Skurrile Bräuche - DER SPIEGEL
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Skurrile Bräuche Deutschland, einig Monsterland

Mit dem Halloween-Schlachtruf "Süßes oder Saures!" stellen Kinder dieser Tage ihre Nachbarschaft auf den Kopf. Doch in Deutschland gibt es noch viel skurrilere Verkleidungs-Bräuche. Die Fotografin Gesche-M. Cordes hat sie mit der Kamera eingefangen - beileibe nicht nur niedliche.
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Strohmonster: In Stroh eingebunden und mit Fellmasken geschmückt besuchen die Buttmandln in Oberbayern in der Adventszeit die Kinder in ihren Häusern und drohen mit Ruten. Früher sollte dieser Rügebrauch die Dorfbewohner disziplinieren. Doch auch heute hauen die Buttmandln, die vom Nikolaus, einem Engel, einer Bäuerin und fünf Teufelsburschen in Fellanzügen begleitet werden, gern mal drauf.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Rummel mit Pott: Am Silvestertag stehen die Kinder im schleswig-hollsteinischen Hollingstedtvor den Nachbartüren und rufen: "Rummel, rummel, rutsch, dat Niejohr sit in Busch!" Sie singen niederdeutsche Lieder und verlangen Süßigkeiten oder Geld. Traditionell poltern sie dabei mit dem selbstgebauten "Rummelpott" - der Lärm soll die Wintergeister vertreiben. Das Rummelpottlaufen ist ein alter Bettelbrauch: Früher liefen die Armen von Haus zu Haus, um Reste von der Weihnachtstafel zu erbetteln.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Süße Stücke: Am Fastnachtssamstag eröffnen die Kinder in Mainz die fünfte Jahreszeit. Die Kleinen aus dem Kindergarten gehen als Törtchen durch die Stadt, die Schüler verkleiden sich etwa als Schneeflocke, Bademeister und Herzensbrecher. Das Narrentreiben organisiert der Mainzer Carneval Verein seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Strohbärenfest: Die Strohbären, sieben dick mit Stroh umwickelte Jungen, treiben am Aschermittwoch im hessischen Wanfried-Heldra den Winter aus. Begleitet von Musikern ziehen die Bären in ihrem kratzigen Kleid durch das Dorf. Jugendliche, als Schwarzmaler bestimmt, bestreichen die Zuschauer mit Ruß. Frauen aus dem Ort erzählen: "Seit wir uns erinnern können, gehen die Strohbären durch das Dorf, und wir Älteren sammeln Geld und Eier für die Jüngeren ein."

Foto: Gesche-M. Cordes
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Wasservogel: Mit einem sperrigen Laubkostüm laufen Jugendliche durch Altenmünster. Hinter Büschen und Mauern lauern Kinder mit Gießkannen, Eimern und Schläuchen, um die grünen Gestalten ordentlich zu durchnässen. Der Wasservogel ist ein Frühlingsbrauch: Als Symbol neuen Lebens zieht er an Pfingsten durch das Dorf, um von den Geistern eine gute Ernte zu erbitten. Mädchen dürfen von Tür zu Tür gehen und Geld für die Feuerwehr sammeln.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Wasser marsch!: Der "Wasservogel" hat es im fränkischen Altenmünster schwer. Kinder lauern ihm auf, um ihn nass zu machen.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Vogelschießen: Alle Schüler der ersten bis achten Klassen aus dem schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe machen mit beim großen Umzug zum Auftakt des Vogelschießens. Auf dem Festplatz kämpft jede Klasse bei verschiedenen Wettspielen, etwa dem Vogelpicken und Armbrustschießen, um ihr Königspaar. Am Abend präsentieren sich die mehr als 100 kleinen Majestäten stolz auf dem Marktplatz.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Halloween: "Süßes oder Saures". Als Hexen, Dämonen und Zauberer verkleidet, fordern die Großstadtkinder ihre Nachbarn auf, ihnen Süßigkeiten zu geben. Der Brauch, den die deutschen Kinder seit den neunziger Jahren feiern, stammt ursprünglich aus Irland, Auswanderer exportierten diese Tradition in die USA. Der Legende nach glaubten die Druiden daran, dass in der Nacht vor Allerheiligen das Böse überwunden werden könne. Aus "All Hallow's Eve", dem "Abend vor Allerheiligen", wurde Halloween.

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Viva!: Die Biedermeiermädchen und der Dietemann, das Wahrzeichen der hessischen Stadt Eschwege, führen den Schülerumzug des gut 350 Jahre alten Johannisfests an. Ursprünglich holte die Eschweger Jugend bei diesem Fest am ersten Juliwochenende Ruten für die frechen Schulkinder aus dem nahe gelegenen Wald. Heute schmücken sich die Kinder mit Blumen, Kränzen und Vivatstöcken.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Tänzelfest: Jedes Jahr Ende Juli lassen die Schüler in Kaufbeuren im Allgäu die Geschichte ihrer Stadt lebendig werden. In historischen Kostümen zeigen sie die Vergangenheit Kaufbeurens von den Karolingern bis zur Biedermeierzeit. Das Tänzelfest gilt als ältestes Kinderfest Bayerns. Bereits 1567 beschrieb es der Stadtchronist als "alte Gewohnheit".

Foto: Gesche-M. Cordes
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Versteckte Schönheit: In der sächsischen Oberlausitz besucht am Nikolaustag das Bescherkind, das "dzecetko", die Schulkinder. Das junge Mädchen streicht ihnen über die Wangen, was den Kindern Glück bringen soll. Sein Gesicht wird durch ein Stück Tüll verdeckt. Der sorbischen Legende nach wird das Mädchen im nächsten Jahr heiraten, darf aber noch nicht erkannt werden. Ursprünglich sollen die Frauen das Bescherkind in den Spinnstuben ausgewählt haben.

Foto: Gesche-M. Cordes
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Kinderbischöfe: Alle zwei Jahre werden in der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai am 6. Dezember drei Kinderbischöfe ernannt - im Jahr 2004 gehörte erstmals ein behindertes Mädchen dazu. Mit Stola, Hut, Stab und Ring geschmückt, besuchen die Kinderbischöfe Schulen und Kinderheime, um sich für die Belange der Kleinsten in der Gesellschaft einzusetzen. 1994 hat der Hamburger Pastor Ferdinand Ahuis diesen Brauch, der im Mittelalter in ganz Europa verbreitet war, wieder aufgenommen.

Foto: Gesche-M. Cordes
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