Schill Der Aufräumer von der Elbe
Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust neben Innensenator Schill im September 2002. Die Hamburger Sozialdemokraten hatten damals schon die Absetzung von Schill gefordert. Jetzt hatte auch von Beust genug
Innensenator Schill vor dem Polizeiemblem der Hansestadt: Der Sheriff und sein Stern
Die Hamburger Polizei erstrahlt in neuem Chic: Funktional sollte die neue Uniform sein, mit vielen Taschen, aus atmungsaktiven Stoffen und - vor allem - in schönem Blau. Die aktuelle Klamotte erinnerte Schill doch zu sehr an "Kartoffelsäcke". Die Polizisten an der Elbe sollten künftig nicht mehr "unter ihrem Erscheinungsbild leiden"
Schill plante, den genetischen Fingerabdruck auch bei Bagatelldelikten einzuführen: "Es gibt keinen für mich nachvollziehbaren Grund, die Anwendung zu begrenzen", sagte er erst kürzlich. Speichelproben griffen nicht stärker in die Persönlichkeitsrechte ein als der Fingerabdruck. Sie könnten daher bei jedem Straftäter angewendet werden, auch bei Ladendieben oder Schwarzfahrern
Mit ernsten Blicken in die Regierungskrise: Innensenator Ronald Schill und Staatsrat Walter Wellinghausen. Dem engen Vertrauten Schills wurde seit Monaten vorgeworfen, er habe nach seinem Amtsantritt als Staatsrat 2001 unangemeldete Nebentätigkeiten für eine Privatklinik ausgeführt
Ronald Barnabas Schill wollte mit seiner "Partei Rechtsstaatlicher Offensive" auch auf Bundesebene punkten. Doch bei den Bundestagswahlen im Herbst 2002 holte die Schill-Partei ganze 0,8 Prozent - und lag damit etwa gleichauf mit den Republikanern und der NPD
Ronald Schill im September 2002 mit dem Prototyp einer blauen Polizeimütze: Die neuen Polizeiuniformen ließ er nach dem Vorbild New York designen - dort herrscht "Law and Order", und das war ganz nach dem Geschmack des Innensentors
Die Politik der Hamburger Koalition - Brechmittel gegen Dealer, Pläne für die Zwangsexmatrikulation von Langzeitstudierenden, Wiedereinführung geschlossener Jugendheime, Abschaffung der Ausländerbeauftragten, Sparen bei Bildung und Frauengruppen - erregte im traditionell linksliberalen Stadtstaat zunächst keinen nennenswerten Widerstand. Erst die eher harmlose und friedliche Räumung des Bauwagenplatzes "Bambule" wurde zum Signal für den Aufbruch. Der Kampfruf der Bauwagenbewohner: "Schill muss weg!"
Eine von Schills Spezialitäten war es, sich immer ins rechte Bild zu setzen: Vor dem "Aufräumer" war nicht einmal der Grund der Alster sicher. Gemeinsam mit Feuerwehrleuten und Polizisten tauchte der Politiker in der Hamburger Alster, um dort den Müll zu bergen