Scopitones Die Krachkommoden
Entertainment-Schrank: Die Scopitones waren zwei Meter hoch und rund 180 Kilo schwer.
Blondine im Netz: Die Scopitone-Filme wurden mit wenig Budget, aber viel Fantasie gedreht. Das macht für viele Fans heute den Charme der frühen Videoclips aus. Hier posiert die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Joi Lansing in dem Clip zu ihrem Song "Web Of Love".
Sie läuft und läuft und läuft: Dieses noch funktionierende Scopitone-Modell steht in der Kinemathek in Bern. Eine echte Seltenheit - viele der Maschinen wurden verschrottet, die wenigen, die es noch gibt, sind zum großen Teil in schlechtem Zustand.
Innenleben: Die 16-Millimeter-Filmrollen der Scopitone waren auf einem Stahlkranz angeordnet, der Platz für 36 Streifen bot. Wählte man einen Clip aus, drehte sich das Spulen-Karussell in die entsprechende Position.
Rückansicht: In dem Scopitone-Clip zu dem Song "Where Did All The Good Times Go?" des kalifornischen Sänger-Pärchens Dick and Dee Dee tanzen bei jeder Gelegenheit halbnackte Go-Go-Girls wild durch die Szenen - dabei ist der Song eigentlich eine traurige Ballade über eine verlorene Liebe.
Scopitone-Revival: Die Film-Jukebox Scopitone zeigte Musik-Clips im 16-Milimeter-Format. Heute kursieren viele der skurrilen Musikclips digital im Internet oder werden von Fans auf DVDs wie dieser veröffentlicht.
Rock-Star: Um die Kunden möglichst oft an den Münzschlitz der Scopitones zu locken, bedienten sich die Regisseure der Clips oft der ältesten Verkaufsregel der Welt. In dem Scopitone-Clip "C'est si bon", gesungen von der eher biederen Jane Morgan, wird den Tänzerinnen zum Beispiel ganz unverblümt unter den Rock geschaut.
Scopitone: Die fanzösische Firma Cameca entwickelte in den fünfziger Jahren den Prototyp der flimmernden Musikbox. Ihr Name wurde aus den griechischen Wörtern "scopein" für "beobachten" und "tonos" für "Tonleiter" zusammengesetzt.
Konkurrenz aus Italien: Das Pendant zur französischen Scopitone war die sogenannte Cinebox. Mit ihr konnten nicht nur Musikfilme abgespielt werden, sondern in den Spielpausen darüber hinaus Werbedias gezeigt werden.
Vorgänger von 1939: In den USA war das Prinzip der Film-Jukebox lange vor Einführung der Scopitone bekannt. Bereits Ende der dreißiger Jahre standen in Bars und Kneipen für einige Jahre die sogenannten Panorams. In diesen Kästen mit Schwarzweiß-Bildschirm nudelten liebevoll Soundies genannte Musikclips. Damals konnte man jedoch noch keine Songs auswählen: Warf man Geld ein, wurde einfach das nächste Stück auf der acht Clips umfassenden Filmrolle im Automaten abgespielt.
Attraktion: Der Scopitone-Trend gelangte 1963 auch in die USA. Dieses Werbeplakat kündigt eine Vorführung des Musikkarussells im Egyptian Theatre in Hollywood an.
Rock'n'Roll aus Frankreich: Auch die französische Rock'n'Roll-Band Les Chaussettes Noires - die Schwarzen Socken - drehte Scopitone-Clips. Hier ein Ausschnitt aus dem Video zu dem Titel "Je t'aime trop".