Selbstherrlicher Gaddafi "Ich bin kein König"
Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi regiert Libyen seit vier Jahrzehnten. Vor allem sein Streit mit der Schweiz sorgte international zuletzt für Aufregung. Im Gespräch mit dem SPIEGEL erklärt Gaddafi, mit dem Land habe er früher "nie Schwierigkeiten" gehabt: "Aber dann begann die Schweiz, uns schlecht zu behandeln."
Gaddafi führt eine Privatfehde gegen Bern - und erklärt: "In der Schweiz wird Geldwäsche in großem Stil betrieben", zudem sei eine "große Zahl von Besitzern von Geheimkonten unter mysteriösen Umständen ums Leben" gekommen. Libysche Sicherheitskräfte wurden am 1. März 2010 vor der Botschaft der Eidgenossen in Tripolis postiert.
Seit fast zwei Jahren hält Libyen den Schweizer Max Göldi fest - erst vor wenigen Wochen wurde er in eine fensterlose, übelriechende Gefängniszelle verlegt. Seinen Fall "können nur die Gerichte entscheiden", sagt Gaddafi dem SPIEGEL. Der Revolutionsführer hatte den Schweizer und einen mittlerweile freigekommenen Landsmann festsetzen lassen, nachdem sein Sohn Hannibal in Genf wegen mutmaßlicher Tätlichkeiten gegen Bedienstete vorübergehend verhaftet worden war. Am 1. März 2010 traf Hannibal Göldi im Gefängnis in Tripolis.
Und überhaupt: Dass seine Kinder in diversen europäischen Städten mit der Polizei in Konflikt geraten sind, bezeichnet Muammar al-Gaddafi als "jugendlichen Übermut". Auf dem Bild sitzt Sohn Hannibal in seiner Wohnung in Kopenhagen.
In Europa ging man lange davon aus, dass der Zweitgeborene Saif al-Islam (M.) Gaddafis Nachfolger werden würde. Er hat vielfach bei Geiselnahmen vermittelt und wird im Ausland geschätzt. Hier ist er beim Wiener Opernball 2006. Aber Gaddafi wiegelt noch ab: "Ich bin kein König, ich brauche keinen Thronfolger."
Gaddafi inszeniert sich gern mit teuren Spektakeln - er kann es sich leisten: Pro Jahr verdient sein Land mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft "um die 50 Milliarden Dollar".
Einige Europäer mit ähnlichem Hang zur Selbstdarstellung stehen Gaddafi "sehr nah": Als seinen engsten Freund bezeichnet der Libyer Italiens Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Hier lächeln die beiden Männer im Juni 2009 in Rom.
Die deutsche Kanzlerin? Über Angela Merkel sagt Gaddafi, sie habe eine starke Persönlichkeit: "Eher ein Mann als eine Frau."
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist für Gaddafi "gutwillig, ein Revolutionär, aber nicht aggressiv". Das sehen die USA und Europa anders - auch weil der Iraner zuletzt bei den Uno-Abrüstungsberatungen polterte, Washington habe einen "Schatten der Angst" über die Welt gelegt.