Blatters Fifa-Karriere Entwicklungshelfer, Generalsekretär, Big Boss
Joseph Blatter war selbst von 1948 bis 1971 Fußballspieler, schaffte es aber nicht über die höchste schweizerische Amateurliga hinaus. Zur Fifa kam er dann 1975 auf Initiative des späteren Adidas-Vorstandsvorsitzenden Horst Dassler. Blatter wurde Direktor für Entwicklungsprogramme bei der Fifa. Sein Büro war aber weiterhin bei Adidas, und der heute 79-Jährige wurde damals auch vom Sportartikelverkäufer bezahlt.
Seine Karriere beim Weltfußballverband ging dann steil nach oben. Dassler setzte sich erneut für Blatter ein, der ab 1981 Generalsekretär der Fifa wurde. 1987 posierte er mit Brasiliens Pelé (M.) und seinem Vorgänger als Fifa-Präsident João Havelange.
1998 wurde Joseph Blatter zunächst in das Exekutivkomitee der Fifa aufgenommen, nur kurze Zeit später setzte sich der Schweizer in der Abstimmung zum Präsidenten gegen Lennart Johansson durch und löste damit João Havelange als Fifa-Boss ab. Vorwürfe, dass die Wahl unsauber abgelaufen sei, hatte es schon damals gegeben.
2002 galt Blatter zunächst als Außenseiter gegen den afrikanischen Fußballboss Issa Hayatou. Wieder gewann am Ende der Schweizer und auch Hayatou hatte mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen. Heute sind sie enge Verbündete.
Am liebsten ließ sich Blatter mit Staatschefs ablichten. Nachdem 2004 klar war, dass Südafrika die Weltmeisterschaft 2010 austragen wird, erklärten der Fifa-Präsident und der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela das der Presse.
Blatter sah die Fifa auch immer als "friedensstiftend" an. Erst im Mai versuchte er zwischen dem israelischen und palästinensischen Verband zu versöhnen. Der Schweizer scheiterte - obwohl er doch demonstrativ eine Friedenstaube in den Himmel entsandte.
Auch Franz Beckenbauer ist ein Vertrauter von Joseph Blatter. Der heutige Ehrenpräsident der Münchner holte 2006 die WM nach Deutschland, darauf wurde mit Champagner angestoßen. Der ehemalige Teamchef Deutschlands nahm den Schweizer selbst nach dem jüngsten Korruptionsskandal in Schutz.
Blatter und Platini - das werden keine (echten) Freunde mehr. Dabei hatte der Schweizer die Wahl des Franzosen zum Uefa-Chef 2007 noch massiv unterstützt. Davon ist jetzt nichts mehr zu spüren. Platini wäre am liebsten an Blatters Stelle, forderte den 79-Jährigen nach den Festnahmen von sieben Fifa-Funktionären zum Rücktritt auf.
Bei der Weltmeisterschaft 2010 gratulierte Blatter Kanzlerin Angela Merkel zum Erfolg gegen Argentinien.
2011 hatte Blatter dann einen Gegenkandidaten aus Asien, der ihm wirklich gefährlich zu werden drohte. Aber Mohammed Bin Hammam aus Katar wurde von Blatter kurz vor der Wahl regelrecht zerlegt - er ist mittlerweile aus dem Fifa-Exekutivkomitee ausgeschlossen.
Konkurrenten um das höchste Amt des Fußballs: Der jordanische Prinz Hussein (l.) hatte 2014 seine Kandidatur um den Job des Fifa-Präsidenten bekannt gegeben. Diesen Stuhl wollte Amtsinhaber Blatter aber noch nicht räumen.
Die Kritik an der Fifa wuchs noch mal enorm nach der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Eigentlich finden die Turniere im Sommer statt, für den Wüstenstaat wurde aufgrund der dort herrschenden klimatischen Bedingungen aber eine Ausnahme gemacht. Dass gleichzeitig an Russland die WM 2018 vergeben wurde, ließ die Fifa nicht gerade in einem besseren Licht dastehen.
Hier lässt sich Blatter von den russischen Offiziellen mit Präsident Wladimir Putin die Spielorte der WM zeigen. Der Schweizer hatte die beiden Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 stets verteidigt und daran festgehalten, obwohl es von der Politik harsche Kritik an Putin gab.
Blatter machte das nichts aus. Im Gegenteil: Der russische Staatspräsident stärkte dem 79-Jährigen lange den Rücken, kritisierte das Vorgehen der US-Justiz. Am Ende vergebens, Blatter erklärte nur vier Tage nach seiner Wiederwahl seinen Rücktritt.
Blatter sagte, dass er nur das Beste für die Fifa wolle. Die Verwicklungen im Korruptionsskandal hätten aber kein Ende genommen: Der Weltverband brauche nun eine "grundlegende Veränderung".