Schräge Fußballer - DER SPIEGEL
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Schräge Fußballer "Ohne Show ist es stinklangweilig"

Nicolas Anelka wurde von der WM suspendiert, weil er seinen Trainer beschimpfte. Aber ist er deswegen ein Fußball-Freak? Gibt es heute noch Entertainer auf dem Rasen? einestages hat den ehemals buntesten Hund der Bundesliga, Willi "Ente" Lippens befragt - und stellt die verrücktesten Spieler der Fußballgeschichte vor.
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Spaßvogel: Paul Gascoigne, hier am 28. April 1996 nach dem Sieg seiner Glasgow Rangers, war begnadeter Mittelfeldspieler - und ein ziemlicher Witzbold. Als ihn der britische Nationaltrainer Bobby Robson einmal als "Dumm wie eine Bürste bezeichnete", erschien er am nächsten Morgen mit einer Bürste im Schuh zum Training. Bei einem Spiel in der englischen Premier League zeigte er dem Schiedsrichter die gelbe Karte, die diesem aus der Tasche gefallen war. Der Unparteiische hatte offensichtlich deutlich weniger Humor - er zeigte sofort Gelb zurück. Außerdem hatte "Gazza", wie sie ihn in England nennen, offensichtlich ein Faible für nackte Haut. Nachdem er bereits seinem Mannschaftskollegen Gary Mabutt bei einer Siegerehrung die Hosen herunter gezogen hatte, verging er sich …

Foto: AP
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... an Mannschaftskamerad Paul Ince: Am 31. August 1996 schafft er während des Spiels der britischen Fußballmannschaft "U 21" gegen Moldawien in Kischinew nackte Tatsachen. Leider war sein Leben neben dem Platz weniger lustig. Gascoigne trank, verprügelte seine Frau und geriet immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Die Briten lieben ihn trotzdem, vor allem seit der ...

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... Weltmeisterschaft 1990: Dort führte er als einer der besten Mittelfeldspieler des Turniers die englische Elf bis ins Halbfinale gegen Deutschland. Als er im Verlauf des Spiels eine Gelbe Karte kassierte, durch die er für das Finale gesperrt worden wäre, fing er hemmungslos an, zu weinen. Am Ende verlor England die Begegnung nach Elfmeterschießen, der Traum vom Finale war eh geplatzt. Die Tränen waren aber nicht vergebens vergossen: Die Briten, bei denen Fußball eine hochemotionale Angelegenheit ist, hatten den leidenschaftlichen "Gazza" tief in ihr Herz geschlossen.

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Linksaußen-Star: Willi "Ente" Lippens während eines Spiels zwischen der Seniorenmannschaft von Uwe Seeler und dem Senior-Team des Lünebuger SK am 19. Mai 1989 in Lüneburg.

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Dribbel-König Lippens: Der ehemalige Fußballprofi Willi Lippens balanciert auf einem Sportplatz in Alpen einen Ball auf seinem Kopf (Foto vom 10. Oktober 2005). Lippens absolvierte unter anderem für Rot-Weiss-Essen und Borussia Dortmund 242 Bundesliga-Spiele und schoss dabei 92 Tore - und war dabei nie um einen Scherz verlegen.

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Fußballverrückt: René Higuita, Spitzname "El Loco" und von 1987 bis 1999 Torhüter der kolumbianischen Nationalelf, war eine der schillerndsten Figuren des internationalen Fußballs. Er war bekannt für seine unkonventionellen Ausflüge vor das Tor, von denen einer seiner Mannschaft 1990 bei der WM in Italien allerdings zum Verhängnis wurde: Im Achtelfinale gegen Kamerun vertändelte Higuita an der Strafraumgrenze den Ball, Roger Milla staubte ab und erzielte das spielentscheidende 2:0. Bei einem Freundschaftsspiel gegen England am 6. September 1995 im Wembley-Stadion gelang Higuita dann sein Glanzstück: Statt einen Schuss mit den Händen zu fangen, ließ er sich nach vorn fallen und parierte den Ball auf der Torlinie kopfüber mit beiden Hacken. Der "Scorpion Kick" war geboren - und Higuita endgültig zum verrücktesten Keeper der Fußballgeschichte gekürt. Einen Ruf, den er übrigens auch ...

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... neben dem Platz zelebrierte: 2002 und noch einmal 2004 wurde Higuita des Kokainkonsums überführt, woran letzten Endes auch seine Karriere als Fußballer und Torwarttrainer zerbrach. In den letzten Jahren tingelte er durch verschiedene kolumbianische Reality-TV-Shows à la "Dschungelcamp", außerdem gab er das kolumbianische Pendant zu Brigitte Nielsen und ließ sich vor laufender Kamera von Schönheitschirurgen das Gesicht erneuern.

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Sturm und Drang: George Best war einer der ersten Popstars der Fußballgeschichte. Der irische Stürmer, von den Briten wegen seines Aussehens auch "Der fünfte Beatle" getauft, spielte spektakulär - und lebte auch so. Noch während seiner Karriere eröffnete er zwei Nachtclubs und zwei Modeboutiquen. Seinen extravaganten Lebensstil ...

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... fasste er Jahre später so zusammen: "Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst." Leider ...

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... hatte er sein schillerndes Leben aber immer weniger im Griff: Schon Ende der sechziger Jahre häuften sich die Alkoholexzesse, immer öfter erschien er schon angetrunken zum Training. Anfang der Siebziger begann sein sportlicher Abstieg, den er mit Glücksspiel und noch mehr Alkohol zu kompensieren versuchte. Immer wieder geriet Best auch mit dem Gesetz in Konflikt. Hier führen Polizisten am 4. November 1984 George Best ab, nachdem er wegen Trunkenheit am Steuer und Beschimpfung eines Polizisten angeklagt - und verurteilt wurde. Das traurige Ende der einst so spektakulären Karriere: 2005 starb Best in London, nachdem er nach einer Lebertransplantation weiter getrunken hatte.

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Bunter Hund: Darf ein Torwart nur 1,75 Meter groß sein? Jorge Campos hat bewiesen, dass es zumindest kein No-Go ist. Bei der WM 1994 und 1998 stand er für Mexiko im Tor - und hielt dank seiner blitzartigen Reflexe seinen Kasten genauso sauber wie die sonst eher baumlangen Schlussmänner anderer Mannschaften. Campos war für zwei Dinge berühmt: seine farbenfrohen Trikots und ...

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... seine Ausflüge in Richtung gegnerischer Strafraum: Das lag wahrscheinlich daran, das Campos zeitweise auch als Stürmer spielte, wie hier am 29. September 1996 für Los Angeles Galaxy.

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Eric Cantona: Selten lagen Genie und Wahnsinn so dicht beieinander wie bei Eric Cantona. Wegen zahlreicher Auseinandersetzungen mit Schiedsrichtern, Trainern, Vereinsführung und dem französischen Fußballverband wollte Anfang der neunziger Jahre kein französischer Verein mehr Cantona beschäftigen. Nachdem er 1995 - er war in der Zwischenzeit zu Manchester United gewechselt - bei einem Spiel gegen Chrystal Palace einem Fan, der ihn beleidigt hatte, mit einem Kung-Fu-Kick über die Bande gegen die Brust gesprungen war, fand auch seine Karriere als französischer Nationalspieler ein Ende. Und das, obwohl er sich mit ManU ...

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... zu diesem Zeitpunkt in sportlicher Hinsicht auf dem Zenit seiner Karriere befand: Viermal gewann er mit dem Verein die englische Meisterschaft, zweimal den Pokal. Nachdem er seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt hatte, startete er eine Laufbahn als Schauspieler. Das Foto zeigt Eric Cantona am 6. Oktober 2009 bei der Deutschland-Premiere von "Looking for Eric". Der Film, in dem Cantona selbst mitspielt, setzt sich humorvoll mit dem Ikonenstatus des französischen Fußballers auseinander.

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Carlos Valderrama: "Das da vorn, was aussieht wie eine Klobürste, ist Valderrama", sagte der gestandene Fußballkommentator Bela Rethy einmal über den kolumbianischen Nationalspieler Carlos Valderrama. Valderrama mag der beste Fußballer Kolumbiens sein - allen Zuschauern der WM 1990, 1994 und 1998 wird er vor allem wegen seiner langen, zitronengelb gefärbten Locken im Gedächtnis geblieben sein. Sie allein waren fast so unterhaltsam anzusehen wie das Spiel selbst.

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Verkehrte Welt: Torwart José Luis Chilavert von Paraguay zirkelt beim WM-Spiel am 15. Juni 2002 im Seogwipo World Cup Stadium auf der südkoreanischen Insel Jeju einen Freistoß über die deutsche Mauer. Der paraguayanische Schlussman war bekannt für seine Freistöße und Elfmeter. Mit 60 Toren ist er bis heute einer der gefährlichsten Schlussmänner der Welt.

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