Bibel-Skandalfilme Splatter-Jesus und die nackte Maria
Falscher Messias: Nicht nur in der Filmhandlung wurde der Titelheld aus Monty Pythons "Das Leben des Brian" (1979) regelmäßig mit Jesus verwechselt. Auch für die vielen christlichen und jüdischen Kritiker der Religionssatire der britischen Komikergruppe stand zweifelsfrei fest, dass mit dem am Kruzifix trällernden Brian nur Christus gemeint sein konnte. In mehreren Ländern kam es zu Protestkundgebungen, Boykottaufrufen und Aufführungsverboten.
Verboten witzig: In etlichen Gemeinden in den USA und Großbritannien durfte "Das Leben des Brian" nach seiner Weltpremiere in New York am 17. August 1979 zunächst nicht gezeigt werden. Auch in einigen Ländern wie Irland oder Norwegen fiel der Streifen der Zensur zum Opfer. In Schweden wurde der Film daraufhin mit dem Slogan beworben: "So witzig, dass er in Norwegen verboten wurde."
Heilige Maria von der Tankstelle: Der Erzengel Gabriel kommt schlechtgelaunt am Flughafen an. Die Muttergottes jobbt in der Tanke ihres Vaters an der Kasse. Und ihr Freund Joseph verzehrt sich vor Lust und Eifersucht. In "Maria und Joseph" (1985) verlagert Jean-Luc Godard die biblische Erzählung von der jungfräulichen Empfängnis in die französische Gegenwart der Achtzigerjahre. Godard zeigte Maria nackt und mit ihrem Schicksal hadernd und entfachte damit große öffentliche Entrüstung.
Päpstliche Abbitte: Nachdem Jean-Luc Godards "Maria und Joseph" von christlichen Filmorganisationen anfangs noch recht wohlwollend aufgenommen worden war, änderte sich der Tenor, als anlässlich des Filmstarts in Rom die negative Reaktion von Johannes Paul II. bekannt wurde. Der Papst verurteilte den Film als "tiefe Verletzung der religiösen Gefühle der Gläubigen" und betete gemeinsam mit Tausenden von Gläubigen einen Rosenkranz, um für die der Heiligen Jungfrau durch den Film zugefügte Kränkung Abbitte zu leisten.
Kein Glück auf Erden: In "Die letzte Versuchung Christi" interpretierten 1988 Martin Scorsese und Drehbuchautor Paul Schrader den Messias als einen von Zweifeln und irdischen Sehnsüchten heimgesuchten Menschen. Am Kreuz erscheint ihm der Satan in Gestalt eines engelhaften Kindes und verspricht ihm ein glückliches Familienleben. Dass dazu auch Sex mit Maria Magdalena gehörte, war für die Gegner des Films endgültig eine Heimsuchung zuviel.
Blutiger Leidensweg: Anders als die meisten Jesusfilme konzentriert sich Mel Gibsons "Die Passion Christi" von 2004 auf die letzten Stunden vor dem Kreuztod Jesu. Da er den Leidensweg Jesu dabei in expliziten Gewaltbildern einfängt, wurde Gibson vorgeworfen, die frohe Botschaft in eine Botschaft der Gewalt zu verwandeln. Papst Johannes Paul II. soll nach einer Sichtung des Films im Vatikan dagegen gesagt haben, "Es ist, wie es war", was sein Sekretär, Erzbischof Stanislaw Dziwisz, später allerdings dementierte.
Pro und Kontra: Anlässlich des bundesweiten Kinostarts verteidigte Feuilletonchef Ulrich Greiner "Die letzte Versuchung Christi" im November 1988 in der "Zeit" als mutige und radikale Interpretation des Neuen Testaments. Walter Jens aber hielt in derselben Ausgabe dagegen: "Wer seine Neugier nicht bezähmen kann, schaue die Schnulze an. Das Geld wird ihn reuen; denn verglichen mit dieser 'Letzten Versuchung' sind selbst Pornos jedenfalls ehrlich."
Antisemitischer Hetzstreifen? Vor allem in den USA wurde Mel Gibsons "Die Passion Christi" nicht nur eine exzessive Gewaltdarstellung vorgeworfen, sondern auch eine antisemitische Haltung. Dass Gibson den jüdischen Hohepriester den historisch verhängnisvollen Satz "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder" (Mt. 27,25) aussprechen ließ, sorgte für besondere Empörung. Filmkritikerin Jami Bernard nannte "Die Passion Christi" den "bösartigsten antisemitischen Film seit den deutschen Propagandafilmen im 2. Weltkrieg".
Rettung an der Kinokasse: Darren Aronofskys sehr freie Fantasy-Interpretation der alttestamentarischen Arche-Erzählung über "Noah" entwickelte sich 2014 trotz großer Kritik zum Kassenschlager. Einigen Kreationisten war der Filmstoff, den Aronofsky bereits in einem Comic verarbeitet hatte, zu unbiblisch. Aronofsky selbst hatte seinen Film als den "unbiblischsten Bibelfilm, der je gedreht wurde", angekündigt. Zudem wurde "Noah" in mehreren islamischen Ländern verboten, da er gegen islamisches Recht verstoße und die Gefühle der Gläubigen verletzen könne. Nach der Koranauslegung führender islamischer Gelehrter ist die Abbildung von Propheten wie Noah generell unzulässig.
Amphibiengolgota: In Herbert Achternbuschs "Das Gespenst" (1982) steigt Jesus vom Kruzifix eines bayerischen Klosters und kellnert anschließend in der Klosterkneipe. Bei einem Ausflug mit der Oberin will er durchs Wasser waten, kann aber nur auf dem Wasser gehen. Beim gemeinsamen Picknick steckt die Oberin drei Frösche unter ihre Kutte. Später sieht man die Tiere in offensichtlicher Anspielung auf die biblische Kreuzigungsszene an drei Holzkreuze gebunden.
Schnapsidee: Nachdem Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) "Das Gespenst" (1982) gesichtet hatte, brauchte er erst mal einen kräftigen Schluck. Danach beschloss er, Herbert Achternbusch, dem Regisseur dieses "widerwärtigen, blasphemischen und säuischen" Streifens, die noch ausstehende Rate der Filmförderung zu verweigern. Damit löste er eine heftige Kontroverse aus. Während konservative Christen gegen den Film demonstrierten, machten liberale Kräfte gegen Zimmermanns "Lex Achternbusch" mobil.
Vorwürfe auf Verdacht: Bob Jones III., Direktor einer protestantischen Privatuniversität in South Carolina, USA, bezichtigte die fünfstündige britische Fernsehproduktion "Jesus von Nazareth" (1977) der Blasphemie, ohne Franco Zeffirellis Verfilmung des Lebens Jesu überhaupt gesehen zu haben. Zeffirelli hatte in einem Interview erklärt, er habe Jesus als gewöhnlichen, einfachen Menschen darstellen wollen. Für Bob Jones III. und zahlreiche protestantische Fundamentalisten in den USA ein Beleg dafür, dass der Film das göttliche Wesen Christi leugne. Nachdem Tausende Protestschreiben bei General Motors eingegangen waren, zog sich der US-Konzern aus der Finanzierung des Films zurück.
Blasphemische Bezüge: Nicht nur Verfilmungen, sondern auch kurze, provokante Verweise auf die Bibel sorgten im Laufe der Filmgeschichte für Skandale. So etwa Luis Buñuels "Das Goldene Zeitalter" (1930), der mit einer Orgie endet, bei der mehrere junge Frauen ermordet werden. Als Anführer der dekadenten Adelsgesellschaft entpuppt sich Jesus Christus. Das Schlussbild des Films zeigt ein Kruzifix mit den Skalps der ermordeten Frauen. Über 50 Jahre lang war "L'Âge D'Or", so der Originaltitel, in Frankreich verboten.