Singende Sportler Toni, lass es polstern!
Franz Beckenbauer: "Gute Freunde kann niemand trennen"
Klingt wie: Franz Beckenbauer. Oh Gott, es ist wirklich der Kaiser, der diese Ode an die Freundschaft mit sanftem Timbre zum Schlaflied verkümmern lässt.
Popstar-Potential: An das bayrisch gerollte "r" müsste ein Stimmencoach noch mal ran.
Musikgeschichtliche Relevanz: Zum Glück konnte Beckenbauer Musik und Sport klar trennen - denn hätte er seine Halbzeitansprachen bei der WM 1990 in einem solchen Tonfall vorgetragen, wäre Deutschland wohl kaum über die Vorrunde hinausgekommen.
Udo Jürgens und die Fußball-Nationalmannschaft: "Fußball ist unser Leben"
Klingt wie: Einer für alle, alle für einen.
Popstar-Potential: Spätestens als die Kicker dann auch noch Weltmeister im eigenen Land wurden, verkaufte sich auch die Platte. Mehr als eine Million LPs sollen über den Ladentisch gegangen sein.
Musikgeschichtliche Relevanz: Ein Klassiker, weil hier erstmals eine komplette deutsche Nationalmannschaft ins Studio gebracht wurde - bis zur WM 1994 gab es fortan alle vier Jahre ein Album der Nationalspieler.
Kevin Keegan: "Head over heels in love"
Klingt wie: Smokie mit schlechterem Sänger - kein Wunder übrigens, denn die damals speziell in Deutschland sehr populäre Gruppe um Chris Norman hatte den Song geschrieben.
Popstar-Potential: Mit dem aufgeknöpften schwarzen Hemd so einiges.
Musikgeschichtliche Relevanz: Zumindest kommerziell war die Single ein Erfolg - Platz zehn der deutschen Charts und Platz 31 in England.
Hans Krankl: "Ohne Ball'n und ohne Netz"
Klingt wie: eine "musikalische Todsünde", wie der österreichische Star-Stürmer später selbst zugab.
Popstar-Potential: Trotzdem vorhanden - später veröffentlichte Krankl Songs, in denen es nicht um Fußball ging. Die Single "Lonely Boy" schaffte es 1986 sogar bis auf Platz zwei der österreichischen Charts.
Musikgeschichtliche Relevanz: Vielleicht sind seine eigenen Songs bald vergessen, doch sein Zitat "wir müssen gewinnen, alles andere ist primär" machten die Sportfreunde Stiller in ihrem Song "Wir müssen gewinnen" unsterblich.
Martin Lauer: "Die letzte Rose der Prärie"
Klingt wie: viele andere deutschsprachige Country-Songs
Popstar-Potential: Lauer war jung und brauchte das Geld und war außerdem der richtige Typ für den Rock'n'Roll: Aus dem Leichathletik-Olympiateam wurde er einmal fast nach Hause geschickt, weil er eigenmächtig die Weinvorräte des Mannschaftsarztes verteilte.
Musikgeschichtliche Relevanz: Bis heute einer der wenigen deutschen Sportstars, die tatsächlich singen konnten.
Gerd Müller: "Dann macht es bumm"
Klingt wie: Bierzelt-Polka mit Schnarchgesang.
Popstar-Potential: Der "Bomber" traf Tore besser als Töne und war deshalb im Strafraum um einiges besser aufgehoben als im Studio.
Musikgeschichtliche Relevanz: Wärst du doch auf dem Fußballplatz geblieben.
Norbert Nigbur: "44 Beine"
Klingt wie: Ein Schalker Torwart, der wenig Neues zu berichten weiß ("44 Beine kämpfen um die kleine Lederkugel auf dem Fußballfeld") und die Töne nicht richtig trifft.
Popstar-Potential: Wenig - aber immerhin war er sich nicht zu schade, in einem anderen Song Sätze wie "Die Nacht war eine Pleite, / keine Kohle, keine Bräute" unterzubringen.
Musikgeschichtliche Relevanz: Eher Ersatzbank-Status.
Toni Polster und die Fabulösen Thekenschlampen: "Toni, lass es polstern"
Klingt wie: Anton aus Tirol in Fußballschuhen
Popstar-Potential: Vorhanden, denn Polster hatte sowohl ein lockeres Mundwerk ("Ich will kein Denkmal sein, darauf scheißen nur die Tauben") als auch die nötige Prise Rock'n'Roll-Rebellentum - weil er mit den "Thekenschlampen" beim Kölner Ringfest auftrat, hätte er dem FC fast eine Geldstrafe zahlen müssen.
Musikgeschichtliche Relevanz: Höchstens Zweite Liga.
Petar Radenkovic: "Bin i Radi bin i König"
Klingt wie: Größenwahn mit leichten Grammatik-Schnitzern.
Popstar-Potential: "Radi" war die geborene Rampensau - wenn er gerade keine Bälle für 1860 München halten musste, unterhielt er auch auf dem Platz das Publikum mit seinen legendären Show-Einlagen.
Musikgeschichtliche Relevanz: Durchaus meßbar - Platz fünf der deutschen Charts, 400.000 verkaufte Platten und bei jedem Lokalderby die Antwort aus dem FC-Bayern-Fanblock: "Bin i Radi bin i Depp, König ist der Maier Sepp!"
Max Schmeling: "Das Herz eines Boxers kennt nur eine Liebe"
Klingt wie ... außen hart, innen ganz weich.
Popstar-Potential: Als Boxer durchaus, als Sänger kaum.
Musikgeschichtliche Relevanz: Schmeling war einer der ersten deutschen Sportler, die einen Song aufnahmen. Und einer derjenigen, die schnell merkten, dass sie im Sport besser aufgehoben waren.
Moment des Triumphs: Der damalige Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Franz Beckenbauer mit dem Pokal der Weltmeisterschaft am 7. Juli 1974 in München. der Fußballer gewann mit seiner Mannschaft in dem Jahr nicht nur die WM, sie brachten auch einen Klassiker der Sportlermusik auf den Markt - "Fußball ist unser Leben". Wenn sie das nur berücksichtigt hätten.
Der starke Gustav : Bubi Scholz als aufstrebender junger Boxer. Doch die Boxlegende wollte mehr, im Laufe seiner Karriere nahm er so unvergessene Titel wie "Susi, du bist prima", "Sie hat nur Bluejeans" und "Der starke Joe aus Mexiko" auf.
Unverzeihlich: Der Fußballspieler Gert "Charly" Dörfel nahm 1965 den Schlager "Das kann ich Dir nicht verzeih'n" auf. Seiner Fußballkarriere hat es allerdings nicht geholfen.
Alternde Legende: Der ehemalige Fußballspieler Gert "Charly" Dörfel beim "Tag der Legenden" 2005 im Hamburger Millerntorstadion.
Unhaltbar: Der ehemalige Torwart des HSV, Rudi Kargus landete 1977 mit seinem Lied "Auch Elfmeter kann man halten" keinen Treffer - aber die zu verhindern ist schließlich auch die Aufgabe eines Torwarts.
Traum in Pastell: Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, das Traumpaar des deutschen Eiskunstlaufs zeigte sich auch ohne Schlittschuhe als eingespieltes Duo - mit unvergessenen Hits wie "Nur der Mond ist Schuld daran" von 1964. Das hätte allerdings weder für eine gute A- noch B-Note gereicht.
Doppelhit: Die Kremerszwillinge waren in den Siebzigern vor allem aus Ausnahmefußballer des FC Schalke 04 bekannt. 1974 kamen sie dann auf die Idee Schlager aufzunehmen und besangen "Das Mädchen meiner Träume".
Singender Hürdenläufer: Der Leichtathlet Martin Lauer sang 1965 von einem "Taxi nach Texas" - dabei war er einer der wenigen Sportler, der wirklich singen konnte. Wegen einer Verletzung musste er seinen Sport aufgeben und seine Musikkarriere bewahrte ihn tatsächlich vor Geldproblemen.
Keine Hürde zu hoch: Martin Lauer (r.) während des Länderkampfes Deutschland-Finnland am 22.09.1956 im Hamburger Volksparkstadion. 1961 beendete eine schwere Beinverletzung seine Sportlerkarriere. Von da an verdiente er sein Geld mit Musik.
Verführung auf dem Feld: Selbst Sepp Maier, ein erfolgreicher Torwart versuchte sich 1968 im Singen. Heraus kam "Die bayerische Loreley". Zum Glück lenkte sie ihn nicht tatsächlich von seinem Tor ab.
Siegestaumel: Nach dem Schlusspfiff des Fußball-WM-Finales am 7. Juli 1974 in München reckte Gerd Müller jubelnd die Rechte empor. Bundestrainer Helmut Schön (l.) freute sich ebenso wie Tausende Fans im Stadion und vor den Fernsehern mit ihm.
Nur ein Spiel: Mit "ein bisschen Frieden" war es 1994 wohl vorbei, als die einstige Grand-Prix-Königin mit der deutschen Fußballnationalmannschaft "It's just a Game" aufnahm.
Von Belgien nach Bayern: Als der Fußballer Jean-Marie Pfaff 1984 zum FC Bayern-München wechselte, begleitete er das auch musikalisch - "... Jetzt bin ich ein Bayer".
Toni der Torjäger: Der Kölner Fußballer Toni Polster jubelt nach einem seiner drei Tore gegen Bayer 04 Leverkusen am 24. Mai 1997 im Müngersdorfer Stadion.
Heißer Schuß daneben: Als Lars Ricken noch ein Jungstar beim Bundesligisten Borussia Dortmund war, sollte seine Beliebtheit noch weiter genutzt werden und er nahm 1998 ein Album auf. "Hot Shots" wurde allerdings nie wirklich ein Hit.
Freude auf dem Feld: Der Dortmunder Spieler Lars Ricken in seinem Element - als Torjäger auf dem Fußballplatz. Hier im Oktober 2001 für Borussia Dortmund gegen FC Energie Cottbus zusammen mit Mannschaftskollege Evanilson.
Olé Schanze: Auch Michael Schanze nahm mal ein Lied mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf. Zur Weltmeisterschaft 1982 in Spanien trällerten sie alle gemeinsam "Olé España" und vom "Samba do Futbol".
Vom Schläger zum Mikrofon: Nicht nur deutsche Sportler machen Musik. Der ehemalige französische Tennisspieler Yannick Noah startete eine recht erfolgreiche Zweitkarriere als Sänger. 1991 nahm er "Black&What!" auf.