Dieter Steffens in Seenot Ein Lebensretter kämpft um sein Leben
Retter aus Überzeugung: Dieter Steffens, Jahrgang 1960, lebt mit seiner Familie in Neuharlingersiel. Seit es die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger DGzRS gibt, ist ein Familienmitglied der Steffens dabei. Doch im Sommer 1990 geriet Dieter Steffens selbst bei einem Einsatz in Seenot - und musste um sein Leben kämpfen.
Schiffstaufe 1989: Dieter Steffens flog über Bord des Seenotkreuzers "Vormann Steffens" - der Name ist kein Zufall, das Schiff wurde zu Ehren seiner Familie benannt, die seit fünf Generationen in der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger aktiv ist.
Nach dem schweren Unfall: Am 20. August 1990 geriet die "Vormann Steffens" in einen schweren Sturm mit Orkanstärke. Fenster samt Rahmen wurden zerstört, der Decksbelag stellenweise. Im oberen offenen Fahrstand fehlte nach dem Unfall ein Stück der halb umlaufenden Scheibe des Fahrstandes.
Schäden vom Sturm: Auch die Seereling wurde eingedrückt. Als eine Quersee, ein Kaventsmann, den Kreuzer mit voller Wucht erwischte, drang tonnenweise Nordseewasser ein.
Eine Wand aus Wasser drückte das Schiff seitlich ins Wasser. Als es sich wieder aufrichtete, war Dieter Steffens nicht mehr an Bord - die Welle hatte ihn fortgerissen.
Allein in der Nordsee: Um 23.36 Uhr begann in dieser Sommernacht 1990 der Überlebenskampf von Dieter Steffens. Das Foto zeigt ihn bei der Schiffstaufe mit seinem Crew-Kollegen Ole Mammen (rechts) und Hans-Siegfried Rathjen (links), der die Bauaufsicht beim Neubau hatte.
Offener Fahrstand: Der Seenotrettungskreuzer "Vormann Steffens" Anfang der Neunzigerjahre. Als er über Bord gerissen wurde, wusste Dieter Steffens genau, wie schlecht seine Überlebenschancen standen. "Nicht zu viel strampeln, Energie sparen", sagte er sich, "nicht durchdrehen." Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde er gerettet, am Ende seiner Kräfte, völlig unterkühlt, geschockt.
Rettungsübung: Als der Hubschrauber ihn endlich per Rettungsschlaufe aus dem Wasser zog und ins Krankenhaus nach Wilhelmshaven flog, lag seine Körpertemperatur nur noch bei 31 Grad. Die Ärzte sagten Steffens später, dass ihm noch eine Viertelstunde geblieben wäre.
Vormann Steffens" in voller Fahrt: "Ein Sturm schreckt einen Seenotretter nicht, das kennt jeder, das gehört zum Beruf", sagt Steffens. Dieser Augustabend begann mit einem Sommerunwetter, Beaufort zehn aus Nordwesten, dann wurde Windstärke zwölf daraus.
Erinnerungsstücke: Im ostfriesischen Neuharlingersiel, Dieter Steffens' Heimatort, befindet sich in einem alten Rettungsschuppen eine Art improvisiertes Museum der Seenotrettung. Darin sind auch Fotos vieler seiner Vorfahren zu sehen.
Familientradition: Die Familie Steffens rettet seit fünf Generationen Leben auf der Nordsee. Der Mann ganz oben ist Harm Steffens und war von 1873 bis 1902 Vormann, also praktisch Kapitän, auf einem Seenotrettungs-Ruderboot.
Altgedient: Die Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sind hochmotorisierte, wendige Schiffe, getrimmt auf den Einsatz auf hoher See. Der hier abgebildete Seenotkreuzer "Theodor Heuss" war vom 1957 bis 1985 im Einsatz und das erste Schiff der 23,3-Meter-Klasse der DGzRS - die man entsprechend auch die "Theodor-Heuss-Klasse" nannte.
Technischer Quantensprung: Nicht immer hatte die DGzRS solch große, sichere Rettungskreuzer auf ihren Einsätzen zur Verfügung. Dass beginnend mit dem Rettungsboot "Oberinspector Pfeifer" überhaupt motorisierte Rettungsboote eingesetzt werden konnten, war 1911 eine wegweisende Neuerung. Zuvor hatten die Retter zu ihren Einsätzen rudern müssen.
Stoff für Legenden: Die Einsätze der Seenotretter waren und sind immer mit Gefahren verbunden. So erlebte die Mannschaft des 1887 auf Langeoog in Dienst gestellten Ruderrettungsboots "Reichspost" bei einem Rettungseinsatz 1942 im Packeis vor der Insel dramatische Szenen: Nur über loses Treibeis kriechend überlebten die Retter und Geretteten, ihr Boot mussten sie aufgeben. Es blieb der letzte Einsatz eines Ruderrettungsbootes durch die DGzRS.
Vorsintflutlich: Während heute selbstaufblasende Rettungswesten oder solche mit einer nicht wasseraufsaugenden Kunststofffüllung üblich sind, verwendeten Seenotretter früher Korkwesten. Schon im Mittelalter war Kork zum Zweck des Schimmauftriebs benutzt worden.
Seenotrettung im 19. Jahrhundert: Rettungsmänner der DGzRS bereiten am Strand den Abschuss einer Rakete vor, um eine Leinenverbindung zu einem gestrandeten Schiff herzustellen und die Besatzung zu retten.
Heldenehrung: Auch wenn kein Heldenkult um einzelne Seenotretter entstand, wurde ihnen für ihren selbstlosen Einsatz auf See großer Respekt entgegengebracht. Dieses Bild des berühmten Marinemalers Claus Bergen zeigt einen Ruderrettungsbooteinsatz im 19. Jahrhundert.
Transport: Bei schlechten Wetterbedingungen konnte bereits das Zuwasserlassen von Rettungsbooten eine erhebliche Herausforderung bedeuten - wenn das Boot etwa über Packeis ins Wasser gezogen werden musste. Auf diesem Bild eines auf einen Ablaufwagen mit Pferdegespann aufgebockten Bootes ging der Transport offenbar jedoch reibungslos vonstatten.
In letzter Sekunde: Oft bargen Seenotretter Schiffbrüchige in den verzweifeltesten Situationen. Nach dieser Schiffskollision hält sich ein Besatzungsmitglied im stürmenden Meer an der Takelage seines schon halb versunkenen Schiffes fest.
Nachbarn: Auch in den Niederlanden ist, wie in Deutschland, die Seenotrettung nicht staatlich organisiert. Statt der DGzRS läuft dort die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (kurz KNRM) aus, um Ertrinkende zu bergen; hier ein historisches Bild mit Ruderrettungsboot.
Mühsam: Mannschaft eines historischen Ruderrettungsbootes aus den Niederlanden auf dem Weg zum Einsatz. Bei Rettungseinsätzen kooperieren niederländische und deutsche Kräfte bis heute - und führen regelmäßig auch wechselseitig grenzüberschreitende Bergungen durch.
Britische Rettungskräfte: Im Vereinigten Königreich übernimmt seit dem 19. Jahrhundert die Royal National Lifeboat Institution Seenotrettungseinsätze. Die nicht genau datierte Aufnahme eines RNLI-Rettungsboots entstand zwischen 1867 und 1887.
Schaltzentrale: Die deutschen Rettungseinsätze auf dem Meer werden von Bremen aus koordiniert. Hier sitzt die Seenotleitung Bremen, die rund um die Uhr mit Nautikern und Funkern besetzt ist.