Ausflug ins Schulmuseum Du heißt heute Agathe
Hier spielen Grundschüler aus Glinde mit der Museumsmitarbeiterin Daniela Wempner eine Unterrichtsstunde nach, so wie sie um 1900 an vielen Schulen ablief. Die Kinder bekommen Schürzen, Leibchen - und Namen wie Otto oder Agathe.
Das "Fräulein Lehrerin" gibt den Kindern vor, wie sie sich zu verhalten haben: gerade sitzen, Hände falten, nicht schwatzen, nicht lachen - und den Kaiser loben.
Klassenzimmer im Stil der Kaiserzeit: Im Hamburger Schulmuseum können Schüler erleben, wie ein Schultag zu Kaiserzeiten ablief.
Prügel im Klassenzimmer waren damals keine Ausnahme, in einem Strafenbuch wurden die Züchtigungen vermerkt. Ein Junge bekam etwa zwei Schläge mit dem Stock, weil er die Lehrerin am Nachmittag nicht begrüßt hatte. Für die Hiebe musste er sich bedanken.
Im Hamburger Schulmuseum spielen Schüler auch nach, wie Kinder früher gedemütigt wurden: Alle sollen mit dem Finger auf einen Schüler zeigen und rufen: "Seht euch diesen Esel an, der nichts Rechtes lernen kann."
Lernen im Gleichtakt: "Rauf runter rauf - Pünktchen oben drauf" - wenn die Schüler das i schreiben, folgen sie den Vorgaben der Lehrerin.
"Es war gut, dass du so streng warst, da kann man gut lernen", sagt ein Mädchen nach der simulierten Unterrichtstunde zu der Lehrerin. "Aber es war ja zum Glück nicht echt. Sonst hätte ich Angst."
Nicht nur die autoritären Erziehungsmethoden sind den Grundschülern von heute fremd. Sie rätseln auch, was wohl der sogenannte Pedell morgens am Schuleingang kontrollierte: "Ob die Kinder Waffen dabei hatten?", vermutet ein Junge. Ein Mädchen: "Ob sie gesunde Schulbrote hatten und keine mit Nutella drauf."
Der Pedell kontrollierte die Seitenscheitel der Schüler auf Läuse, erzählt die Museumsmitarbeiterin Wempner. Vor allem arme Familien hatten oft nicht genug Geld, um Läusemittel zu kaufen. Fotos im Schulmuseum zeigen, wie groß die Armut oft war.
Kinder aus wohlhabenden Familien an der Hamburger Alster. Solche Kinder gingen meist in andere Schulen als Kinder aus armen Verhältnissen.
Früher besuchten Mädchen und Jungen in der Regel verschiedene Schulen.
Jungen sollten später einmal Matrosen oder Soldaten werden, Mädchen "tüchtige Hausfrauen". Sie bekamen Handarbeitsunterricht und lernten rechnen, um ein Haushaltsbuch zu führen.
Auch Lehrerin war für Mädchen eine Berufsoption. Sie durften aber nur so lange in der Schule arbeiten, bis sie heirateten.