Alpine Ski-WM Deutsche Medaillenchancen in Åre
Lena Dürr: Die 27-Jährige fährt bereits seit zehn Jahren im Weltcup mit, gewann in all den Jahren mit dem City-Event in Moskau ein Weltcuprennen und holte 2013 bei der WM in Schladming Bronze mit dem Team. Dürr ist mittlerweile eine reine Slalom-Spezialistin und muss wie viele Fahrerinnen die Dominanz von Mikaela Shiffrin bestaunen. Da aber auch die erweiterte Weltspitze zu gut für Dürr ist, ist eine Medaille in Åre unwahrscheinlich.
Josef Ferstl: Wer in Kitzbühel den Super G gewinnt und in der Abfahrt auf den siebten Platz fährt, gehört bei einer WM zu den Mitfavoriten in den beiden Speed-Rennen. Das gilt auch für Ferstl, der gerade eine ähnliche Aufmerksamkeit genießt wie Thomas Dreßen vor einem Jahr nach dessen Erfolg auf der Streif. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Ferstl in der Super-G-Weltcupwertung nur auf dem zehnten Platz liegt. Der Weg in die Weltspitze führt über Konstanz, die hat der 30-Jährige in seiner Karriere bisher nicht gezeigt.
Christina Geiger: Wie Dürr fährt auch Geiger überwiegend im Slalom und lieferte in dieser Saison mit den Plätzen fünf, sechs und sieben in Zagreb, Flachau und Oslo starke Ergebnisse. Der Weg auf das Podium ist dann doch nicht mehr weit, könnte man meinen. Im Slalom müssten dann aber - unabhängig von Shiffrins Dominanz - gleich vier oder fünf Fahrerinnen ausfallen, die Geiger an normalen Tagen einfach nicht schlagen kann.
Stefan Luitz: Deutsche Weltcupsiege sind in Abwesenheit des verletzten Thomas Dreßen und wegen der gesundheitlichen Probleme von Felix Neureuther selten geworden. Umso größer war der Jubel nach dem Erfolg von Luitz in Beaver Creek, als er nach langer Verletzungspause direkt den Riesenslalom gewann. Doch weil er zwischen den beiden Läufen Sauerstoff zu sich genommen und damit gegen Regeln des Ski-Weltverbands verstoßen hatte, wurde Luitz der Sieg aberkannt. Der 26-Jährige kämpft vor dem Cas gegen diese Entscheidung und parallel mit einer Schulterverletzung. Luitz kann nicht optimal vorbereitet sein - das werden die Ergebnisse in Åre dann auch zeigen.
Felix Neureuther: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Neureuther in Åre zu seiner letzten Weltmeisterschaft antreten wird. Sogar das mögliche Karriereende in wenigen Wochen wollte der 34-Jährige zuletzt nicht ausschließen. Neureuther kämpft mit seinem angeschlagenen Körper (Kreuzbandriss, Allergieschock, Daumenbruch, Gehirnerschütterung seit November 2017) und ist deshalb noch ein gutes Stück von der Weltspitze entfernt. Bis zum WM-Slalom (17. Februar) ist noch etwas Zeit, doch Neureuther wird seine Medaillenform nicht so schnell wiederfinden.
Viktoria Rebensburg: Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang war die Enttäuschung für Rebensburg riesig, zwei vermeidbare Fehler kosteten greifbare Medaillen. Der Zeitpunkt ihres Karriereendes steht noch nicht fest, aber Rebensburg entschied sich vor dieser Saison zum Dauereinsatz. Neben Riesenslalom trat die 29-Jährige auch in Abfahrt und Super G an - und machte kurz vor der WM ohne Saisonsieg die Kehrtwende. Die Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen sagte sie ab, um ihre Spezialdisziplin Riesenslalom zu trainieren. Für eine Medaille wird das jedoch nicht reichen, zumal es hinter Shiffrin und Tessa Worley (Frankreich) wohl nur um Bronze geht.
Dominik Schwaiger: Der 27-Jährige ist wie die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen aus der zweiten Reihe des Deutschen Skiverbands dem Talentalter bereits entwachsen. Mit Platz zwölf beim Super G in Kitzbühel schaffte Schwaiger die halbe WM-Norm, seine Nominierung war erwartet worden. "Die Nominierung ist für mich eine riesige Motivation", sagte der Speedfahrer, der in Abfahrt und Super G an den Start gehen wird. Für Schwaiger gilt aber wie für Pfister, Schmotz, Wenig, Stehle, Straßer, Schmid und Tremmel: Eine Medaille in einem Einzelrennen wäre eine riesige Sensation.
Kira Weidle: In dieser Saison gab es keine dominierende Abfahrerin im Weltcup, wie die bisherigen sechs Rennen mit vier verschiedenen Siegerinnen verdeutlichen. Das hat auch Weidle für sich nutzen können, die 22-Jährige fuhr in Lake Louise und Garmisch-Partenkirchen jeweils auf den dritten Platz. Für Weidle ist es die zweite WM-Teilnahme, nach dem "Schnupperkurs" in St. Moritz vor zwei Jahren will sie nun "in Åre gerne die Platzreife schaffen". Was genau das bedeutet, lässt Weidle offen, aber noch fehlt ihr die Erfahrung, um bei einer Weltmeisterschaft nach ganz vorne zu fahren.