Schattenseiten von Firmengründern Narzissten, Machiavellisten, subklinische Psychopathen
Existenzgründer gesucht: Seit vielen Jahren schon werden Unternehmensgründer gefördert und von Politik, Wirtschaft, Medien bejubelt - als couragierte Arbeitsplatzschaffer, als Helden des Standorts Deutschlands. Vier junge Wissenschaftler beschäftigen sich mit den Schattenseiten von Firmengründern. Matthias Kramer und Dominik Schwarzinger erklären im KarriereSPIEGEL-Interview drei Typen, die ihnen in der Gründerforschung begegneten.
Typ eins: Der Narzisst
Sein Motor bei der Firmengründung ist eine starke Überzeugung von sich selbst. Dazu sagt Forscher Dominik Schwarzinger:
"Die Narzissten zeichnet in erster Linie überzogene Selbstwertschätzung aus; sie halten sich für die Besten, wollen bestätigt und bewundert werden. Eine gewisse Empathielosigkeit und Arroganz vereinen sie mit einer starken Anspruchshaltung: Narzissten glauben, sie hätten mehr verdient als ihre Mitmenschen - zum Beispiel ein höheres Einkommen und generell einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens."
Typ zwei: Der Machiavellist
Die Statue zeigt Niccolò Machiavelli (1469-1527). Der Name des italienischen Staatsmann, Philosophen und Dichters steht für rücksichtslose Machtpolitik; die Forschergruppe überträgt das auf Existenzgründer. Matthias Kramer:
"Machiavellisten sind manipulative Machtmenschen und kennen viele Strategien, um Gegner unter Druck zu setzen. Anders als Narzissten können sie sich selbst eher realistisch einschätzen und gehen pragmatisch vor. Ihre emotionale Distanziertheit lässt Machiavellisten komplett ausblenden, was andere von ihnen halten mögen - in Konflikt- oder Wettbewerbssituationen kann es von Vorteil sein, sich ganz auf den Sieg zu konzentrieren."
Typ drei: Der subklinische Psychopath
Firmengründer als soziale Raubtiere? Die Wissenschaftler haben auch sehr sprunghafte, skrupellose Charaktere gefunden. Dominik Schwarzinger:
"Subklinische Psychopathen haben, wie Narzissten, ein übermäßiges Selbstwertgefühl. Noch ausgeprägter als bei den Machiavellisten ist ihre emotionale Kälte und Bereitschaft, ohne Rücksicht und Schuldbewusstsein fürs eigene Wohl zu lügen und zu betrügen. Auf andere wirken sie oft intelligent, unterhaltsam, auch charmant. Aber es ist ein glatter, oberflächlicher und oft aggressiver Charme. Robert Hare, führender Psychopathie-Forscher aus den USA, spricht in diesem Zusammenhang auch von 'sozialen Raubtieren': Ihnen würden genau die Dinge fehlen, die wichtig sind für ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft - ein Gewissen, Achtsamkeit gegenüber Mitmenschen. Ein dritter Aspekt ist ein Lebensstil, der gekennzeichnet ist von Reizhunger, Impulsivität und dem Fehlen langfristiger Pläne."