"Seefeuer" Europas Verantwortung
Filmszene aus "Seefeuer": Der Regisseur Gianfranco Rosi begleitete ein Jahr die Anwohner der Insel Lampedusa - und ihren Alltag.
Allein 2015 wurde die Insel für über 400.000 Flüchtlinge zum Anlaufpunkt.
"Als ich ankam, gab es paradoxerweise keine Migranten auf Lampedusa", sagt der Regisseur im Interview. "Meine erste Begegnung mit der Insel war so bestimmt von einem Gefühl von Leere, von Gespanntheit auf etwas, das weit weg geschah, von dem die Leute aber wussten, dass es sie wieder erreichen würde."
"Wir wissen, dass Leute sterben, wir lassen zu, dass das passiert: Folter, Vergewaltigung, Tod", sagt Rosi. Jeder fliehe vor seiner Verantwortung für Europas Geschichte.
Im Mittelpunkt des Films steht Samuele, ein zwölfjähriger italienischer Junge - sein Alltag scheint kaum tangiert von der Flüchtlingskatastrophe.
Rosis Dokumentarfilm begeisterte Kritiker bei der diesjährigen Berlinale - und gewann den Goldenen Bären.
Erst im hinteren Teil des Films kommen die Schreckensbilder, die viele mit dem Namen Lampedusa verbinden.
Rosi feierte bereits mit anderen Werken Erfolge: In "Das andere Rom" begleitete er das Leben an der römischen Ringautobahn.
Für diesen Film wurde er 2013 bei den Filmfestspielen Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.