Schlittenhunde gegen Diphtherie in Alaska 1925 - DER SPIEGEL
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Diphtherie in Alaska Schlittenrennen gegen den Tod

1925 brach in Alaska eine Diphtherie-Epidemie aus. Die letzte Hoffnung für die von Schnee und Eis eingeschlossene Stadt Nome: Antitoxin. Das Medikament war jedoch 1000 Kilometer entfernt. Was folgte, war eine dramatische Rettungsaktion, die das ganze Land wochenlang in Atem hielt - und 150 Hunde zu Stars machte.
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Retter in der Not: Als im Winter 1925 in der abgelegenen Stadt Nome an Alaskas Küste die tödliche Krankheit Diphtherie ausbrach, bangte eine ganze Nation um das Schicksal ihrer Bewohner. Die einzige Möglichkeit, das lebensrettende Serum in die von Schnee und Eis eingeschlossene Stadt zu bringen, waren Hundeschlitten. 20 Schlittenführer mit insgesamt 150 Hunden mussten die kostbare Fracht 1085 Kilometer durch Schnee und Eis transportieren - und riskierten dafür ihr Leben.

Unter den Helden: Der Schlittenführer Gunnar Kaasen und sein Leithund Balto.

Foto: AP
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Am Ende der Welt: Im Winter ist die Stadt Nome sieben Monate von der Außenwelt abgeschottet. Schiffe müssen kilometerweit vor der Küste ankern, weil das Beringmeer gefriert und die Dörfer auf der Seward-Halbinsel mit einer meterdicken Eisschicht umschließt. Inzwischen ist Nome mit dem Flugzeug erreichbar, aber bis heute führt keine Straße zu der Stadt. Im Winter 1924/25 waren die Bewohner sieben Monate lang auf sich allein gestellt.

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Stadt der Suchenden: Auf der Suche nach Gold und einem besseren Leben strömten 1898 Tausende auf die Seward-Halbinsel, wie das nordwestliche Küstengebiet Alaskas genannt wird. Die meisten der Goldsucher waren schlecht vorbereitet auf das unwirtliche Klima am Beringmeer und verließen die eisige Stadt zwei Grad südlich des Polarkreises wieder. Einige, die mit Saloons, Bordellen, Lebensmittelgeschäften und Gasthäusern ihr Geld verdient hatten, blieben - wie die Besitzer des hier abgebildete Ladens "Newens and Glandon". Sie wurden zu den ersten Bewohnern der Stadt Nome.

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Gefährliche Krankheit: 1924/1925 erlebte Nome den härtesten Winter seit zwanzig Jahren. Im Krankenhaus, dem Maynard Columbus Hospital, hier auf einer Aufnahme von 1925, hatte der einzige Arzt der Gegend, Dr. Curtis Welch, alle Hände voll zu tun.

Einige Kinder waren erst an Fieber und Halsentzündung erkrankt, dann plötzlich gestorben. Welchs schlimmste Befürchtungen bewahrheiteten sich: In Nome war die Diphtherie ausgebrochen. Hunderten Menschen drohte ein qualvoller Tod, sollte die Krankheit nicht aufgehalten werden.

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Lebenswichtiges Medikament: Das einzige wirksame Mittel gegen Diphtherie war das Serum Antitoxin. In Nome war nicht ausreichend Antitoxin vorrätig, um die ganze Stadt zu retten. Die nächstgrößere Menge, die Abbildung zeigt den original Lieferschein, befand sich 1000 Kilometer entfernt im Landesinneren.

In einem Gesundheitsausschuss entschieden die Bewohner von Nome: Hundeschlittenführer sollten das Serum im 1085 Kilometer entfernten Nenana abholen und nach Nome fahren.

Das Serum wurde warm eingepackt und auf dem Weg immer wieder an Feuern aufgewärmt. Dennoch kam es gefroren in Nome an. Das tat der Wirksamkeit aber - anders als vermutet - keinen Abbruch.

Doch wer waren die Männer, die verrückt genug waren, die gefährliche Reise durch Schnee, Eis und frostige Stürme auf sich zu nehmen?

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Hartgesotten: Der Hundeschlittenführer und Züchter von sibirischen Huskies Leonhard Seppala startete als erster Fahrer von Nome in Richtung Nenana, um das lebensrettende Serum in Empfang zu nehmen. Der 47 Jahre alte Norweger galt als einer der besten und schnellsten Hundeschlittenführer der Gegend. Sein Mut und seine Bereitschaft, auch unter den widrigsten Bedingungen mit seinen Hunden rauszufahren, brachten ihm den Spitznamen "König der Trails" ein.

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Der Hundeflüsterer: Leonhard Seppala war berühmt für den Umgang mit seinen Hunden. "Dieser Mann ist ein Übermensch", soll ein Konkurrent mal über Seppala gesagt haben. "Ich habe nie beobachtet, dass er die Hunde angetrieben hätte. Nur hier und da ein Schnalzen mit der Zunge, dann legten sie sich energischer ins Geschirr, als ich es je zuvor bei Hunden gesehen habe."

Besonders am Herzen lag Seppala sein Leithund Togo, der hier auf dem Bild zu sehen ist.

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Freund und Helfer: Seppala hatte seine Hunde als Welpen großgezogen und aß sogar manchmal mit ihnen, indem er mit den Zähnen große Stücke getrocknetes Lachsfleisch für sie abriss.

Für die gefährliche Fahrt durch das Eis in Richtung Nenana musste er seinen Hunden komplett vertrauen - sollte er in einen Schneesturm geraten oder schneeblind werden, könnten nur sie ihm den Weg zeigen. Nicht umsonst lautete die wichtigste Überlebensregel für Hundeschlittenführer: Bleib bei deinem Gespann, sonst bist du tot.

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Angespannt: Für die Fahrt zum Serum spannte Seppala 20 Huskys in die Geschirre seines Schlittens, an dessen Spitze Leithund Togo die Meute anführte. Später wurde fälschlicherweise erzählt, bei Seppalas Hunden handele es sich um Wolfshunde. Auch ein Zeichentrickfilm griff diesen Mythos auf. Bei Togo handelte es sich aber um einen sibirischen Husky - die Rasse, die Seppala sein Leben lang faszinierte.

Foto: General Photographic Agency / Getty Images
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Vergessene Retter: Unter den 20 Schlittenführern, die sich 1925 an dem "Serum-Run to Nome", wie der Wettlauf genannt wurde, beteiligten, waren auch viele Einheimische. Die Eskimos kannten sich bestens mit den Gegebenheiten des unberechenbaren Winters in Alaska aus und bewältigten fast zwei Drittel der Strecke mit dem Serum. Nach dem Rennen wurde ihnen aber vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Erst in den siebziger Jahren fand ihre Rolle in der Rettungsaktion Beachtung - die meisten Fahrer waren zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben.

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Eine Nation fiebert mit: George Maynard, der Bürgermeister von Nome, hatte per Telegramm einen Hilferuf nach Washington geschickt. Als dieser in verschiedenen Zeitungen abgedruckt wurde, hielt die Rettungsaktion der Hundeschlittenführer ganz Amerika in Atem. 1925 besaßen etwa 3,5 Millionen Haushalte ein Radio, auch dort wurde täglich über das "Rennen gegen den Tod" berichtet.

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Der Held: Gunnar Kaasen war der Schlittenführer, der am 2. Februar 1925 die letzte Etappe fuhr und die rettende Lieferung Serum nach Nome brachte. Das Gespann wurde von seinem Hund Balto (obere Reihe, 2. von links) angeführt. Kaasen erhielt von allen Schlittenführern die meiste Medienaufmerksamkeit - und erntete den Neid anderer.

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Umstrittener Held: Weil er einen anderen Schlittenführer übersprungen hatte, wurde Kaasen später vorgeworfen, er habe mit Absicht die Heldenrolle übernommen, um das rettende Serum selbst nach Nome zu fahren. Kaasen rechtfertigte sich, dass der andere Fahrer geschlafen habe, und es zu lange gedauert hätte, ihn zu wecken und dessen Hunde einzuspannen.

Da Kaasen um halb sechs am Morgen in Nome angekommen war und in Nome keiner so früh mit seiner Ankunft gerechnet hatte, wurde seine Ankunft für die Fotografen noch einmal nachgestellt.

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In Stein gemeißelt: Kaasen und sein Hund Balto wurden als Helden gefeiert - sehr zum Groll von Leonhard Seppala, der die längste und gefährlichste Strecke gefahren war.

Im Juli 1925 musste Balto Modell für eine Statue sitzen, die der Künstler Frederick G.R. Roth anfertigte. Das Denkmal, das der 150 Hunde der Rettungsaktion gedenken sollte, wurde später im New Yorker Central Park aufgestellt.

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Wachhund für die Ewigkeit: Am 16. Dezember 1925 erlebten Balto und sein Herrchen die Enthüllung der Hunde-Statue im New Yorker Central Park. Stellvertretend erinnert es dort an die 150 Hunde, die das Rennen nach Nome mitliefen.

Im Central Park steht die Statue noch heute, allerdings ist sie durch die vielen "Streicheleinheiten" der Touristen schon einen Zentimeter kleiner geworden und die Bronze an vielen Stellen blank poliert.

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Der eigentliche Held: Als Gunnar Kaasen und sein Hund Balto einen Filmvertrag erhielten und in den USA als Retter von Nome gefeiert wurden, ärgerte sich vor allem Leonhard Seppala darüber. Seppala fand, dass sein Leithund Togo diese Rolle verdient hätte. Aber auch Seppala und Togo wurden für Werbeauftritte engagiert und tourten durch die USA. Der Polarforscher Roald Amundsen verlieh dem Tier einen goldenen Orden im Madison Square Garden in New York.

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Gemeinsame Leidenschaft: Als Seppala auf einem Schlittenhunderennen im US-Bundesstaat Maine Elizabeth Ricker - links im Bild - kennenlernte, verstanden sich die beiden auf Anhieb. Zwar besiegte Seppala Ricker in dem Rennen, später wurden die beiden dennoch Geschäftspartner: Sie eröffneten eine gemeinsame Hundezucht in Neuengland, die sich auf sibirische Huskys spezialisierte.

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Der alte Mann und seine Hunde: Im Gegensatz zu Gunnar Kaasen, der sich rasch aus dem Rampenlicht zurückzog, genoss Seppala die Medienaufmerksamkeit bis ins hohe Alter. 1951, mit 74 Jahren, ließ sich der Hundezüchter mit seinen Hunden Kotzebue and Sep und dem Schlitten fotografieren, mit dem er 1925 nach Nome gefahren war. Seppala hatte den Schlitten an ein Museum in Oslo gespendet, wo er mit Werkzeugen, Wagen und Waffen norwegischer Emigranten, die in den USA nach Gold suchten, ausgestellt wurde.

Mit 89 Jahren starb Leonhard Seppala am 28. Januar 1967 - fast auf den Tag genau 42 Jahre nachdem er losgefahren war, um die Stadt Nome vor dem Tod zu retten.

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