Schach-WM So lief die längste Partie der WM
Viswanathan Anand wechselte wieder zur Berliner Verteidigung der Spanischen Partie. Magnus Carlsen wählte die Hauptvariante, und es entstand das typische Berliner damenlose Mittelspiel: Weiß hat eine bewegliche Bauernmajorität am Königsflügel. Die schwarze Bauernmajorität am Damenflügel ist durch den Doppelbauern auf der c-Linie entwertet. Dafür besitzt Schwarz das Läuferpaar.
Bis zum 24. Zug folgten die beiden Spieler einer aktuellen Vorgängerpartie (Giri-Radjabov, Tashkent 2014). Schwarz hat wegen der Fesselung des g-Bauern den weißen h-Bauern erobert, wird aber später seinen eigenen h-Bauern einbüßen. Der Bauer c7 ist im Moment ungedeckt, aber auch völlig uninteressant.
Nach der Eroberung des weißen h-Bauern hat Weiß eine 2:1-Bauernmajorität am Königsflügel, könnte sich also einen Freibauern verschaffen. Dafür hat er den Bauern a2 eingebüßt. Weiß hat eine lästige Initiative. Erneut ist es ein Spiel auf ein Tor. Anand zeigt aber eine großartige Verteidigungsleistung.
Anand gab nun seinen Läufer für die beiden weißen Bauern am Königsflügel. Der schwarze Bauer e5 verschwindet ebenfalls vom Brett. Schwarz hat dann zwar eine Figur weniger (dafür zwei Bauern mehr), kann aber eine Festung errichten.
In dieser Konstellation hat Carlsen lange auf Gewinn gespielt. Gerne würde er unter günstigen Umständen einen Springer nach d5 bringen (nach vorherigen c2-c4), um den Bauern c7 anzugreifen. Doch Anand wusste das stets zu verhindern.
Schließlich fand Anand einen Weg, alle weißen Bauern zu tauschen. Carlsen eroberte zwar nun auch noch die beiden schwarzen Bauern, doch das Endspiel Turm und Läufer gegen Turm ist theoretisch remis: Weiß kann keinen Gewinn erzwingen. Allerdings spielte Carlsen noch einige Zeit weiter, bevor er sich in die Punkteteilung fügte. Remis im 122. Zug. 125 Züge wären WM-Rekord gewesen. Die vollständige Analyse unsere Kooperationspartners ChessBase finden Sie unter http://de.chessbase.com/post/remis-nach-122-zuegen.