Schlacht im Hürtgenwald - DER SPIEGEL
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Schlacht im Hürtgenwald "In Hürtgen gefroren die Toten"

Das grauenvolle Gemetzel währte fünf Monate: Vor 75 Jahren erlitt die US-Armee südlich von Aachen ihr bis dahin größtes Debakel. Ausgerechnet ein deutscher Truppenarzt rettete damals Hunderten Amerikanern das Leben.
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Sommerkleidung in einem Winterkrieg: Neben dem völlig unerwarteten Widerstand der im Hürtgenwald zusammengezogenen Truppen hatten die Amerikaner auch mit ihrer unzureichenden Ausrüstung zu kämpfen. In den Schützenlöchern sammelten sich Regen und Schnee und machten die obligatorischen "Foxholes" zu eisigen Wassergruben. Viele Soldaten litten im Laufe der sich hinziehenden Kämpfe unter dem "Grabenfuß", der zuvor vor allem aus dem Ersten Weltkrieg bekannt war. Unter der dauernden Einwirkung von Wasser und Kälte entzündet sich der Fuß und muss schließlich im schlimmsten Falle amputiert werden.

Foto: U.S. Army
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Der Wald und der Tod: Selbst Jahrzehnte nach dem Kriegsende gab es kaum einen Flecken im Hürtgenwald, der nicht noch Spuren des Krieges in sich trug - seien es Kampfmittel, Minen, gesprengte Bunker, verschüttete Gräben oder die Überreste der laut Schätzungen über 60.000 Soldaten beider Seiten, die hier ihr Leben gelassen hatten. "In Hürtgen gefroren die Toten, und es war so kalt, dass sie mit roten Gesichtern gefroren", schrieb US-Autor und Kriegsberichterstatter Ernest Hemingway.

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Bescheidener Held und unerschrockener Arzt: Professor Günter Stüttgen 1979 bei der Grundsteinlegung zur Sanierung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses. Nach dem "Wunder im Hürtgenwald" übergab der deutsche Mediziner später ein ganzes Lazarett kampflos den Amerikanern, wofür er von der deutschen Militärgerichtsbarkeit noch zum Tode verurteilt wurde. 1962 kehrte er als einziger kompetenter Arzt freiwillig in die Eifel zurück, um die Pocken, die dort ausgebrochen waren, zu bekämpfen. Er erkrankte selbst an der aus Indien eingeschleppten und zunächst von den Behörden nicht erkannten Krankheit, wurde aber wieder gesund.

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Der brennende Wald: Durch die Kampfhandlungen wurde der "alte" Hürtgenwald völlig zerstört. Im Sommer 1945 entzündeten sich die im Boden verbliebenen Kampfmittel: Der Wald, oder was von ihm übrig war, brannte über Wochen, und bereitete den Bewohnern der Nordeifel, die gerade erst wieder in ihre Dörfer zurückgekehrt waren, ein weiteres Inferno.

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Der General: General Courtney Hicks Hodges (1887 - 1966), eigentlich ein Geheimdienstmann, erlebte unter General Omar Bradley einen steilen Aufstieg und wurde nach der Landung in der Normandie sein Nachfolger als Chef der 1. Armee. Sein größter Fehler im Hürtgenwald war vermutlich, General Norman Daniel Cota als Chef dieses Abschnitts nicht abzulösen. Hodges überstand die Ardennenoffensive, nahm später die Brücke von Remagen ein und half dabei, den Ruhrkessel zu bilden.

Foto: Popperfoto/ Getty Images
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Sinnbild des Schreckens: Die Kirche St. Josef in Vossenack wurde während der zweiten Schlacht im Hürtgenwald, der Allerseelenschlacht, mehrfach von den Amerikanern erobert und wieder verloren. Am Schluss standen sich die Feinde in der Kirche selbst gegenüber und bekämpften sich, zwischen Chorgestühl und Altar hin und her schießend, Mann gegen Mann.

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Der Meister auf der Suche nach dem großen Stoff: Ernest Hemingway (1899 - 1961) war neben Marlene Dietrich zweifellos der bekannteste Künstler unter dem riesigen journalistischen und kulturellen Begleittross der amerikanischen Truppen in Europa. Auf dem Foto sieht man ihn in Frankreich, wo er zeitweise einen Trupp von französischen Resistance-Kämpfern anführte. Er kam Mitte November 1944 in den Hürtgenwald. Doch anstatt den Stoff für seinen großen Roman über den Zweiten Weltkrieg erlebte Hemingway hier die blutige Geburtsstunde der neuen Supermacht. "Amerika muss aufpassen", schrieb er 1946 im Vorwort zur Anthologie "Der Schatz der Freien Welt", "vom mächtigsten Land der Welt nicht bald zum meistgehassten Land der Welt zu werden." Sein Scheitern im Hürtgenwald verarbeitete er in seinem Roman "Über den Fluss und in die Wälder" (1950).

Foto: Anthony Potter Collection/ Getty Images
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Trophäen als Prestigeobjekte: Deutsche Orden, möglichst mit Hakenkreuzen und anderen "typischen" Symbolen der Naziherrschaft, waren begehrte Sammlerstücke. Neben den selbstgeschossenen Fotos waren sie als Erinnerungsstücke für die Familien in den USA vorgesehen, um zu beweisen: "Ich war dabei."

Foto: Leone/ ullstein bild
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"Im Hürtgenwald da hausen die Drachen": Das schrieb Ernest Hemingway, inspiriert von den sogenannten "Dragon's Teeth", den Panzersperren aus Beton an der Siegfriedlinie. Doch die mit großem Aufwand von den Deutschen hergestellten Barrieren waren das geringste Problem der Amerikaner, sie wurden mit Erde überschüttet und konnten so relativ leicht passiert werden.

Foto: U.S. Army
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Namensgeber des Schreckenswaldes: Weil die Amerikaner nicht wussten, wie die Deutschen das riesige Waldgebiet um die Rur nannten, tauften sie es nach einer der wenigen Ortschaften, deren Namen sie kannten, dem Dorf Hürtgen. Hier laufen Soldaten der 121. US-Infanterie Richtung Kleinhau, vermutlich im November 1944, durch das völlig zerstörte Dorf.

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Die Brücke über die Kall: Am 7. November 2004 wurde diese vom Bildhauer Michael Pohlmann gestaltete Skulptur aufgestellt. "Ich wollte kein Heldendenkmal schaffen", so der Künstler, "sondern bescheidener auftreten mit einer schlichten Form in Stein gehauen, den Ort des Geschehens würdigen. Ein Ort, an dem alles vielleicht einmal rational begonnen hat, dann aber mehr und mehr irrational wurde und völlig aus den Fugen geriet, bis hier... die Vernunft? oder war es doch die Emotion? eine Begegnung der Humanität möglich werden ließ."

Foto: Xamos/ CC BY-SA 3.0
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Menschlichkeit mit dem Leben bezahlt: Friedrich Lengfeld, neben Günter Stüttgen der einzige Wehrmachtsangehörige, der nach dem Krieg von den USA geehrt wurde. Selbst während des Russlandfeldzuges mehrfach verwundet, ...

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...starb Leutnant Lengfeld am 12. November 1944 bei dem Versuch, einen verletzten G.I. aus dem Minenfeld "Wilde Sau" (Foto) zu retten.

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Ironie inmitten des Schreckens: Das Hürtgen-Hotel am 8. Januar 1945. Aus dem Haus in der Höhenstraße 89, das der Familie Prinz-Niessen gehörte, wurde später wieder ein landwirtschaftliches Anwesen. Robert Prinz war zwanzig Jahre Bürgermeister von Hürtgen.

Foto: U.S. Army
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Straßenbau, Minenräumen und Beerdigen: Die in ihre Heimat zurückgekehrten Deutschen fanden diese in verheerendem Zustand und übersät von Leichen vor. Der Wiederaufbau begann noch vor der Kapitulation im Mai 1945. Die hier im Januar 1945 angetretenen Deutschen bekamen von den Amerikanern nicht nur warmes Essen, sondern auch eine Entlohnung von sechs Cent pro Stunde.

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Das Ende des Kampfes: Die Schlacht im Hürtgenwald zählt zu den längsten und grausamsten des Zweiten Weltkriegs. Die Kämpfe dauerten fünf Monate, 250.000 Soldaten beider Seiten kamen in ihr um, wurden verletzt oder gerieten, wie diese deutschen Soldaten auf einem Foto vom Dezember 1944, in Gefangenschaft.

Foto: Leone/ ullstein bild
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