommel: "Mir ist es ein Anliegen, der Samen-Trommel wieder Leben einzuhauchen und zu zeigen, wie man sie auch in modernen Zeiten einsetzen kann. Ich möchte die Kinder der Samen und andere junge Menschen dazu anregen, sich ihre eigene Trommel zu bauen und auch darauf zu spielen, um unsere kulturellen Wurzeln nicht zu vergessen."
Merethe Kuhmunen ist Studentin im Fachbereich Leder und Textilien am Ausbildungszentrum der Samen und setzt sich für die Rechte der LGBT-Gemeinschaft ein.
Kuhmunen mit ihrer Freundin: "Selbst heute gibt es noch einiges zu tun, was die Thematik der Schwulen- und Lesbenbewegung hier angeht. Ich werde nicht aufgeben. Ich glaube, dass jeder genau das sein sollte, wozu er oder sie geboren wurde."
"Ich mag das Wort 'Lappen' nicht, denn es ist ein entwürdigendes, herabsetzendes und diskriminierendes Wort, mit dem uns die schwedische Regierung bezeichnet hat. Ich ziehe das Wort 'Samen' vor, da das Volk der Samen dieses Wort immer schon verwendet hat", sagt Katarina Kielatis. So wie ihr geht es auch vielen anderen Samen.
Die junge Frau studiert im Fachbereich Leder und Textilien am Ausbildungszentrum der Samen.
Die Tracht der Samen ist je nach Region unterschiedlich, an der Kleidung können sie die Herkunft und die Familienzugehörigkeit des Trägers erkennen.
Sunna arbeitet als Künstler: "Viele Aspekte meiner Kunst basieren auf den Erfahrungen und den Ereignissen in meiner Familie. Dazu gehört auch die Umsiedlung, die 1986 durchgeführt wurde."
Maxida Märak wurde in Stockholm geboren, zog dann aber um, weil sie in einer traditionellen Samengemeinschaft leben wollte: "Als ich aufgewachsen bin, fehlten mir irgendwie die Vorbilder, die sich für die Rechte der Ureinwohner einsetzen, und deshalb kam mir der Gedanke, selbst zu einem Vorbild zu werden."
Inzwischen ist Märak zurück in die Stadt gezogen, wo sie als Sängerin erste Erfolge feiert. Trotzdem ist sie stolz darauf, den Samen anzugehören und setzt sich sehr dafür ein, dass sie weniger diskriminiert werden. Auf der Bühne trägt sie auch traditionelle Kleidung.
Marklund ist enttäuscht darüber, wie manche sich gegenüber den Samen verhalten: "Sie werden immer noch häufig als Bürger zweiter Klasse behandelt. Ich fühle mich verpflichtet, die individuellen Geschichten dieser Menschen zu erzählen und ihnen hoffentlich die Stimme zu geben, die sie verdienen."