Serbisches Presevo-Tal Die explosive Idee
Straßenszene in in Presevo, einem Städtchen im äußersten Südwestzipfel Serbiens, 30.000 Einwohner, die Grenzen zu Kosovo und Mazedonien liegen in Sichtweite. Es gibt unter der albanischen Mehrheit der Bevölkerung kaum jemanden, der sich nicht die Loslösung von Serbien und den Anschluss an das benachbarte Kosovo wünscht.
Rexhepi Llokman (l.), der Besitzer eines Supermarkts: "Hier leben 95 Prozent Albaner, aber in der Polizei und auf dem Postamt arbeiten fast nur Serben."
Shqiprim Arifi dagegen spricht nicht über Diskriminierung. Arifi, 42, ist Bürgermeister von Presevo, sie nennen ihn "unseren Deutschen". Er wurde in Mannheim geboren, studierte Logistik, war erfolgreicher Unternehmer. Er sagt: "Politik ist schwierig hier, man muss immer höllisch aufpassen, nicht mit einem einzigen Wort in ein riesiges Fettnäpfchen zu treten."
Ehrengrabmal für albanische Kämpfer aus dem Kosovokrieg.
Nexhat Agushi arbeitet seit drei Jahrzehnten als Englischlehrer am Technischen Gymnasium in Presevo. In heutigen Schulbüchern komme albanische Geschichte und Literatur kaum vor, klagt er. "Wie sollen wir uns in so einer Situation hier zuhause fühlen", fragt Agushi empört.
Fatmir Hasani ist seit 2016 Parlamentsabgeordneter der albanischen Minderheit der einzige Albaner in der serbischen Nationalversammlung. "Wir haben lange versucht, mit der Regierung zu kooperieren, es hat nichts gebracht", sagt Hasani. "Als Albaner haben wir in diesem Land keine Chance, wir sind kollektiv diskriminiert."
Zuletzt sprachen die Staatspräsidenten Serbiens und Kosovos, Aleksandar Vucic und Hashim Thaci, plötzlich über "Grenzkorrekturen". Die Idee eines Gebietsaustausches zwischen Serbien und Kosovo schwang indirekt mit. Seitdem sind die Albaner im Presevo-Tal elektrisiert wie schon lange nicht mehr.