Blitz-Fußballtreffer Auf die Plätze, fertig, Tooor!!!
Ein Spiel in 90 Sekunden: Ein gelungener Angriffszug der chilenischen Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsheimspiel am 21. November 1973 in Santiago, völlig unbedrängt von den Gegnern. Die Gegnermannschaft aus der Sowjetunion war aus Protest gegen den zwei Monate zuvor erfolgten Putsch der Militärjunta um Pinochet gegen Präsident Allende nicht angetreten. Die Sowjets weigerten sich, auf dem "Boden einer Diktatur" Fußball zu spielen.
Das schnellste Tor in einem WM-Finale: Nach nur 87 Sekunden rauschte am 7. Juli 1974 der von Johan Neeskens geschossene Ball ins von Sepp Maier gehütete Tor der DFB-Auswahl. Zuvor war das Spielgerät über 17 niederländische Stationen in den gegnerischen Strafraum befördert worden, ohne dass es ein deutscher Spieler es auch nur berührt hätte.
Zu früh getroffen:Schon nach elf Minuten traf der deutsche Mittelstürmer Horst Hrubesch am 25. Juni 1982 beim WM-Vorrundenspiel im spanischen Gijon per Oberschenkel zum 1:0 gegen Österreich. Da dieses Resultat beiden Mannschaften zur Qualifikation für die Zwischenrunde reichte, folgten knapp 80 unerträgliche Minuten Anti-Fußball, in denen das Ergebnis durch engagiertes Nichtstun über die Zeit gebracht wurde.
Erstes Spiel, erstes Tor: Das gelang bis heute 374 Bundesliga-Spielern. Am schnellsten von allen war bislang am 15. Februar 2014 der Dortmunder Einwechselspieler Milos Jojic (l.) zur Stelle. Handgestoppte 17 Sekunden nachdem ihn Trainer Jürgen Klopp auf den Platz geschickt hatte, war der Serbe mit seiner ersten Ballberührung gegen Frankfurts Torwart Kevin Trapp erfolgreich.
Schnellstart: Das erste aller Blitztore in der Bundesliga gelang gleich am Premieren-Spieltag der ersten Saison, dem 24. August 1963, dem Dortmunder Angreifer Friedhelm Konietzka im Bremer Weserstadion. Die Aktion überraschte nicht nur die Werder-Abwehr, sondern auch die anwesenden Kameramänner von TV und Presse. Keiner von ihnen hat den historischen ersten Bundesliga-Treffer in der 58. Spielsekunde eingefangen.
Doppelter Schnellschütze: Genau zwei Jahre nach seinem geschichtsträchtigen Tor in Bremen gelang dem inzwischen zu 1860 München gewechselten Stürmer Konietzka erneut Denkwürdiges. Wieder war es der erste Saison-Spieltag, wieder die erste Spielminute, doch dieses Mal hatte der Stadtrivale vom FC Bayern mit Torwart Sepp Maier und Franz Beckenbauer (links) das Nachsehen.
Last Minute: Ein später Treffer wurde die Ouvertüre für eines der größten Fußball-Spiele aller Zeiten. Im WM-Halbfinale von Mexiko-City am 17. Juni 1970 verteidigte Italien mit allen Mitteln eine frühe Führung, die Deutschen rannten pausenlos an, erarbeiteten und vergaben Chance um Chance.
In der 90. Minute tauchte plötzlich der Deutsche Verteidiger Karl-Heinz Schnellinger vor dem von Enrico Albertosi gehüteten italienischen Tor auf und traf zum 1:1-Ausgleich. Er bescherte der Fußballwelt eine unvergessliche Verlängerung mit
fünf Toren, ständigem Wechsel der Führung und einem permanenten Wechselbad der Emotionen. Den Schlusspunkt zum 4:3 für Italien setzte in der 110. Minute Gianni Rivera (Mitte). Später wurde im Stadion eine Erinnerungstafel an das "Spiel des Jahrhunderts" angebracht.
Der längste Jubel: Den wohl am längsten andauernden Beifall für einen Fußball-Treffer produzierte am 19. November 1969 das 1000. Tor von Brasiliens Superstar Pelé, ein Elfmeter. Die Menge explodierte in einem einzigen lang anhaltenden Jubelschrei. Gooooooool! Im ganzen Land läuteten daraufhin die Kirchenglocken, das Postministerium druckte eine Sonderbriefmarke, Kinder bekamen einen Tag schulfrei.
Knapp vier Jahrzehnte später...
...wollte Nationalspieler Romário es Pelé gleichtun - am 20. Mai 2007, als er im Spiel gegen Sport Recife in der 48. Minute traf, ebenfalls per Strafstoß. Romário hielt spontan eine Pressekonferenz ab, auf der er staatsmännisch erklärte: "Dies ist ein historischer Moment für den Weltfußball." Die FIFA erkannte die vierstellige Tormarke jedoch nicht an. Laut Statistik des Weltfußball-Verbands hatte Romário großzügig 77 Tore aus Jugendspielen sowie 21 aus Benefizkicks mitgezählt.
Späte Wende Bei einer 4:0-Führung knappe zehn Minuten vor Abpfiff sollte man eigentlich sicher sein. Eigentlich. Der Auswahl Angolas reichte dieser Vorsprung am 10. Januar 2010 beim Eröffnungsspiel des Africa Cup of Nations nicht zum Sieg. 45.000 entgeisterte Zuschauer in Luanda erlebten, wie die "Adler" aus Mali durch zwei Treffer in der regulären Spiel- und zwei in der Nachspielzeit zurück ins Match flatterten und noch zum Ausgleich kamen.
Schnellstart nach dem Winterschlaf: Lange brauchte der FC Bayern nicht, um im Fußballjahr 1998 warm zu werden. Exakt 11,4 Sekunden verstrichen, nachdem Schiedsrichter Hans-Jürgen Weber das erste Spiel nach der sechswöchigen Winterpause angepfiffen hatte, und schon lag der Ball im gegnerischen Tor. Nach einer langen Flanke von Mario Basler schoss Giovane Élber das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte.
Ein ganz frühes Tor fiel auch am 1. April 1998 im Rahmen des Champions-League-Halbfinales zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund. Heißblütige Real-Fans hatten ein bisschen zu heftig am Zaun gerüttelt. Der stürzte drei Minuten vorm Anpfiff ein und riss das an ihm befestigte Tor mit um.
Schnellstes WM-Tor: Zum Abschluss einer starken WM-Endrunde feierte die Türkei am 29. Juni 2002 im kleinen Finale um Platz 3 gegen Gastgeber Südkorea ein großes Happy-End. Stürmerstar Hakan Sükür (r.) schoss nach nur elf Sekunden das schnellste Tor der WM-Historie. Für die anderen beiden türkischen Treffer seines Sturmpartners Ilhan Mansiz legte Sükür mustergültig auf und wurde so zum absoluten Matchwinner beim umjubelten 3:2-Erfolg.
Im letzten Moment: "Ich spiel dann jetzt", erklärte Günter Netzer am 23. Juni 1973 lapidar seinem Trainer und wechselte sich selbst ein. Im Düsseldorfer Rheinstadion lief die 91. Spielminute und damit die Verlängerung im DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, das 1:1 stand. Nach zwei Minuten spielte Netzer einen "völlig missglückten Schuss", bei dem der Ball über den Spann rutschte und dabei so viel Effet entwickelte, dass er unhaltbar im Winkel des Kölner Tores einschlug.
Rasender Hattrick: 1:0 in der 11. Minute, 2:0 in der 12. Minute und 3:0 in der 16. Minute - dreimal binnen fünf Minuten traf am 27. August 1991 Michael Tönnies vom MSV Duisburg im heimischen Wedau-Stadion gegen den Karlsruher SC. Das Tönnies-Triple ist bis heute auch der schnellste aller 97 "lupenreinen" Bundesliga-Hattricks, also jener seltenen Dreifach-Torserien, die binnen einer Halbzeit und ohne Unterbrechung durch Tore des Gegners oder eines Mitspielers erzielt wurden. Noch schneller als er...
...zauberte zwei Jahre später Magnus Arvidsson einen Hattrick, der ihm bis heute einen Eintrag im Guinness-Buch als Weltrekordinhaber beschert. Unfassbare 89 Sekunden benötigte der später von 1999 bis 2006 für Hansa Rostock eingesetzte Stürmer für den Dreierpack beim 5:3-Sieg seines Vereins IFK Hässleholm über Landskrona BolS in der 2. schwedischen Liga im November 1995.
Langsames Debüt: Länger als Kaiserslauterns Abwehrrecke Dietmar Schwager (nicht im Bild) musste kein Bundesliga-Feldspieler auf seinen ersten Treffer warten. Als das ersehnte Erfolgserlebnis am 11. August 1973 auf dem Betzenberg im 267. Einsatz doch endlich eintrat, konnten es die Kollegen kaum fassen. Staunend schauen (v.l.n.r.) Fritz Fuchs, Peter Dietrich, Rudi Assauer, Horst-Dieter Höttges, Roland Sanberg und Torwart Dieter Burdenski dem Ball hinterher.