Siegfried und Roy: Das Magier-Duo nach der Tiger-Attacke - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wie die Zeit vergeht mit... Siegfried und Roy

Als furchtlose Meister der Raubkatzen liebte sie Amerika - doch dann kam das Drama: 2003 attackierte ein weißer Königstiger den Magier Roy Horn auf der Bühne, die kometenhafte Karriere der Illusionisten war mit einem Biss zu Ende. einestages blickt zurück auf Aufstieg und Fall des Magier-Duos Siegfried und Roy.
1 / 11

Als furchtlose Meister der Raubkatzen liebte sie Amerika - doch dann kam das Drama: 2003 attackierte ein weißer Königstiger den Magier Roy Horn auf der Bühne, die kometenhafte Karriere der Illusionisten war mit einem Biss zu Ende. einestages blickt zurück auf Aufstieg und Fall des Magier-Duos Siegfried und Roy.

2 / 11

1964

Die mit der Raubkatze: Der eine war ein Schulabbrecher aus der norddeutschen Provinz, der andere ein Schiffssteward aus Rosenheim, der gerne Zaubertricks aufführte. Kurz nachdem sich Uwe Ludwig Horn - genannt Roy - und Siegfried Fischbacher (links) auf dem Kreuzfahrtschiff "Bremen" kennengelernt hatten, fanden sie schnell ein Markenzeichen für ihre gemeinsame Show: Chico.

Roy hatte den Geparden im Bremer Zoo entdeckt, ihn liebgewonnen und mit ihm Tricks einstudiert. Weil sein Onkel Mitgründer des Zoos war, gelang es Roy später, Chico mit an Bord des Luxuskreuzers zu schmuggeln, und - nach anfänglichem Widerstand des Kapitäns - ihn in die Zaubernummern aufzunehmen. Es war das erste Mal, dass eine Raubkatze auf offener Bühne Teil einer Illusionsshow war.

Foto: Siegfried & Roy Production
3 / 11

1966

Vom Schiff in die Welt: Mitte der Sechziger verließen Siegfried und Roy die Bühnen der Kreuzfahrtschiffe, um fortan mit Gepard Chico auf kleinen Varietébühnen durch Deutschland und die Schweiz zu tingeln. Die mickrigen Gagen reichten allerdings gerade so, um den Fleischeshunger der Raubkatze zu stillen.

Der internationale Durchbruch gelang Siegfried und seinem Partner, dem jüngeren Roy schließlich 1966, nachdem das Magier-Duo beim Rot-Kreuz-Ball in Monte Carlo auf Einladung von Prinzessin Caroline aufgetreten war. Danach erhielten die beiden Deutschen Auftrittsmöglichkeiten in den bekanntesten Häusern Europas - wie dem "Lido" in Paris. Und aus "Siegfried und Partner" wurde sehr bald "Siegfried und Roy".

Foto: Siegfried & Roy Production
4 / 11

1980

Zwei Deutsche in Sin City: In den Siebzigern kamen Siegfried und Roy in den USA an, wo sie bereits früh in Clubs der Zockermetropole Las Vegas auftraten. Dort entwickelte sich die Show mit den wilden Tieren (neben Raubkatzen wie Tigern und Löwen turnten mittlerweile auch Elefanten auf der Bühne herum) schnell zum Kassenschlager. Bis heute haben mehr als 30 Millionen Gäste das Duo aus Deutschland in Las Vegas gesehen.

5 / 11

1989

Die Wunderkinder des Mirage: Der Erfolg Siegfried und Roys nahm während ihrer ersten Jahre in den USA immer größere Ausmaße an. Bereits 1987 handelte Bernie Yuman, Manager des Duos, den bis dahin dicksten Deal in der Geschichte Las Vegas' aus: 57 Millionen US-Dollar für einen Fünf-Jahres-Vertrag schlug Yuman für Siegfried und Roy raus - da war das Mirage noch gar nicht gebaut.

Als das Megaresort schließlich 1989 seine Pforten öffnete, bekamen die beiden Magier für ihre Show ein eigenes Theater. Bis 2003 traten Siegfried und Roy darin sechs Tage die Woche, 40 Wochen im Jahr auf - und begeisterten Millionen Fans.

Foto: Getty Images
6 / 11

1996

PR mit der Pranke: Neben dem Showgeschäft setzten sich Siegfried und Roy seit jeher publikumswirksam für die Erhaltung ihrer tierischen Arbeitskollegen ein. So züchteten die beiden bereits seit den Achtzigern weiße Tiger, später kamen auch weiße Löwen dazu. Beide Arten gelten als vom Aussterben bedroht.

1996 startete das Magierduo eine Zucht-Patenschaft zum Erhalt der Königstiger mit dem Hollywood- und Safaripark Stukenbrock bei Gütersloh. Von dort stammen auch die beiden Tigerbabys auf dem Bild. Kurze Zeit später eröffneten die beiden auf dem Hotelgelände des Mirage ihren "Secret Garden", eine Art Fantasy-Gehege, das den Showtieren ein artgerechtes Zuhause bieten soll.

Foto: AP
7 / 11

2002

Ruhm und Ehre: Etwa um den Jahrtausendwechsel erreichte die Karriere von Siegfried und Roy ihren Höhepunkt. Die Amerikaner liebten das deutsche Magier-Duo für ihre Shows, 1999 wurde ihnen sogar ein Stern auf dem Walk of Fame des Hollywood Boulevard gewidmet. Hier sieht man die schon etwas in die Jahre gekommenen Illusionisten im Jahr 2002 bei der Enthüllung eines Straßenschilds zu ihren Ehren in Las Vegas - eines der letzten bekannten Fotos von Roy vor seinem tragischen Unfall.

Foto: Getty Images
8 / 11

2003

Der Unfall: Am 3. Oktober 2003, dem Tag seines 59. Geburtstags, wurde Roy Horn während einer Vorstellung im Mirage von seinem weißen Lieblingstiger Montecore attackiert und lebensgefährlich verletzt. Laut einem Ereignisprotokoll des Abends, das das "Las Vegas Review Journal" kurze Zeit nach dem Unfall veröffentlichte, soll Roy klinisch tot gewesen sein, als die Sanitäter eintrafen. Horn war nach dem Unfall lange Zeit halbseitig gelähmt, lernte aber in den Jahren nach dem Angriff wieder Gehen und Sprechen. Das Mirage setzte die Siegfried-und-Roy-Show auf unbestimmte Zeit ab.

Foto: REUTERS
9 / 11

2008

Nach der Attacke: In einem TV-Interview erklärte Siegfried kurz nach dem Unfall, dass Roy aufgrund eines Schlaganfalls auf der Bühne zusammengesackt sei. Der Tiger hätte den Magier aus reinem Schutzinstikt am Nacken gepackt und weggezogen. Ärzte hielten es hingegen schon damals für wahrscheinlicher, dass sich in der klaffenden Wunde ein Gerinnsel gebildet hatte, das den Schlaganfall nachträglich auslöste.

Roy kehrte nie von seiner Meinung ab, wonach der Tiger ihm zur Hilfe eilen wollte. Daher führte das Duo die Zucht der aussterbenden Raubkatzen selbst nach dem Schicksalsschlag weiter. Immer wieder ließ sich Roy nach der Attacke demonstrativ mit weißen Tigern ablichten, wie zum Beispiel auf diesem Foto von 2008.

Foto: REUTERS
10 / 11

2009

Aus der Zauber: Gut fünf Jahre nach dem schweren Tigerangriff trat das Duo am 28. Februar 2009 bei einer etwa zehnminütigen Abschiedsvorstellung noch ein letztes Mal auf. Zur Überraschung der Gäste kam bei der finalen Show im Hotel Bellagio auch Montecore auf die Bühne, jener weiße Tiger, der Roy 2003 fast getötet hätte. Während der Vorstellung sagten die beiden Magier kein Wort. Ihr Manager erklärte nach der Show: "Das ist das Lebewohl, der Punkt am Ende des Satzes."

Foto: AP
11 / 11

2013

Opa zapft is! Ja, sie sind in die Jahre gekommen: Siegfried, 74 (links), und Roy, 69 - hier auf einer Oktoberfest-Party im September in Las Vegas.

In den letzten Jahren wurde es relativ ruhig um die beiden Illusionisten. 2007 erklärten die beiden in ihrer Biografie, lange Zeit ein Liebespaar gewesen zu sein. Seit ein paar Jahren sei die Beziehung aber nur noch rein freundschaftlicher Natur. Wirklich überrascht hatte das Outing der beiden damals allerdings kaum jemanden.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?