Seltener Fotofund Propaganda-Schlachtschiff
Warten auf Hitler: Der Auftritt Hitlers in Hamburg war eine genau geplante Inszenierung. Die ganze Stadt war mit Fahnen geschmückt, dazu sperrten unzählige Angehörige der SA, SS und der Hamburger Schutzpolizei die Straßen ab, um Hitler und seiner Entourage eine sichere und triumphale Anfahrt zu bescheren. An den Landungsbrücken hatten sich derweil tausende Schaulustige versammelt, getrieben von der Neugier auf Hitler und das neue Schlachtschiff. Auch der "Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda" Joseph Goebbels war dabei. Er notierte in seinem Tagebuch: "Hamburg ist auf den Beinen. Gleich zur Werft gefahren. Riesenauftrieb. Ungezählte Menschen. Der Führer spricht über Bismarcks Werk. Eine kurze, aber klassisch schöne und klare Rede. Mit scharfer Kritik am kaiserlichen Deutschland. Dann Taufe. "Bismarck". Unter ohrenbetäubendem Jubel der Massen gleitet der 35 000 to ins Wasser. Ein majestätischer Anblick. Wir sind alle ganz benommen davon".
Ankunft Hitlers: Der Amateurfotograf stand in vorderster Reihe, als Hitler in seiner Limousine eintrifft. Eine Nahaufnahme gelang ihm nicht, dafür aber hielt er die imposante Kulisse fest. Sie zeigt eine Menschenmasse, die sich auf dem Trottoir und dem dahinter liegenden Wall drängt.
Maritimes Hamburg: Von einer Barkasse aus hielt der Amateurfotograf den Baumwall fest. Im Vordergrund ist die U-Bahn-Linie deutlich zu erkennen, im Hintergrund sieht man rechts das berühmte "Kompasshaus" - den Sitz der traditionsreichen Firma "C. Plath", die mit der Entwicklung nautischer Geräte Weltruhm erlangte. Links neben dem Michel ist das Gebäude des bekannten Schiffsausrüsters Schmeding zu sehen.
Flagschiff vor der Fertigstellung: Der Amateurfotograf hielt bei seiner Fahrt durch den Hamburger Hafen auch den neuen KdF-Dampfer "Robert Ley" fest. Das nach dem Führer der "Deutschen Arbeitsfront" benannte Schiff stand kurz vor der Indienststellung. Es war als Flagschiff der "Kraft-durch-Freude-Flotte" gedacht, sollte aber durch den baldigen Kriegsausbruch nur wenige Passagiere befördern. Die Robert Ley diente danach als Lazarettschiff und beteiligte sich in den letzten Kriegsmonaten bei der Evakuierung der ostpreußischen Bevölkerung. Bei einem Luftangriff auf Hamburg wurde das Schiff im März 1945 getroffen und brannte aus.
Grille an den Landungsbrücken: Die Staatsyacht Grille wurde 1935 bei Blohm und Voss in Hamburg gebaut. Adolf Hitler benutzte das elegante Schiff mehrfach bei Aufenthalten in Norddeutschland, wie 1939 beim Stapellauf der Bismarck. Während des Krieges wurde der Repräsentativbau zum Minenleger umfunktioniert und diente später in Narvik als Stabsschiff der U-Bootflotte im Nordmeer. Nach Kriegsende fiel die Grille England als Beute zu, und wenig später erwarb der libanesische Millionär George Adria das legendäre Schiff - er nutzte es für Kreuzfahrten im Mittelmeer. 1951 wurde die Grille in den USA abgewrackt.
Tor zum Seekrieg: Als die Bismarck 1939 vom Stapel lief, lag im Hamburger Hafen überall schwimmendes Kriegsgerät: Torpedoboote, U-Boote, Kreuzer und Schlachtschiffe. Es war eine Demonstration der "neuen Stärke zur See".
Hafen im Wandel: Während auf den Hamburger Werften Zerstörer, Schlachtschiffe und Dampfer zusammengenietet und -geschweißt wurden, zeigten sich 1939 noch immer Segelschulschiffe und Windjammer im Hafen.
Auf der Reeperbahn nachts um halb eins: Am Ende des ereignisreichen Tages verschlug es den Amateurfotografen auf die berühmteste Amüsiermeile Deutschlands. Dort hielt er mit seinem Agfacolor-Film die Lichterpracht der einschlägigen Etablissements fest. Rechts erstrahlt die Leuchtreklame des Liliput-Varietés, daneben das "Hotel Rheinland", in der Mitte das "Kaffeehaus Lausen", links der "Automat" und "Onkel Hugo". Legendäre Läden, in denen Seemänner und Nachtschwärmer auf der Suche nach Ablenkung waren.
Stapellauf der "Bismarck": Am 14. Februar 1939 bei Blohm & Voss in Hamburg der Stapellauf des Schlachtschiffes "Bismarck" begangen, bei dem Adolf Hitler die Taufrede hielt.