Schmuggel in der Nachkriegszeit Kaffeepanzer im Bohnenkampf
Der Trick mit dem Kinderwagen: Dem Einfallsreichtum war keine Grenze gesetzt - Kaffeeschmuggler fuhren getarnte Leichenwagen, versteckten die braunen Bohnen in speziellen Benzintanks oder in den Autoreifen. Clevere Bastler konstruierten sogar Kinderwagen mit doppeltem Boden.
Der "Besenporsche": Es waren die Wunderwaffen der Zollfahndung im Kampf gegen die Kaffeeschmuggler - zwei umgebaute Porsche. Sie waren bis zu 180 Stundenkilometer schnell, außerdem mit hydraulischen Stahlbesen ausgestattet, die in Sekundeschnelle Krähenfüße wegfegen konnten, die Schmuggler auf die Straße warfen, um ihren Verfolgern die Reifen zu zerfetzen.
Gefährliche "Krähenfüße": Wurden Kaffeeschmuggler verfolgt, warfen sie sofort Dutzende solcher spitzen "Krähenfüße" auf die Straße. Für die Zollbeamten war das lebensgefährlich, konnte sie doch bei voller Fahrt mit einem geplatzten Reifen plötzlich die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren.
Der Porsche der Fahnder: Ein "Besenporsche" im Einsatz. Auch die vermeintliche "Wunderwaffe" der Zollfahnder war nicht ohne Tücken: Die Stahlbesen bremsten und sprühten auf Kopfsteinpflaster Funken - und die Schmuggler verlegten ihre Routen absichtlich auf unebenes Gelände, so dass die tiefergelegten Rennwagen aufsetzten.
Walter Pohl: Der Zolloberamtsrat der Fahndungsstelle Aachen, Walter Pohl, in einem Porsche im Juni 1989. Damals schied der Sachgebietsleiter der Schmuggelbekämpfung aus dem aktiven Dienst aus. Da er jahrelang auch die "Besenporsche" im Kampf gegen den Kaffeeschmuggel einsetzte, wurde er bei seiner Verabschiedung von seinen Kollegen mit einem baugleichen Porsche überrascht.
Erwischt: Da rieseln die wertvollen Bohnen in die Hände der Zollbeamten - viele Schmuggler versuchten, den Kaffee in Nylonstrümpfen von Belgien in die Bundesrepublik zu bringen.
Misslungene Flucht: Ein umgekippter Wagen der Schmuggler. Manche Großschmuggler in Belgien wurden bei dem illegalen Geschäft so reich, dass sie sich ein Dutzend schneller Autos leisten konnten. Oft waren es Cadillacs oder Buicks, die den langsameren VWs der deutschen Zollbeamten einfach davonfuhren.
Überall Kaffee: Manche Schmuggelwagen hatten zentnerweise Kaffee an Bord. Kaffeesäcke dienten mitunter als Schutz vor möglichen Schüssen der Zollbeamten, und manchmal saßen die Fahrer sogar darauf. Die Aufnahme entstand, nachdem der Zoll Bohnen unter einem Sitz entdeckt hatte.
Schmuggeln mit allen Mitteln: Kleine Mengen Kaffee oder Zigaretten wurden an der deutsch-belgischen Grenze sogar in umgebauten Prothesen versteckt. Wer mehr als einmal erwischt wurde, musste drei Monate ins Gefängnis. Ein Schnellgericht in Aachen urteilte Hunderte solcher Fälle ab.
Erschossener Schmuggler: Zwischen 1946 und 1952 wurden dem Aachener Lokalhistoriker Wolfgang Trees zufolge 31 Schmuggler und zwei Zöllner an der Grenze erschossen. Das Bild zeigt eines der Opfer, den gebürtigen Leipziger Albert M. Auf beiden Seiten soll es außerdem Hunderte Schwerverletzte gegeben haben. Genaue Zahlen lassen sich nur schwer ermitteln, erste Tote gab es bereits in die Zeit der britischen Besatzung.
"Kaffeepanzer": Ab 1950 gelangten Großschmugglern in den Besitz von mehreren belgischen Panzerspähwagen der Marke Blendy. Sie waren in Frankreich umgerüstet und bei belgischen Truppenteilen verwendet worden. Das Bild zeigt einen der "Kaffeepanzer", den der Zoll beschlagnahmen konnte. Der amerikanische Stern wurde von den Schmugglern nur zur Tarnung aufgemalt.
Falscher Hilfstransporter: Ein als Rote-Kreuz-Wagen getarntes Schmugglerfahrzeug, das 1953 auf der Flucht vor der Aachener Zollfahndung von der Straße abkam. Zollfahnder Walter Pohl, der das Foto machte, beschlagnahmte 28 Zentner Kaffee. Den flüchtigen Fahrer des Wagens stellte sein Spürhund.
Volkssport Schmuggeln: Zentnerweise Kaffee auf einem Lkw. Schätzungen zufolge stammten etwa zwei Drittel des Kaffees, der zwischen 1946 und 1963 an Rhein und Ruhr getrunken wurde, aus Schmuggelbeständen. Allein die Hauptzollämter Aachen-Stadt und Aachen-Land beschlagnahmten zwischen 1946 und 1950 insgesamt 223.601 Kilogramm.
Auf Schmugglerjagd: Eine Zollstreife an der deutsch-belgischen Grenze auf der Suche nach Schmugglern. Sogar die Hunde waren speziell auf Kaffeegeruch abgerichtet.
Schmuggler unterwegs: Das Zentrum des Kaffeeschmuggels lag an der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen und in der Eifel. Ein hoher Steuersatz von zehn Mark pro Kilo machte den Schmuggel ungemein lukrativ. Professionelle Kolonnen schleppten den Kaffee nachts kilometerweit von Belgien in die Bundesrepublik. Der Gewinn war dabei abgestuft: Schon ein einfacher Träger bekam zwei Mark pro Kilogramm, konnte also bis zu sechzig Mark pro Nacht verdienen; die Hintermänner und Großschmuggler verdienten weit mehr. Zum Vergleich: Ein Grenzzollbeamter verdient etwa 160 Mark im Monat.
Kaffee-Rabauken: Szene aus dem Spielfilm "Die sündige Grenze" (1951). Viele der jugendlichen Komparsen im Film haben auch in Wirklichkeit geschmuggelt. Sie sind oft in Scharen mit dem Kaffee über die Grenze gestürmt. Im Volksmund hießen sie wegen ihres frechen Auftretens "Rabatzkolonnen".
Beschlagnahmte Lastwagen: Zwischen 1946 und 1953 stellte der Zoll in der Region Aachen insgesamt 553 Schmugglerautos, 242 Lastwagen und 155 Motorräder von Schmugglern sicher.
Ende einer Schmuggelfahrt: Sogar die "Kaffeepanzer" hatten ihre Tücken für die Schmuggler. Durch den schmalen Sehschlitz konnte der Fahrer kaum etwas erkennen. So versackte dieser Panzer im April 1950 im Morast, nachdem der Fahrer versucht hatte, dem Zoll auszuweichen. Die Schmuggler flüchteten zu Fuß.
Schmugglerkirche "Sankt Mokka": Keine Legende, sondern wahre Begebenheit:
Die im Zweiten Weltkrieg total zerstörte Kirche des malerischen Eifeldorfes Schmidt wurde mit Erlösen aus dem Kaffeeschmuggel an der Aachener Kaffeefront wieder vollständig aufgebaut. Seither heißt die dem Hl. Hubertus geweihte Pfarrkirche im Volksmund nur noch "Sankt Mokka".
Schmuggel-Auto: Der Dodge-Pkw ist auf den Belgier Jupp Hons, der in den fünfziger Jahren im großen Stil Kaffee schmuggelte, zugelassen.