Schnellboot "Turbinia" - DER SPIEGEL
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Parsons Turbine Überraschung bei der Flottenparade

Dieser Vollspeed-Dampfer ließ die britische Marine alt aussehen: Bei einer Flottenparade zum 60. Thronjubiläum der Queen brach Ende des 19. Jahrhunderts plötzlich eine Nussschale durch die Reihen der Kriegsschiffe - und hielt alle zum Narren. Ein Streich, der die Schifffahrt für immer veränderte.
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SS "Turbinia" unter Volldampf: Das später nachgestellte Foto zeigt den angloirischen Turbinenerfinder Charles Parsons auf der Führerkanzel des von ihm konstruierten Schnellboots.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Erfinder: Die Turbine machte den wohlhabenden Adelsspross Parsons zu einem reichen und respektierten Mann. Ende des 19. Jahrhunderts galt er als einer der besten Ingenieure der Welt. Er zementierte seinen Ruf mit einer Vielzahl von breit gestreuten Erfindungen, darunter ein dampfbetriebenes Verstärkersystem für Grammophone. Geschichte schrieb er jedoch,…

Foto: Getty Images
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…als er begann, seine Dampfturbinen in Schiffen zu verbauen. Ab 1894 experimentierte er mit verschiedenen Turbinen, die er in seine "Turbinia" einbauen ließ, hier bei einer Reparatur im Trockendock im Jahr 1907.

Foto: Tyne & Wear Archives & Museums
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Revolutionärer Entschluss: Parsons war kein Schiffsbauingenieur, glaubte aber fest daran, dass sein Antrieb die Schifffahrt revolutionieren könne. Die britische Admiralität konnte er davon jedoch nicht überzeugen. Nachdem Marineexperten sein Design 1897 als Zukunftsmusik verwarfen, entschied sich Parsons zu seinem dreisten PR-Stunt.

Foto: Tyne & Wear Archives & Museums
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Eklat vor den Augen der Queen: Parsons beschloss, die weltweite Aufmerksamkeit rund um das 60. Thronjubiläum der britischen Königin Victoria für sich zu nutzen. Sein Plan sah einen gezielten Affront vor, den er quasi vor den Augen der Welt begehen wollte.

Die Bühne dafür…

Foto: AP
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…war die bis dahin weltweit größte Flottenparade am 27. Juni 1897. Dreist schlich sich Parsons mit seinem im Vergleich zu den bewaffneten Marineriesen winzigen Schnellboot ein und provozierte die Schiffe der Royal Navy. Vor den Augen des Prince of Wales und späteren Königs Edward VII. enteilte die "Turbinia" den schnellsten Booten der Navy ohne Mühe.

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"Dreadnought": Auch bei den Admiralen fiel nun der Groschen. Bereits 1905 erging der Erlass, dass von nun an alle britischen Militärboote mit Turbinen anzutreiben seien. Zum Prototyp aller Kampfschiffe der nächsten Jahrzehnte wurde 1906 die HMS "Dreadnought". Nicht weniger schnell…

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Auf Erfolgskurs: Die Vorzüge des Parsons-Design machten die Dampfturbine zu einem sofortigen Erfolg - weltweit. Dieser Stich, der am 27. April 1901 im "Scientific American" erschien, zeigt Charles Parsons ersten Ein-Megawatt-Turbogenerator, angetrieben von einer Dampfturbine. Der Generator war ab 1899 in einem Betrieb in Elberfeld installiert.

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Und die "Turbinia"? Der Prototyp aller Turbinenboote lag der Royal Navy genügend am Herzen, dass sie das Gefährt immer wieder reparieren und instand setzen ließ.

Hier ist sie nach einem Unfall 1907 im Dock. Erst 1926 wurde die "Turbinia" außer Dienst gestellt und zum Museumsexponat geadelt: in zwei Teile getrennt und in verschiedenen Museen präsentiert. Erst 1983 wurde mit einer vollständigen Restauration begonnen, die 1994 abgeschlossen wurde. Heute ist sie das Prunkstück des Discovery Museum in Newcastle.

Foto: Tyne & Wear Archives & Museums
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Erfinderfamilie: Der Vater des "Turbinia"-Konstrukteurs war William Parsons. Der 3. Earl of Rosse, war einst Kopf der höchst einflussreichen Royal Society, der renommiertesten und vermutlich ältesten Wissenschaftlervereinigung der Welt. In die Geschichte schrieb er sich ein, als er im Garten seines Anwesens das größte und leistungsfähigste Teleskop seiner Zeit errichten ließ.

Foto: Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?