Sensationelle Tonaufnahmen So klang Bismarck!
Tonaufnahmen vom Reichskanzler: In seinem letzten Jahr im Amt als Reichskanzler, am 7. Oktober 1889, hielt Otto von Bismarck mit Hilfe eines Phonographen seine Stimme für die Nachwelt fest. Die Aufnahmen sind teilweise sehr leise. Ohne Lesevorlage ist das Gesprochene kaum zu verstehen. Bismarck beginnt seine "Rede" mit dem damals in den USA populären Volkslied "In Good Old Colony Times":...
Wortreich: Fürst Otto von Bismarck (oben mit Pickelhaube) mit seinem Generalstabschef Helmuth Karl Bernhard von Moltke, rechts, und links dem preußischen Generalfeldmarschall Albrecht von Roon, auf einer Fotomontage von circa 1880.
Von Bismarck und Moltke existieren dank der Edison-Erfindung sensationelle Tonaufnahmen. Fünf Tage vor seinem 90. Geburtstag spricht der greise General in den Phonographen - auch dieses Mal sind die Worte sehr leise und kaum verständlich. Gleich zu Beginn muss er sich obendrein wiederholen, da er den Phonographen mit dem Telephon verwechselte, damals ebenfalls eine neue technische Errungenschaft.
Edison-Stab: Thomas Edison (sitzend, Mitte) im Kreise seiner Mitarbeiter 1892 in West Orange, New Jersey, vor seinem Phonographen. Hinter Edison steht der wohl erste professionelle Tonaufnahmeexperte Theodor Edward Wangemann, der im Auftrag Edisons durch Europa reiste und Sprachaufnahmen anfertigte.
Erschöpfter Schöpfer: Die letzten fünf Nächte und Tage vor der öffentlichen Präsentation seiner "Sprechmaschine" hatte Thomas Edison durchgearbeitet - schließlich sollte der Phonograph einwandfrei funktionieren. Knapp einen Monat nach der gelungenen Vorführung reichte Edison am Heiligen Abend 1877 das Patent für seine Erfindung ein.
Abgenutzt: Eine Auswahl von Phonographen-Walzen unterschiedlichen Materials und unterschiedlicher Größen. Ein Dutzend der Tonträger, die vor einem halben Jahrhundert in Edisons Bibliothek entdeckt worden waren, konnten noch abgespielt werden. Die Auswertung brachte Sensationelles zu Tage: Auf den Rollen aus Wachs waren unter anderem die Stimmen Moltkes und Bismarcks eingeritzt.
Eingewiesen in die neuste Technik: Der zweite Teil der historischen Bismarck-Aufnahme ist wesentlich besser zu verstehen - vermutlich weil Wangemann den Reichskanzler in einer Pause bei seinem Besuch im 7. Oktober 1889 in Friedrichsruh belehrt hatte, direkt und bei gleichem Abstand in das Aufnahmegerät zu sprechen.
Farblithografie von 1880