Skaten in der DDR Bretter, die die Welt bedeuten
Board aus Sperrholz: Marco Sladek (hier 1989 in Ost-Berlin) zählte zu den besten Skatern der DDR. Mit 14 Jahren baute sich Sladek aus Sperrholz und einem alten Rollschuh sein erstes Board. Am liebsten skatete er auf dem...
...Alexanderplatz, weil hier der Bodenbelag aus glatten Platten bestand. Weitere beliebte Skater-Treffpunkte waren etwa die Plätze vor dem Pergamon-Museum oder dem Palast der Republik in Ost-Berlin. Andernorts, etwa...
...in dieser Ost-Berliner Straße, klafften häufig tiefe Schlaglöcher im Asphalt, was für Skater wie Marco Sladek (Foto) ziemlich gefährlich werden konnte.
Skaten im Jahn-Sportpark: Der Skater Andy "Spok" Laue im Juni 1989 im Ost-Berliner Jahn-Sportpark. Das Gelände des Stadions im Prenzlauer Berg gehörte neben dem Alexanderplatz zu den beliebtesten Skater-Treffpunkten in Ost-Berlin.
Laubsäge-Arbeit: Szene aus dem Film "This Ain't California", der 2012 in die Kinos kommen soll. Mit der Laubsäge brachten die Skater Kuchenbretter, alte Schränke oder Sperrholz in Form. Dass das Resultat...
...mitunter etwas eigenwillig anmutete, störte niemanden. Dafür waren die selbst gebauten Boards dieser beiden 1978 auf dem Ost-Berliner Letteplatz abgelichteten Skater deutlich stabiler als das einzige, jemals im Osten produzierte Produkt "Germina Speeder" - skurrilerweise ein Erzeugnis des VEB Schokoladen-Verarbeitungsmaschinen aus Wenigerode des Kombinats Nahrungs- und Genussmittel Maschinenbau. Das als...
...Schoko-Board verlachte Skateboard, das Ende 1986 auf den Markt kam und 135 Ostmark kostete, erwies sich als völlige Fehlkonstruktion. So besaß es zwar einen Rollschuh-Stopper, dafür aber keinen Antirutsch-Belag (Griptape), hatte zu schmale Achsen und Rollen und war aus brüchigem Sperrholz hergestellt.
"Vom Mars:" Wenn Marko Sladek, wie hier im Juni 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin, loslegte, reagierten die Menschen oft befremdet: "Manche schauten mich an, als käme ich vom Mars", so Sladek. Der ursprünglich aus den USA stammende Sport war Ende der siebziger Jahre aus West-Berlin über den Eisernen Vorhang geschwappt, bis zum Mauerfall bestand die ostdeutsche Skater-Community aus 200-300 Personen.
Ost-West-Connection: Marco Sladek 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin. Seit Mitte der achtziger Jahre näherten sich Ost- und West-Berliner Skater zunehmend an. Die Szene aus beiden Teilen Deutschlands traf sich zum Beispiel in Prag, aber auch in Ost-Berlin. Häufig brachten die Westdeutschen der ostdeutschen Community Skater-Equipment mit wie etwa Bretter, T-Shirts, Achsen und Rollen, aber auch Magazine und Videos.
Weggejagt: Marco Sladek im Juni 1989 vor dem Roten Rathaus in Ost-Berlin. Hier hatten die Ost-Berliner Skater eher ihre Ruhe als am Alex vor der Weltzeituhr. Hier sei meist ganz schnell die Polizei gekommen, habe die Skater verjagt und die entstandene Menschenmenge auseinandergetrieben, erinnert sich Sladek im einestages-Interview.
Rollsport statt Freestyle: 1988 befasste sich die DDR-Illustrierte "Freie Welt" mit dem exotischen Phänomen des Skatens. Auf dem Cover bildete sie den Ost-Berliner Marco Sladek ab. Der Sozialismus tat sich schwer mit dem US-Sport: Um die Jugendlichen von der Straße weg zu bekommen, versuchte man die Skater in die Strukturen des "Deutschen Rollsport-Verbands" zu pressen. So war Sladek offiziell Mitglied der "BSG Empor HO Berlin"...
...doch ließ er sich nicht vom System gängeln und vollführte seine Tricks auch weiterhin auf dem Alexanderplatz...
...oder im Jahn-Sportpark in Ost-Berlin (Foto von 1989).
This ain't California: Im August 2011 haben die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm "This ain't California" begonnen. Erzählt wird die Geschichte der drei Jugendlichen Denis, Dirk und Nico, die dem Sozialismus mit ihrem Skateboard das Recht auf Individualität und Selbstbestimmung abtrotzen.
Zaun-Rampen: Andy "Spok" Laue 1988 im Ost-Berliner Jahn-Sportpark. Zu DDR-Zeiten zimmerten sich die Skater nicht nur ihre Bretter, sondern häufig auch die Rampen selbst, etwa aus alten Zäunen. Technisch unterlegen waren sie ihren Kollegen aus dem Westen...
...deshalb aber nicht, wie Andy Laue hier eindrucksvoll beweist (1988 im Ost-Berliner Jahn-Sportpark).
Luftsprung: Andy Laue, genannt "Spok", 1989 bei einem "Frontside air" auf der Rampe im Ost-Berliner Jahn-Sportpark.
Vier Monatslöhne für ein Profi-Board: Marco Sladek (hier im Februar 1991 vor den Spittelkolonaden in Berlin) blätterte Mitte der achtziger Jahre 300 Ostmark für sein erstes Profi-Board hin - das entsprach in etwa dem Vierfachen seines Monatslohns als Malerlehrling.
Skaten am Ehrenmal: Die Ost-Berliner Skater trafen sich unter anderem am Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park. Die glatte Fläche vor den Statuen ist bis heute ein beliebter Skate-Spot.
"Ein Stück Freiheit": Torsten "Goofy" Schubert 1987 an der Moritzbastei, einem beliebten Skater-Treffpunkt in Leipzig. "Es war ein Stück Freiheit, das wir uns erobert hatten", sagt er. Der Leipziger steht...
...auch heute, mit 41 Jahren, noch immer auf dem Brett. Hier skatet Torsten "Goofy" Schubert im Bowl am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg.