Seenotretter-Schicksale Rettender Feind
Verhängnisvoller Einsatz: Als der junge britische Soldat Erwin Barnes am Abend des 7. März mit seiner Bomberstaffel in Richtung Hamburg-Harburg abhob, hatte er bereits eine dunkle Vorahnung. Tatsächlich verlief der Einsatz nicht wie geplant, ihr Flugzeug stürzte über der Nordsee ab. "Ich dachte: 'Warum müssen wir das tun? Es brennt doch bereits'", erinnerte er sich später an die Zweifel an seinem Einsatz .
Barnes' Dienstbuch: Nur 19 Jahre alt war Erwin Barnes, als er in den Dienst der Royal Air Force trat. Sein Platz war an einem MG in einer Glaskuppel am Heck einer Avro 683. Was Barnes damals nicht wusste: Durchschnittlich überlebten Bordschützen an dieser gefährlichen Position gerade mal drei Wochen.
Im Krieg verschollen: Mit diesem Brief informierte die Royal Air Force Erwin Barnes' Mutter darüber, dass ihr Sohn vermisst wurde. Erst später erfuhr sie, dass er seinen Absturz über der Wesermündung überlebt hatte.
Altgedient: Die Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sind hochmotorisierte, wendige Schiffe, getrimmt auf den Einsatz auf hoher See. Der hier abgebildete Seenotkreuzer "Theodor Heuss" war vom 1957 bis 1985 im Einsatz und das erste Schiff der 23,3-Meter-Klasse der DGzRS - die man entsprechend auch die "Theodor-Heuss-Klasse" nannte.
Technischer Quantensprung: Nicht immer hatte die DGzRS solch große, sichere Rettungskreuzer auf ihren Einsätzen zur Verfügung. Dass beginnend mit dem Rettungsboot "Oberinspector Pfeifer" überhaupt motorisierte Rettungsboote eingesetzt werden konnten, war 1911 eine wegweisende Neuerung. Zuvor hatten die Retter zu ihren Einsätzen rudern müssen.
Stoff für Legenden: Die Einsätze der Seenotretter waren und sind immer mit Gefahren verbunden. So erlebte die Mannschaft des 1887 auf Langeoog in Dienst gestellten Ruderrettungsboots "Reichspost" bei einem Rettungseinsatz 1942 im Packeis vor der Insel dramatische Szenen: Nur über loses Treibeis kriechend überlebten die Retter und Geretteten, ihr Boot mussten sie aufgeben. Es blieb der letzte Einsatz eines Ruderrettungsbootes durch die DGzRS.
Vorsintflutlich: Während heute selbstaufblasende Rettungswesten oder solche mit einer nicht wasseraufsaugenden Kunststofffüllung üblich sind, verwendeten Seenotretter früher Korkwesten. Schon im Mittelalter war Kork zum Zweck des Schwimmauftriebs benutzt worden.
Seenotrettung im 19. Jahrhundert: Rettungsmänner der DGzRS bereiten am Strand den Abschuss einer Rakete vor, um eine Leinenverbindung zu einem gestrandeten Schiff herzustellen und die Besatzung zu retten.
Heldenehrung: Auch wenn kein Heldenkult um einzelne Seenotretter entstand, wurde ihnen für ihren selbstlosen Einsatz auf See großer Respekt entgegengebracht. Dieses Bild des berühmten Marinemalers Claus Bergen zeigt einen Ruderrettungsbooteinsatz im 19. Jahrhundert.
Transport: Bei schlechten Wetterbedingungen konnte bereits das Zuwasserlassen von Rettungsbooten eine erhebliche Herausforderung bedeuten - wenn das Boot etwa über Packeis ins Wasser gezogen werden musste. Auf diesem Bild eines auf einen Ablaufwagen mit Pferdegespann aufgebockten Bootes ging der Transport offenbar jedoch reibungslos vonstatten.
In letzter Sekunde: Oft bargen Seenotretter Schiffbrüchige in den verzweifeltesten Situationen. Nach dieser Schiffskollision hält sich ein Besatzungsmitglied im stürmenden Meer an der Takelage seines schon halb versunkenen Schiffes fest.
Nachbarn: Auch in den Niederlanden ist, wie in Deutschland, die Seenotrettung nicht staatlich organisiert. Statt der DGzRS läuft dort die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (kurz KNRM) aus, um Ertrinkende zu bergen; hier ein historisches Bild mit Ruderrettungsboot.
Mühsam: Mannschaft eines historischen Ruderrettungsbootes aus den Niederlanden auf dem Weg zum Einsatz. Bei Rettungseinsätzen kooperieren niederländische und deutsche Kräfte bis heute - und führen regelmäßig auch wechselseitig grenzüberschreitende Bergungen durch.
Britische Rettungskräfte: Im Vereinigten Königreich übernimmt seit dem 19. Jahrhundert die Royal National Lifeboat Institution Seenotrettungseinsätze. Die nicht genau datierte Aufnahme eines RNLI-Rettungsboots entstand zwischen 1867 und 1887.
Schaltzentrale: Die deutschen Rettungseinsätze auf dem Meer werden von Bremen aus koordiniert. Hier sitzt die Seenotleitung Bremen, die rund um die Uhr mit Nautikern und Funkern besetzt ist.