Schlecker-Prozess Eine schrecklich nette Familie
Durch einen Hintereingang kam Anton Schlecker in das Gebäude des Landgerichts Stuttgart. Der einst für schreiend bunte Oberhemden bekannte Unternehmer kleidete sich zum Prozessauftakt in einen schwarzen Rollkragenpullover und einen dunklen Nadelstreifenanzug.
Schlecker muss sich wegen betrügerischen Bankrotts, Insolvenzverschleppung, Untreue und einer falschen eidesstattlichen Versicherung verantworten. Der Prozess begann mit der Verlesung der 270 Seiten langen Anklageschrift.
Christa Schlecker ist wegen Beihilfe zum Bankrott angeklagt. Sie soll etwa über vermeintliche Beraterverträge Zehntausende Euro erhalten haben.
Schleckers Sohn Lars muss sich ebenfalls wie seine Schwester Meike wegen Insolvenzverschleppung und Untreue verantworten.
Meike und Lars gehörte die Logistik-Gesellschaft LDG, an die Anton Schlecker laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft im Wissen um die drohende Pleite seines Unternehmens jahrelang Millionen umgeleitet hatte.
Anton Schlecker drohen im Fall einer Verurteilung wegen eines besonders schweren Falls des Bankrotts bis zu zehn Jahre Haft.
Das Gericht hat zunächst 26 Verhandlungstage bis Oktober angesetzt.
Europas ehemals größte Drogeriemarktkette Schlecker hatte 2012 Insolvenz angemeldet. Rund 25.000 Beschäftigte verloren durch die Pleite ihre Arbeitsplätze.
Ob die ehemaligen Mitarbeiter am Ende aber etwas von einer Verurteilung hätten, ist unklar. Rein theoretisch stehen sie ganz oben auf der Liste derer, die etwas aus der Insolvenzmasse erhalten. Die Anklageschrift kommt auf etwa 20 Millionen Euro, die eigentlich Gläubigern und ehemaligen Mitarbeitern zuzuschreiben wären. Dem gegenüber stehen Forderungen von gut einer Milliarde Euro.