Skurrile Politiker-Botschaften - DER SPIEGEL
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Skurrile Politiker-Botschaften "Weder Latte noch Titte"

Täglich verstopfen sie das E-Mail-Postfach, auf den Webseiten der Parteien gammeln sie vor sich hin: Tausende Botschaften von Politikern, in Mappen und Mitteilungen verpackt, oft so fragwürdig wie überflüssig. SPIEGEL ONLINE zeigt ein paar der skurrilsten Beispiele.
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Diese Pressemappe ist unter Piraten Kult: Ein Leipziger Basispirat hat sich darin auf 40 Seiten verewigt, posiert in Kreischfarben und verträumt lesend. Auch erfährt man viele Dinge, die man gar nicht wissen will - etwa, dass seine Mutter "die erste große Liebe" seines Lebens war.

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Die Piraten sind ohnehin immer für lustige Pressemitteilungen gut. Mal regt sich Piraten-Vize Sebastian Nerz über einen CDU-Hinterbänkler auf ("Nerz empört über Scheinheiligkeit von Hartwig Fischer"), mal vergreifen sich Landespiraten im Ton - und betiteln eine Debatte ums angebliche Porno-Verbot mit "Weder Latte noch Titte".

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Doch auch die Etablierten blamieren sich häufig mit PM, über deren Aufmache man nur den Kopf schütteln kann. Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. zum Beispiel ist süchtig nach alarmistischer Interpunktion.

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Man hätte den Weltbodentag auch für konkrete landespolitische Forderungen in Sachen Ökologie nutzen können - die Linkenfraktion in Sachsen-Anhalt greift lieber zum einschläfernden Rundumschlag. Kostprobe? "Durch Versiegelung, Umweltzerstörung, durch verantwortungslose Inanspruchnahme seitens der Industrie sowie zum Ausbau einer peinlich verschwenderischen Verkehrsinfrastruktur ist der Boden, der uns für die Gewinnung von Nahrungsmitteln aber auch für natürliche Stoffwechselprozesse auf unserer Erde zur Verfügung steht, inzwischen gefährlich rückläufig."

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Gesprächsbereit zeigt sich die Linke in Magdeburg beim Thema Katzenplage. Und weist trotzig darauf hin, dass man die Debatte darum "sehr wohl" verfolgt habe.

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Grünen-Fraktionschefin Renate Künast tadelte im Jahr 2006 den damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung: "Bei Nachfragen eiert er permanent herum." Und griff gleich zum nächsten Hühner-Vergleich: "Wer gackert, muss auch legen". Falls es untergegangen sein sollte: Es ging in der PM übrigens um Sicherheitspolitik.

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Die Forderung dieses FDP-Stadtverordneten ist ja legitim - Tote sollten nach kurzer Zeit bestattet werden, um ihnen ein pietätvolles, würdiges Begräbnis zu gewährleisten. Allerdings passt sein Schlagersänger-Outfit leider nicht so ganz zum ernsten Inhalt der Mitteilung.

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Was hat sich das Arbeitsministerium beim Verfassen dieser Überschrift gedacht? Dass Leute, die im Internet recherchieren, automatisch jung sind, und Alte automatisch internetskeptisch? Dass Lebenserfahrung und Netzkompetenz sich ausschließen? So oder so - die Botschaft soll knackig rüberkommen, ist aber vor allem missverständlich.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?