Scopitones - DER SPIEGEL
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Scopitones Die Krachkommoden

20 Jahre vor MTV eroberte ein merkwürdiger Musikschrank die Welt: das Scopitone, eine Jukebox mit Fernsehschirm. Die extra dafür gemachten Clips waren der Vorgänger des Musikvideos - sexy, knallbunt und billig produziert. Heute sind die irren Kurzfilme ein Fest für Filmenthusiasten.
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Entertainment-Schrank: Die Scopitones waren zwei Meter hoch und rund 180 Kilo schwer.

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Blondine im Netz: Die Scopitone-Filme wurden mit wenig Budget, aber viel Fantasie gedreht. Das macht für viele Fans heute den Charme der frühen Videoclips aus. Hier posiert die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Joi Lansing in dem Clip zu ihrem Song "Web Of Love".

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Sie läuft und läuft und läuft: Dieses noch funktionierende Scopitone-Modell steht in der Kinemathek in Bern. Eine echte Seltenheit - viele der Maschinen wurden verschrottet, die wenigen, die es noch gibt, sind zum großen Teil in schlechtem Zustand.

Foto: Lichtspiel / Kinemathek Bern
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Innenleben: Die 16-Millimeter-Filmrollen der Scopitone waren auf einem Stahlkranz angeordnet, der Platz für 36 Streifen bot. Wählte man einen Clip aus, drehte sich das Spulen-Karussell in die entsprechende Position.

Foto: Lichtspiel / Kinemathek Bern
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Rückansicht: In dem Scopitone-Clip zu dem Song "Where Did All The Good Times Go?" des kalifornischen Sänger-Pärchens Dick and Dee Dee tanzen bei jeder Gelegenheit halbnackte Go-Go-Girls wild durch die Szenen - dabei ist der Song eigentlich eine traurige Ballade über eine verlorene Liebe.

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Scopitone-Revival: Die Film-Jukebox Scopitone zeigte Musik-Clips im 16-Milimeter-Format. Heute kursieren viele der skurrilen Musikclips digital im Internet oder werden von Fans auf DVDs wie dieser veröffentlicht.

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Rock-Star: Um die Kunden möglichst oft an den Münzschlitz der Scopitones zu locken, bedienten sich die Regisseure der Clips oft der ältesten Verkaufsregel der Welt. In dem Scopitone-Clip "C'est si bon", gesungen von der eher biederen Jane Morgan, wird den Tänzerinnen zum Beispiel ganz unverblümt unter den Rock geschaut.

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Scopitone: Die fanzösische Firma Cameca entwickelte in den fünfziger Jahren den Prototyp der flimmernden Musikbox. Ihr Name wurde aus den griechischen Wörtern "scopein" für "beobachten" und "tonos" für "Tonleiter" zusammengesetzt.

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Konkurrenz aus Italien: Das Pendant zur französischen Scopitone war die sogenannte Cinebox. Mit ihr konnten nicht nur Musikfilme abgespielt werden, sondern in den Spielpausen darüber hinaus Werbedias gezeigt werden.

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Vorgänger von 1939: In den USA war das Prinzip der Film-Jukebox lange vor Einführung der Scopitone bekannt. Bereits Ende der dreißiger Jahre standen in Bars und Kneipen für einige Jahre die sogenannten Panorams. In diesen Kästen mit Schwarzweiß-Bildschirm nudelten liebevoll Soundies genannte Musikclips. Damals konnte man jedoch noch keine Songs auswählen: Warf man Geld ein, wurde einfach das nächste Stück auf der acht Clips umfassenden Filmrolle im Automaten abgespielt.

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Attraktion: Der Scopitone-Trend gelangte 1963 auch in die USA. Dieses Werbeplakat kündigt eine Vorführung des Musikkarussells im Egyptian Theatre in Hollywood an.

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Rock'n'Roll aus Frankreich: Auch die französische Rock'n'Roll-Band Les Chaussettes Noires - die Schwarzen Socken - drehte Scopitone-Clips. Hier ein Ausschnitt aus dem Video zu dem Titel "Je t'aime trop".

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?