Schwarz-Gelb: Wer wird was im Kabinett? - DER SPIEGEL
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Schwarz-Gelb Wer wird was im Kabinett?

Das Pokern ums Personal geht in die entscheidende Runde: Sobald die Inhalte für den Koalitionsvertrag stehen, muss Kanzlerin Merkel ihre Ministerriege sortieren - sie dürfte schon recht genaue Pläne haben. SPIEGEL ONLINE zeigt die Anwärter auf die Regierungsbank.
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Eines ist sicher: CDU-Chefin Angela Merkel (CDU), 55, bleibt Bundeskanzlerin. Nachdem sie vier Jahre lang mit einer Großen Koalition regiert hat, wird sie nun ein Dreierbündnis aus CDU, CSU und FDP anführen.

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Dass FDP-Chef Guido Westerwelle, 47, aufs Außenministerium verzichten und stattdessen ein Super-Ministerium für Finanzen und Wirtschaft anstreben könnte, scheint mittlerweile so gut wie ausgeschlossen. Also künftig wieder ein liberaler Außenminister in der Tradition von Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel.

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Die Besetzung des Finanzministeriums gilt als Dreh- und Angelpunkt der Regierungsbildung. Merkel wünscht sich einen Unionsmann auf diesem schwierigen Posten. Hätte die CSU dann eine Chance? Zumindest hat sie einen Kandidaten: den bisherigen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, 37. Allerdings heißt es in CSU-Kreisen, Guttenberg würde lieber Verteidigungsminister werden.

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Die FDP jedenfalls will sich entweder das Finanz- oder das Wirtschaftsressort sichern. Lange wurde FDP-Steuerexperte Hermann Otto Solms, 68, als heißer Kandidat fürs Finanzministerium gehandelt. Doch er sorgte während der Koalitionsverhandlungen für Verärgerung bei den Unionsparteien, weil er immer wieder sein Drei-Stufen-Konzept vorbrachte, das CDU und CSU strikt ablehnen. Von einer "zu starren Haltung" war zuletzt die Rede und davon, dass Solms zwar durchaus etwas von Steuerfragen verstehe, den Gesamthaushalt aber nicht im Blick habe.

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Vieles hängt vom bisherigen Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU), 55, ab. Als Chefunterhändler in der Koalitionsarbeitsgruppe Finanzen, Steuern und Haushalt ist auch er im Rennen um das Finanzministerium. Er gilt als Merkels Favorit. Dabei könnte der als effizienter Manager geltende de Maizière auch ein ganz anderes Ressort anstreben.

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Und zwar das Ressort, das bisher Wolfgang Schäuble (CDU), 67, innehat. Doch weil der amtierende Innenminister in seiner schwierigen Koalitionsarbeitsgruppe eine überraschend schnelle Einigung mit der FDP erreichte, könnte Merkel ihn halten wollen. Intern kursieren Übergabeszenarien: Schäuble bleibt möglicherweise noch zwei Jahre, dann übergibt er an de Maizière.

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Für den bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), 44, hängt viel von Schäuble und de Maizière ab. Denn Röttgen könnte sowohl Innenminister als auch Kanzleramtsminister werden. Für letzteren Posten war er bereits vor vier Jahren unter Schwarz-Rot im Gespräch. Eine weitere Möglichkeit: Röttgen übernimmt das Umweltministerium

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Gleichzeitig gilt allerdings die baden-württembergische Landesministerin Tanja Gönner, (CDU), 40, als Anwärterin auf das Umweltressort.

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Die gelernte Ärztin Ursula von der Leyen (CDU), 51, wird wohl vom Familien- ins Gesundheitsressort wechseln. Sie hatte in der Koalitionsarbeitsgruppe zu Gesundheit und Pflege bereits die Verhandlungsführung für die Union übernommen.

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Das Familienministerium könnte dann an die FDP gehen. Deren Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Silvana Koch-Mehrin, 39, wird als Kandidatin gehandelt.

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Lange sah es so aus, als würde Franz Josef Jung (CDU), 60, als Regierungschef nach Hessen wechseln und dafür dem bisherigen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), 51, im Kabinett Merkel Platz machen. Doch Koch hat einen möglichen Wechsel nach Berlin nun schon so häufig dementiert, dass Jung tatsächlich in der Bundesregierung bleiben könnte. Möglicherweise wie die vergangenen Jahre als Verteidigungsminister - sofern nicht die CSU für Guttenberg auf dieses Amt zugreift.

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Sollte die FDP nicht das Finanzministerium übernehmen, hätte sie gute Chancen aufs bisher CSU-geführte Wirtschaftsministerium. Kandidat der Liberalen: Parteivize Rainer Brüderle. Der 64-Jährige amtierte bereits zwischen 1987 bis 1998 als Wirtschaftsminister - allerdings in Rheinland-Pfalz.

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Die Linksliberale und bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, 58, gilt als relativ sichere Kandidatin ihrer Partei für das Amt der Justizministerin. Bereits 1992 bis 1996 hatte sie diesen Posten inne, trat aber aus Widerstand gegen den sogenannten Großen Lauschangriff zurück.

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Ob Annette Schavan (CDU), 54, Bildungsministerin bleiben kann, ist unsicher. Zwar verfügt sie über einen guten Draht zu Angela Merkel, doch blieb sie in den vergangenen Jahren blass.

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So könnte die FDP Anspruch auf dieses Amt erheben. Die frühere FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper, 50, hat sich bereits als Bildungspolitikerin in Stellung gebracht. Allerdings werden bei den Liberalen noch weitere Namen gehandelt - wie der des 36-jährigen niedersächsischen Wirtschaftsministers Philipp Rösler.

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Der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, 50, galt in Unionskreisen schon als fest gebucht für den Job des Arbeitsministers. Es hieß, Merkel habe dem Parteimanager dieses Ressort zugesichert. Doch zuletzt wurde spekuliert, dass sie ihn weiter an ihrer Seite wünschen könnte: als Kanzleramtsminister - sollte de Maizière ins Finanzministerium wechseln.

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Damit wäre der Weg ins Arbeitsministerium frei für Dirk Niebel, 46, den bisherigen FDP-Generalsekretär. Er arbeitete früher selbst als Arbeitsvermittler im Heidelberger Arbeitsamt.

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Behält die CSU das Agrarministerium? In der Partei sind sie gespaltener Meinung, weil ihre bisherige Ministerin Ilse Aigner, 44, für die bayerischen Bauern auf europäischer Ebene nicht das Erhoffte erreichen konnte. Andererseits: Wenn CDU und FDP den Christsozialen das Ministerium anbieten und Seehofer es ausschlägt, könnte er bei den Landwirten, einer CSU-Kernklientel, ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen, befürchten einige in der Partei. Ungeachtet dessen ist Aigner, die gelernte Elektrotechnikerin und frühere forschungspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, auch für das Bildungsministerium im Gespräch.

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CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer, 55, hätte Chancen auf das Verkehrs- oder Entwicklungshilfeministerium - wenn den Christsozialen ein drittes Ministerium zufällt.

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Als Entwicklungshilfeminister ist auch Eckart von Klaeden, 43, im Gespräch. Der bisherige außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion gilt als Vertrauter Merkels. Sollte allerdings Guttenberg Verteidigungsminister werden, wäre auch ein Entwicklungshilfeminister Jung denkbar. Klaeden könnte dann vielleicht CDU-Generalsekretär werden.

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