Schulreform in Polen Regierung schafft Gymnasien ab
Vor einem knappen Jahr verkündete die nationalkonservative polnische Regierungspartei PiS, das Schulsystem umstrukturieren zu wollen. Prompt gab es Proteste, wie hier im November in Warschau.
Denn die Reform ist tiefgreifend: Grundschulen sollen von sechs auf acht Jahre verlängert und landesweit rund 7500 Gymnasien abgeschafft werden.
Die Gymnasien deckten bisher die siebte bis neunte Klasse ab. Sie wurden 1990 eingerichtet, um das polnische Bildungssystem denen westeuropäischer Länder anzugleichen. Hier protestieren Menschen in Warschau im März für ihren Erhalt.
Doch viele Reformgegner fürchten, dass mit ihrer Abschaffung und der recht kurzfristig durchgedrückten Reform viele Schulen in Chaos versinken könnten.
Krystian Buszta, der eine Grundschule in dem Dorf Kazun Nowy leitet, hat im neuen Schuljahr zunächst einen zusätzlichen Jahrgang zu unterrichten, den siebten. Der achte Jahrgang soll nächstes Jahr an den Grundschulen beginnen.
"Die Reform wird umgesetzt ohne Rücksicht darauf, die Schulen entsprechend auszustatten", sagt Buszta. Seine Lehrer sollen zum Beispiel Chemieunterricht halten, aber seine Schule (im Bild) habe keine Labore.
Ein weiterer Kritikpunkt: die Lehrpläne für Geschichte und Biologie. In Geschichte sollen Grundschüler viel über berühmte Polen lernen, doch der Friedensnobelpreisträger Lech Walesa wird im Curriculum nicht erwähnt. Der sei für manche ein Held - und für andere ein Mitarbeiter des Geheimdienstes, sagt die polnische Regierung dazu.