Schulschiff "Gorch Fock" Das Ende einer Ära?
Die "Gorch Fock" erlebt die wohl schwerste Krise ihrer Geschichte. Zum einen lassen zwei Todesfälle Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Ausbildung auf einem Segelschiff aufkommen. Zum anderen hat ein Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus ein düsteres Innenleben entblößt.
Von außen betrachtet ist das Image der "Gorch Fock" tadellos: Die weiße Dreimastbark gilt als Flaggschiff der deutschen Diplomatie, sie ist wichtigster Werbeträger der deutschen Marine, Schule fürs Seemannsleben.
Die Innenansicht ist eher düster: Nach Recherchen des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus herrschen an Bord schier inakzeptable Zustände. Von Meuterei der Besatzung ist da die Rede, vom Aufhetzen der Kadetten gegen die Schiffsführung, von massiver Nötigung der Soldaten. In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu schweren Unfällen.
Abenteuerlicher Arbeitsplatz: Nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin und der Beinahe-Meuterei ist eine heftige Debatte über die Ausbildung auf dem Schulschiff "Gorch Fock" ausgebrochen. Ehemalige Offiziersanwärter berichten von Schikanen und einer "Subkultur der Angst und Unterdrückung".
Norbert Schatz, hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2008, wird als der glücklose Kommandant der "Gorch Fock" in die Geschichte des Segelschulschiffes eingehen. Während seiner Kommandantur verloren gleich zwei Soldatinnen an Bord ihr Leben. Nun griff Verteidigungsminister Guttenberg ein und setzte Schatz als Kommandant ab. Im Februar 2006 hatte er diesen Posten angetreten.
Kapitän Schatz vor Beginn einer Ausbildungsreise im März 2009: Er war im Februar 2006 Kommandant der "Gorch Fock" geworden. Auch er abolvierte dort einen Teil seiner Ausbildung. Arbeit und Leben auf der "Gorch Fock" hätten sich seit seiner Kadettenzeit aber merklich verändert: "Natürlich ist das auch heute noch kein Diskutierclub."
Außerdem ordnete der Verteidigungsminister die sofortige Rückkehr des Schiffes in den Heimathafen Kiel an. Das Schiff solle bis auf weiteres auch nicht mehr auslaufen. Es werde aus der Fahrbereitschaft genommen, bis eine noch einzusetzende Kommission auch unter Mitwirkung von Abgeordneten des Bundestags beurteilt habe, "inwieweit die 'Gorch Fock' als Ausbildungsschiff und Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren Zukunft hat", so Guttenberg weiter.
Am 23. August 1958 war die "Gorch Fock" in der Werft von Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel gelaufen. Seitdem wurden etwa 14.000 Offiziere und Unteroffiziere auf ihr ausgebildet.
Bei ihren Fahrten hat die "Gorch Fock" bisher knapp 700.000 Seemeilen zurückgelegt. Hier segelt das Schiff 2007 zwischen Eisbergen im Golf von Sankt-Lorenz vor Neufundland.
Soldaten treten an Deck zur Musterung an: Für viele ist der Dienst auf der "Gorch Fock" ein Traum.
Freiwillig, weil nicht ganz ungefährlich: Beim Aufentern in die Takelage sind die Kadetten der "Gorch Fock" nicht gesichert. Im November 2010 kam eine Soldatin bei einem Sturz aus 27 Metern ums Leben.