Blutvergießen fürs Abi Von Lochstreifen und Planwirtschaft
Verständnisprobleme: Mit steigendem Alter nahm das Interesse Schuberts an manchen Schulfächern ab - vom Fach "ESP - Einführung in die Sozialistische Produktion" sagt Schubert: "Bis heute ist mir nicht klar, wie Lochstreifen und Planwirtschaft funktionieren." Das Bild zeigt Berliner Schüler beim Unterricht in "Sozialistischer Produktion" im März 1987.
Im Schraubstock des Systems: Für Marko Schuberts Schulklasse standen nur drei Abiturplätze zur Verfügung. Ein Einserschnitt war Voraussetzung. Doch die Fächer "ESP - Einführung in die Sozialistische Produktion" und "PA - Produktive Arbeit" gefährdeten seine Noten - er hatte einfach zwei linke Hände an der Werkbank. (Foto: DDR-Schraubstock, fotografiert im DDR-Museum in Berlin Mitte.)
"Erst das Vergnügen, dann die Arbeit!" ... so pflegten Marko Schubert und seine Klassenkameraden in der zehnten Klasse zu sagen. Vor Beginn ihres Unterrichts in "Produktiver Arbeit" kehrten die Schüler in einem Lokal ein - und begannen den Schultag bisweilen mit Bier. Bei ihren Einsätzen in der "volkseigenen Produktion" bekamen Schüler schnell mit, dass am Arbeitsplatz häufig Alkohol getrunken wurde. Anläße gab es genug: Geburtstage, Hochzeiten, Scheidungen, Geburten, Todesfälle, Fußballergebnisse, Urlaubslagen etc.
Foto: Eine Flasche "Goldkrone", ein Weinbrandverschnitt, aufgenommen im DDR-Museum in Berlin Mitte.
Die Nummer Eins: Zu Beginn seiner Schullaufbahn schien es noch nicht den geringsten Anlass zum Zweifel zu geben, dass Schubert problemlos zum Abitur zugelassen werden würde. Sein Zeugnis der dritten Klasse zeigte ausschließlich Einsen.
Ende des reinen Einserschnitts: In den höheren Jahrgängen schlichen sich, wie man diesem Zeugnis aus der siebten Klasse entnehmen kann, in Schuberts einst reines Einser-Zeugnis auch schlechtere Zensuren ein. Schuberts Mutter erinnerte sich, nach seiner allerersten Zwei habe der kleine Marko zwei Tage lang vor Verzweiflung geweint.
Schüler in der Berufspraxis: Die Verzahnung des Unterrichts mit der Arbeit der Betriebe spielte eine große Rolle im Unterricht der DDR-Schulen. Hier überholen Schüler im Braunkohlenkombinat Lauchhammer die Stromabnehmer von Grubenlokomotiven, aufgenommen circa 1980. Marko Schubert war kein großer Freund dieser praktischen Ausbildungsanteile.
Arbeiter-und-Bauern-Stullen: Stullendosen wie diese - das Gegenstück zur Tupperware im Westen - wurden zur Mittagspause von den Schülern in den Betrieben ausgepackt. Schubert und seine Freunde zeigten sich allerdings wesentlich interessierter an flüssiger Nahrung. Aufnahme aus dem DDR-Museum in Berlin Mitte.
Lausbubenbande: Marko Schubert (zweiter von links) in seinem Freundeskreis 1986 während seiner Jugendweihe. Einer von ihnen sollte für Schubert zum Retter in der Not werden, als er scheinbar ausweglos seine Oberstufenberechtigung verspielt hatte.
Saat des Schreckens: Mit Schrecken erinnert sich Marko Schubert daran, wie das Fach "Schulgarten" eingeführt wurde. Er sei "eindeutig zu blöd" dazu gewesen, eine Harke zu bedienen. Das Bild zeigt Dritt- und Viertklässler aus Groß-Beuchow, die im Januar 1965 Blumenkohl säen.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-D0125-0011-001
Praxisnähe: Im DDR-Bildungswesen wurde großer Wert darauf gelegt, Schüler früh mit dem gesellschaftlichen Leben außerhalb der Schule vertraut zu machen - wie bei dieser Schülergruppe der Wilhelm-Pieck-Oberschule, die im November 1969 ein Traktorenwerk besucht. Marko Schubert hätte auf seinen Kontakt mit der Arbeit in den Volkseigenen Betrieben als Schüler allerdings gerne verzichtet.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-H1120-0006-001
Wachsender Druck: Zwei Neuntklässler der Polytechnischen Oberschule in Schwerin beim Unterricht im Fach Produktive Arbeit. Sie übernahmen die Demontage und Montage der Transportbänder für Rübenkopflader. Dabei standen die Schüler mit ihren Mitschülern im Wettbewerb, der monatlich ausgewertet wurde. Auch Marko Schubert bekam den wachsenden Konkurrenzdruck unter den Schülern zu spüren, je weiter er sich der Oberstufe näherte.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1989-0403-018
Der Ernst des Lebens ...holte Marko Schubert in der zehnten Klasse ein: Er musste mit allen Mitteln einen Notenschnitt erreichen, der ihm den Oberstufenzugang ermöglichte. Doch seine Tollpatschigkeit schien ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen. Das Bild zeigt Zehntklässler der Oberschule Prenzlauer Berg im Mai 1987.
Mit Pauken und Trompeten: Sein neues Leben an der Oberstufenschule begann für Schubert mit einem Fahnenappell. Das Verhalten seiner neuen Mitschüler erschien ihm zunächst so befremdlich, dass er sich fragte, ob er in einer anderen Welt gelandet sei. Das Bild zeigt Schüler aus Elsterwerda-Biehla beim Fahnenappell in den sechziger Jahren.