Seenotretter-Schicksale Mayday - die Tragödie der "Adolph Bermpohl"
Vorzeigeschiff: Im Februar 1967 war der Seenotrettungskreuzer "Adolph Bermpohl" das modernste Schiff der DGzRS-Flotte und erst seit wenigen Monaten im Dienst. Doch im Orkan sollte die erfahrene Crew vor Helgoland in höchste Gefahr geraten.
In Fetzen: Die vom Sturm zerrissene Flagge des Seenotrettungskreuzers "Adolph Bermpohl"
Seenotretter Hans-Jürgen Kratschke: Er blieb auf See im Einsatz beim Unglück des Seenotrettungskreuzers "Adolph Bermpohl" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger am 23. Februar 1967. Viele Menschen verloren an diesem Tag auf der Nordsee ihr Leben.
Tanker "Atlantis": Dieses Schiff fand nach dem Tag des Unglücks den beschädigten Seenotkreuzer auf der Nordsee treibend vor.
Vormann Paul Denker: Auch er starb im Einsatz beim Unglück des Seenotrettungskreuzers "Adolph Bermpohl" am 23. Februar 1967 vor Helgoland. Mindestens 44 Menschen ertranken in dem Sturm, der nachträglich "Adolph-Bermpohl-Orkan" genannt wurde.
Der Morgen nach der Katastrophe: Der Seenotrettungskreuzer Adolph Bermpohl treibt beschädigt in der Nordsee. Von den Männern an Bord fehlt jede Spur. Als "schlimmste Erinnerung, die ich bis heute habe" beschreibt der Steuermann des Tankers, der das Schiff entdeckte, seinen Fund am 24. Februar 1967.
Seenotretter Otto Schülke: Auch er verstarb auf See im Einsatz der "Adolph Bermpohl". Im Orkan, dessen Windgeschwindigkeiten bis heute nur selten wieder erreicht wurden, musste der Seenotrettungskreuzer gleich zu zwei Einsätzen ausfahren.
Namenspate: Friedrich August Adolph Bermpohl und seine Frau. Bermpohl war im 19. Jahrhundert tätig als Navigationslehrer und gilt als Initiator des organisierten Seenotrettungswesens in Deutschland.
Seenotretter Günter Kuchenbecker, auf See geblieben im Einsatz beim Unglück des Seenotrettungskreuzers Adolph Bermpohl der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am 23. Februar 1967 im Orkan vor Helgoland.
Berühmter Rettungskreuzer: Hinrich Pick, freiwilliger Seenotretter der Station Eckernförde, hält am 04. September 2015 ein Modell der Adolph Bermpohl in der Hand.
Altgedient: Die Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sind hochmotorisierte, wendige Schiffe, getrimmt auf den Einsatz auf hoher See. Der hier abgebildete Seenotkreuzer "Theodor Heuss" war von 1957 bis 1985 im Einsatz und das erste Schiff der 23,3-Meter-Klasse der DGzRS - die man entsprechend auch die "Theodor-Heuss-Klasse" nannte.
Technischer Quantensprung: Nicht immer hatte die DGzRS solch große, sichere Rettungskreuzer auf ihren Einsätzen zur Verfügung. Dass beginnend mit dem Rettungsboot "Oberinspector Pfeifer" überhaupt motorisierte Rettungsboote eingesetzt werden konnten, war 1911 eine wegweisende Neuerung. Zuvor hatten die Retter zu ihren Einsätzen rudern müssen.
Stoff für Legenden: Die Einsätze der Seenotretter waren und sind immer mit Gefahren verbunden. So erlebte die Mannschaft des 1887 auf Langeoog in Dienst gestellten Ruderrettungsboots "Reichspost" bei einem Rettungseinsatz 1942 im Packeis vor der Insel dramatische Szenen: Nur über loses Treibeis kriechend überlebten die Retter und Geretteten, ihr Boot mussten sie aufgeben. Es blieb der letzte Einsatz eines Ruderrettungsboots durch die DGzRS.
Vorsintflutlich: Während heute selbstaufblasende Rettungswesten oder solche mit einer nicht wasseraufsaugenden Kunststofffüllung üblich sind, verwendeten Seenotretter früher Korkwesten. Schon im Mittelalter war Kork zum Zweck des Schwimmauftriebs benutzt worden.
Seenotrettung im 19. Jahrhundert: Rettungsmänner der DGzRS bereiten am Strand den Abschuss einer Rakete vor, um eine Leinenverbindung zu einem gestrandeten Schiff herzustellen und die Besatzung zu retten.
Heldenehrung: Auch wenn kein Heldenkult um einzelne Seenotretter entstand, wurde ihnen für ihren selbstlosen Einsatz auf See großer Respekt entgegengebracht. Dieses Bild des berühmten Marinemalers Claus Bergen zeigt einen Ruderrettungsbooteinsatz im 19. Jahrhundert.
Transport: Bei schlechten Wetterbedingungen konnte bereits das Zuwasserlassen von Rettungsbooten eine erhebliche Herausforderung bedeuten - wenn das Boot etwa über Packeis ins Wasser gezogen werden musste. Auf diesem Bild eines auf einen Ablaufwagen mit Pferdegespann aufgebockten Bootes ging der Transport offenbar jedoch reibungslos vonstatten.
In letzter Sekunde: Oft bargen Seenotretter Schiffbrüchige in den verzweifeltsten Situationen. Nach dieser Schiffskollision hält sich ein Besatzungsmitglied im stürmenden Meer an der Takelage seines schon halb versunkenen Schiffes fest.
Nachbarn: Auch in den Niederlanden ist, wie in Deutschland, die Seenotrettung nicht staatlich organisiert. Statt der DGzRS läuft dort die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (kurz KNRM) aus, um Ertrinkende zu bergen; hier ein historisches Bild mit Ruderrettungsboot.
Mühsam: Mannschaft eines historischen Ruderrettungsboots aus den Niederlanden auf dem Weg zum Einsatz. Bei Rettungseinsätzen kooperieren niederländische und deutsche Kräfte bis heute - und führen regelmäßig auch wechselseitig grenzüberschreitende Bergungen durch.
Britische Rettungskräfte: Im Vereinigten Königreich übernimmt seit dem 19. Jahrhundert die Royal National Lifeboat Institution Seenotrettungseinsätze. Die nicht genau datierte Aufnahme eines RNLI-Rettungsboots entstand zwischen 1867 und 1887.
Schaltzentrale: Die deutschen Rettungseinsätze auf dem Meer werden von Bremen aus koordiniert. Hier sitzt die Seenotleitung Bremen, die rund um die Uhr mit Nautikern und Funkern besetzt ist.