Machtdemonstration Separatisten führen OSZE-Geiseln vor
Mitglieder der festgesetzten OSZE-Gruppe werden von maskierten Bewaffneten am Sonntagvormittag zu einer Pressekonferenz im Rathaus eskortiert. Korrektur: Der hier in Bildmitte zu sehende Mann im roten Pullover wurde anfänglich irrtümlich als Axel Schneider, Leiter der festgesetzten OSZE-Beobachtergruppe identifiziert. Es handelt sich aber um den Übersetzer der OSZE-Gruppe.
Alle acht Geiseln wurden der Presse präsentiert, Ponomarjow hatte sich unter sie gesetzt. Gruppenleiter Axel Schneider ist in Bildmitte in einem karierten Hemd zu sehen.
Den Geiseln geht es gesundheitlich offenbar gut. Axel Schneider bezeichnete seine Gruppe als "Gäste" des selbsternannten Bürgermeisters und prorussischen Milizenführers Wjatscheslaw Ponomarjow (rechts im Bild).
Der sieht seine Geiseln hingegen als "Kriegsgefangene" und "Spione". Die OSZE-Mitarbeiter, die im Verlauf der sogenannten Pressekonferenz Gelegenheit hatten, sich zu äußern, bestanden darauf, genau das nicht zu sein: Sie seien "Militärbeobachter" der OSZE.
Dass die Pressekonferenz den Charakter einer Vorführung hatte, unterstrich jedoch nicht zuletzt die Anwesenheit bewaffneter und maskierter Milizionäre.
Ein Militärbeobachter aus Schweden (links) wurde am Sonntagabend frei gelassen. "Der Schwede leidet unter einer leichten Form von Diabetes, deshalb haben wir entschieden, ihn zu entlassen", sagte Aktivistensprecherin Stella Choroschewa am Sonntag in Slawjansk.
Die Separatisten hatten rund 60 Journalisten zusammengebracht, russische Blogs und Medien berichteten live aus dem Rathaussaal.
Eigentlich war schon vor Mittag das Eintreffen von OSZE-Abgesandten erwartet worden, mit denen Ponomarjow Gespräche über die Modalitäten einer Freilassung beginnen wollte. Ponomarjow geht nach eigener Aussage davon aus, dass man sich "irgendwie einigen" werde.
Am frühen Nachmittag waren die OSZE-Verhandler angekommen.
Durch die Ukraine führt inzwischen eine Art virtuelle Grenze. Hier kontrollieren ukrainische Soldaten den Verkehr 25 Kilometer vor Slowjansk.
Die OSZE-Gruppe war bei einer Fahrzeugkontrolle der Separatisten am 25. April festgesetzt worden.