Krise der Schwedischen Akademie Schlammschlacht in der Alten Börse
Demonstrantin mit Schluppenbluse auf dem Stortorget-Platz in Stockholm, Donnerstagabend.
An dem Platz in der Stockholmer Altstadt steht das ehemalige Börsengebäude, seit 1914 Sitz der Schwedischen Akademie.
Die gut tausend Teilnehmer der "Schluppenblusen-Demonstration" wollten ihre Unterstützung für Sara Danius bekunden, die zum Rücktritt gedrängte ehemalige Ständige Sekretärin der Akademie, deren Markenzeichen Blusen mit auffälligen Schleifen am Hals sind.
Grund für die Krise, in der sich die Akademie befindet, sind die Vorwürfe von sexuellem Missbrauch gegen Jean-Claude Arnault, den Betreiber des Kulturzentrums Forum - hier mit seiner Ehefrau, dem Akademiemitglied Katarina Frostenson.
Eine von Sara Danius initiierte Untersuchung der Vorwürfe soll unter anderem ergeben haben, dass die Namen mehrerer Literatur-Nobelpreisträger vorzeitig durchgestochen worden sein sollen.
Außerdem soll die Lyrikerin Frostenson in der Akademie mitentschieden haben über Gelder, die dem Forum zugutekamen, an dem sie als Co-Inhaberin beteiligt war.
Nachdem ein Antrag, Frostenson deswegen aus der Akademie auszuschließen, keine Mehrheit fand, verließen drei Mitglieder das Gremium (von links): Kjell Espmark, Klas Östergren und Peter Englund.
Deutlichster Fürsprecher Frostensons ist Horace Engdahl, der von 1999 bis 2009 selbst der Akademie vorsaß. Er ist ein enger Freund Arnaults und empfahl den französischen Fotografen noch der Jugend zum Vorbild, als bereits die Vorwürfe gegen ihn im Raum standen.
Sara Danius nannte Engdahl in einem Zeitungsartikel die "schlechteste Ständige Sekretärin seit 1786", dem Gründungsjahr der Akademie. Kurz drauf wurde sie in einer Akademiesitzung zum Rücktritt gedrängt.
Über 200 Sprach- und Literaturwissenschaftler haben daraufhin eine Petition unterzeichnet, in der dazu aufgerufen wird, den Reform- und Aufklärungskurs von Sara Danius fortzusetzen. Zu den Unterzeichnenden zählt auch die in München arbeitende Literaturwissenschaftlerin Jenny Willner.
In dem Aufruf wird den verbliebenen elf Akademiemitgliedern das Misstrauen ausgesprochen: Sie seien "nicht mehr in der Lage, die Geschäfte in würdiger und angemessener Weise zu führen". Willner dazu im SPIEGEL-ONLINE-Interview: Wenn die Stimme von Horace Engdahl, wie er sie in "Expressen" geäußert habe, den Ton angeben solle "für die Haltung der Akademie gegenüber ihrer Vergangenheit, dann ist das schon ein Problem".
Inzwischen hat König Carl XVI. Gustaf die Statuten der Akademie geändert: Die Mitglieder, bisher auf Lebenszeit gewählt, sollen nun nach zweijähriger Inaktivität ausscheiden dürfen. Für Willner eine "überfällige" Änderung, die Machtstrukturen um das Gremium müssten aber weiter durchgearbeitet werden.