Werbung mit Schockeffekt Blut und nackte Haut
Nonnen im Rausch: "Sexy-Mini-Super-Flower-Pop-Op-Cola" - mit seiner schrillen Kampagne erhob der Düsseldorfer Werber Charles Wilp Afri-Cola 1968 zum Kultgetränk und löste einen handfesten Skandal aus. Die Kirche protestierte wütend, weil Wilp in Anzeigen und TV-Spots die Nonnen hinter vereisten Glasscheiben Rauschzustände mimen ließ. Später rankten sich sogar um die Idee zur Kampagne etliche Legenden. Eine populäre Version lautet, dass Wilp den deutschen Raketenspezialisten Wernher von Braun bei der Nasa besucht habe und dort ein Pin-up-Girl gesehen habe, das ihn durch eine vereiste Glastür anlächelte. Unter den Hauben der Nonnen verbargen sich übrigens selbst Stars: die damalige Freundin von Mick Jagger, Marianne Faithfull, die britische Schauspielerin und Sängerin Petula Clark sowie das Model Alice Vatters.
Wenig Jeans, viel Haut: In den siebziger Jahren waren viel Haut oder gar entblößte Brüste als Werbemotive echte Tabubrüche - heute sind Nacktheit und Sex aus der Werbung nicht mehr wegzudenken. Die Anzeige des Jeans-Herstellers Levis stammt aus dem Jahr 1975.
Schocken für einen guten Zweck: Selbst wohltätige Einrichtungen setzen auf Schockeffekte, um für ihre Sache zu werben. So wollte die Hannelore-Kohl-Stiftung im Jahr 2004 mit diesem Motiv drastisch auf die Gefahren des Radfahrens ohne Helm aufmerksam machen.
Blutige Kampagne: Besonders die Werbung aus dem Jahr 1995 mit der blutgetränkten Kleidung eines im Bosnien-Krieg getöteten Soldaten sorgte für viel Empörung
Der beste Schinken: Eine Schinkenpressmaschine der Schweizer Firma Dorit neben einem halbnackten Frauenpo, dazu der Slogan: "Jeder Schinken braucht die korrekte Behandlung". Ironie, Provokation - oder Sexismus pur?
Mode-Massaker: Der Kontrollrat der britischen Werbeindustrie verbot 2006 diese Anzeigenkampagne des Modelabels Dolce & Gabbana. Das Modehaus wollte diese und andere Motive als ironische Interpretation von Gemälden des frühen 19. Jahrhunderts verstanden wissen - in Großbritannien empfand man die Bilder aber als gewaltverherrlichend. 2007 sorgte Dolce & Gabbana in Italien für einen weiteren Skandal, als viele Italiener ein zweideutiges Werbemotiv als Aufforderung zur Gruppenvergewaltigung verstanden.
"Rauchen ist tödlich": Ab 2010 sollen solche Schockmotive auf Zigarettenschachteln auch die deutschen Raucher auf drastische Weise vor den gesundheitlichen Schäden durch das Rauchen warnen. In manchen Ländern wie Belgien, Thailand oder Venezuela gibt es die umstrittene Antiwerbung bereits. Das Foto zeigt einen Gestaltungsentwurf der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2004.
Werbung mit dem Tod: Mit solchen Kampagnen machte Benetton in den neunziger Jahren Werbung. Es ging nicht mehr um das Produkt, das oft gar nicht mehr abgebildet wurde, sondern nur noch um Schockeffekte und Tabubrüche. Das Plakat zeigt einen Schwerkranken HIV-Infizierten kurz vor dem Tod.
Streit um Benetton: Dieses Motiv ging der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs zu weit, sie erwirkte 1995 ein Abdruckverbot. Später hob ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts dieses Verbot auf - die Meinungsfreiheit müsse auch in der Werbung gelten.
Ein neuer Kunde: Aufmerksamkeit um jeden Preis - eine der frühen Motive aus Benettons Schockerkampagne aus dem Jahr 1991. Langfristig zahlte sich diese Werbung trotz des Medienrummels nicht aus, in Deutschland mussten bald etliche Benetton-Filialen schließen.
Werber Wilp: Er liebte Provokation, schrille Auftritte und glaubte, seiner Zeit "immer um 30 Jahre" voraus zu sein. Der deutsche Künstler und Werbefachmann Charles Wilp lernte sein Handwerk bei der US-Fotografenlegende Man Ray. Auch nach dem Erfolg mit der Afri-Cola-Werbung entwarf Wilp weiter ungewöhnliche Kampagnen und fiel auch abseits der Werbung auf - der Weltraum-Fan ließ sich auf sein Haus ein Ufo bauen und sprengte seinen weißen Sportwagen in die Luft, um gegen die Umweltverschmutzung zu protestieren.
Das letzte Modemahl: Provokation mit Religion - mehrere namhafte Firmen, darunter der Autohersteller VW und der Designer Otto Kern haben das klassische Abendmahl-Motiv für ihre Werbekampagnen verfremdet und damit Empörung geerntet. Diese Anzeige aus dem Jahr 2007 des französischen Modehauses Girbaud zeigt weibliche Jünger - und Jesus als Frau.
Massenmörder HIV: Auch soziale Institutionen kämpfen mit harten Bandagen um die begrenzte Aufmerksamkeit des Publikums. Derzeit hat die Kampagne des Vereins "Regenbogen" einen Skandal losgetreten. Der hitzig diskutierte Werbespot für eine bessere HIV-Prävention zeigt ein Liebesspiel, bei dem sich der männliche Part schließlich als Adolf Hitler entpuppt. Dazu der Slogan: "Aids ist ein Massenmörder".
"Mehr drin, als man glaubt": Mit diesem Slogan warb die Elektronik-Ladenkette Media Markt im Jahr 2001 für ihre Produkte. Die Plakate lösten heftige Proteste aus, der Deutsche Werberat geißelte das Motiv als diskriminierend. Schließlich stoppte Media Markt bundesweit seine Plakataktion.
Werbegesicht Jesus: Die katholische Kirche erregte sich über diese MTV-Anzeige, die 2006 für die Serie "Popetown" warb. Der Slogan "Lachen statt rumhängen" des vom Kreuz gestiegenen Jesu ging vielen Christen zu weit.
Schönheit oder Sodomie: In den letzten Jahren hat das italienische Modelabel Sisley, Tochter des Benetton-Konzerns, immer wieder umstrittene und ambivalente Kampagnen geschaltet. Kritiker sehen in dem Motiv mit dem blutigen Maul des Lamms und dem blutigen Slip der Frau eine Andeutung für Sodomie. Andere Sisley-Motive spielen ebenfalls mit dieser sensiblen Thematik.
Haare zu Berge: Wenn Werbung Prominente aufs Korn nimmt, begibt sie sich auf juristisch dünnes Eis. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm diese Anzeige aus dem Jahr 2001 gelassen. "Ich finde, Frau Sixt könnte mich als Wiedergutmachung einmal zu einer Cabriofahrt einladen", sagte sie der Illustrierten "Stern".
Schamhaftes Logo: Viel Aufmerksamkeit, aber auch reichlich Kritik erntete das Fashionlabel Gucci mit diesem Anzeigenmotiv, bei dem einem Model das Firmenlogo ins Schamhaar rasiert wurde
Sexistische Einladung: Als "demütigend, herabwürdigend und menschenunwürdig" rügte der Deutsche Werberat diese Werbung der Hotelkette Hostel A&O. Die Darstellung verstoße gegen die Grundsätze des Werberats, nach der Menschen in der Werbung nicht auf ihre rein sexuelle Funktion reduziert und keine ständige geschlechtliche Verfügbarkeit suggeriert werden dürfe. Weil die Firma trotz der Kritik aus der Bevölkerung und der Beanstandung durch den Werberat die Motive nicht stoppte, sprach der Werberat als letztes Mittel die öffentliche Rüge aus.
Haut zeigen für Calvin Klein: Ein Aufschrei der Empörung ging 1980 durch das puritanische Amerika. Die damals erst 15-jährige Schauspielerin Brooke Shields posierte mit halb aufgeknöpfter Bluse und dem frechen Slogan "Nothing comes between me and my Calvins" für die Werbung der Designer-Jeans. In der heutigen Werbewelt würde das Motiv vermutlich kaum auffallen.
Afri-Cola: Fotografiert durch leicht vereiste Glasscheiben - die gewollte Unschärfe war ein innovatives Stilmittel in Charles Wilps Werbekampagne für Afri-Cola. Mit der ungewöhnlichen Optik von Wilps Werbeplakaten und TV-Spots konnte Afri-Cola die Verkaufszahlen um sagenhafte 30 Prozent steigern.
"Reizung der Lüsternheit": Dieses Motiv des Strumpffabrikanten Palmers wurde von den österreichischen Behörden 1953 verboten, da die Darstellung eines "kaum bekleideten Frauenkörpers" geeignet sei, die "sittliche Entwicklung jugendlicher Personen, insbesondere durch Reizung der Lüsternheit, schädlich zu beeinflussen".
Bedeckt gehalten: Nach dem Verbot seiner Strumpfwerbung reagierte der Hersteller Palmers pfiffig. Das Motiv wurde retouchiert und der abgebildeten Dame mit den langen Beinen ein Rock verpasst - allerdings ein denkbar kurzer.