Schüler-Stipendium Und tschüß!
Anna-Luise Steinke, 20, zog gleich nach dem Abitur für fünf Wochen mit den Sami, den Indianern Skandinaviens, durch den hohen Norden. Nur zweimal meldete sie sich bei ihren Eltern - aber das Mini-Erasmus-Stipendium der Zis-Stiftung ist ja auch dafür da, die Welt ganz allein zu erkunden. mehr...
Anna-Louises tollstes Erlebnis: Sie war bei einer der berühmten "Kälbermarkierungen" dabei. Eine ganze Nacht hat sie mit den Sami auf einem Hochplateau Rentiere zusammen getrieben und sie im Schein der Mitternachtssonne markiert.
Malin Bigos, 19, hat eher etwas für den feinen Geschmack übrig: Sie spürte vier Wochen lang in Frankreich der Frage nach, wie eigentlich die ganzen tollen französischen Schoko-Leckereien gemacht werden. Es schmeckt...
...aber auch einfach so gut, wenn echte Könner den Zucker gekonnt modellieren. Ihre Freunde meinten zu Malin vorher, sie würde vermutlich nach Deutschland zurück...
...rollen. Und wer hätte es ihr bei einem solchen Anblick verdenken können? Aber denkste! Kein Gramm hat Malin in Frankreich zugenommen. Der Franzose, sagt sie, nascht zwar gern, aber ernährt sich ansonsten sehr gesund.
In ein anderes Land des guten Essens fuhr Henrike Gätjens, 18, mit ihrem 600-Euro-Stipendium: nach Italien. Sie spürte der Frage nach, was Venedig gegen das ständig steigende Hochwasser tut. In der Stadt mit den vielen Kanälen ist zwar eigentlich...
...sowieso jede Straße ein Wasserweg, aber wenn man irgendwann nirgendwo mehr treten kann, ist die Stadt dem Untergang geweiht. Dass das Wasser weiter steigt, ist nicht zu verhindern. Die Stadt baut jetzt aufklappbare Deiche - Henrike hat die Idee nicht überzeugt: Sie werde das ökologische Gleichgewicht in Gefahr bringen, sagt sie.
Benedikt Kern, 19, ging eher das Wasser von oben auf die Nerven: Er fuhr nach Nordirland, um herauszufinden, wie Jugendliche in Belfast mit dem Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken umgehen. Und jeden Tag regnete es. Ein ernsteres Problem: Mitten durch...
...Belfast verläuft eine Mauer. Die "Peace Wall" trennt die katholischen von den protestantischen Vierteln. Die Jugendlichen in Belfast wollen sie weghaben, sagt Benedikt. Sie glauben, dass sie niemals zu einer Einheit werden können, solange die Mauer steht.
Caroline Hoffmann, zog es in den Osten - für sie der spannendste Teil Europas. Sie besuchte die Sachsen in Siebenbürgen und spürte in Interviews der Seele dieser deutschen Minderheit nach.
"Wir sterben aus", sagten die einen, "wir halten uns schon noch", sagten die anderen. Caroline fuhr von Stadt zu Stadt, sprach jeden Tag mit neuen Menschen. Trotzdem holte sie auch manchmal die Einsamkeit ein. Caroline hielt durch. Abbrechen, dachte sie, gilt nicht.