Silvio Berlusconi Kavaliere mit Problemen
Partys, Patzer, Peinlichkeiten: Silvio Berlusconi leistet sich einen Skandal nach dem nächsten. Mal sind es geschmacklose Witze, mal Liebeleien mit jungen Frauen und dann wieder Finanzaffären - die Italiener haben ihrem Regierungschef schon so manche Unverfrorenheit verziehen.
Wiederholt ist Silvio Berlusconi wegen seiner angeblichen Vorliebe für Minderjährige in die Schlagzeilen geraten. Eine 17-Jährige erklärte der Staatsanwaltschaft Mailand das "Bunga-bunga" des Premiers. "Bunga-bunga" bezeichne eine angebliche Angewohnheit Berlusconis, nach dem Abendessen schöne Frauen und interessierte Gäste zu einer Art erotischem Dessert ins Separee einzuladen.
Der Ausdruck "Bunga-bunga" komme vom libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi, habe Berlusconi der jungen Frau erklärt: "Es sei ein Ritus in seinem afrikanischen Harem." Mit Gaddafi versteht sich Berlusconi bekanntlich blendend, wie beim Treffen der beiden im März 2009 in Tripoli zu sehen war.
Ach, Berlusconi und die Frauen, das ist eine endlose Geschichte. 2009 trieben der Scheidungskrieg im Hause Berlusconi und der Klatsch um eine weitere minderjährige Vertraute den Ministerpräsidenten in die Defensive.
Das ganze Land wusste detailliert Bescheid über die angeblich spontane Stippvisite des damals 72-jährigen Berlusconi bei der Party zum 18. Geburtstag von Noemi Letizia. In einer Lokalzeitung plapperte die Blondine aus: "Er ist für mich wie ein zweiter Papa. Er hat mich erzogen. Ich habe nie herumerzählt von dieser so starken Freundschaft zu Papi Silvio." Der habe es nie "an Aufmerksamkeit" fehlen lassen, schenkte ihr mal einen Diamanten, mal ein Goldkettchen.
Berlusconis Ehefrau Veronica Lario kündigte daraufhin die Scheidung an: "Ich kann nicht mit einem Mann zusammenbleiben, der mit Minderjährigen verkehrt." Lario wurde anschließend als Eine-Frau-Opposition gefeiert - sie hatte ihn in die Enge getrieben wie schon lange kein politischer Gegner mehr.
Bei einem Parteitreffen Mitte September in Rom ließ sich Berlusconi dennoch gerne mit einem hübschen Fan fotografieren. Die Aufregung um seine Affären mit Minderjährigen kann der Italiener nicht verstehen. Weil er eine hohe Arbeitsbelastung habe, schaue er hin und wieder schöne Frauen an, sagte Berlusconi Anfang November - und leistete sich den nächsten Patzer. Er finde das Frauen-Anschauen besser "als schwul zu sein".
Doch die fröhlichen Zeiten könnten langsam vorbei sein. Ausgerechnet Berlusconis bisheriger Kronprinz macht ihm inzwischen das Regieren zur Hölle.
Im Parlament ist der Regierungschef nun abhängig von seinem früheren Verbündeten und heutigen Rivalen Gianfranco Fini. Im Juli 2010 kam es zum Bruch zwischen beiden Männern, Berlusconi warf Fini aus dem Regierungsbündnis "Volk der Freiheit" - und Fini nahm seine Anhänger mit sich. Berlusconi hat damit die absolute Mehrheit verloren.