Skurrile Schausteller - DER SPIEGEL
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Postkarten statt Instagram Mit dem Fahrrad, auf dem Kopf oder im Fass

Telepathie-Jongleure, Zwangsjackenbefreier, Eismenschen aus Kanada: Was heute Reality-TV erledigt, schafften vor hundert Jahren wandernde Schausteller - sie stillten die Sensationsgier des Volkes. Heute zeugen nur noch historische Postkarten von ihren Heldentaten. einestages zeigt die irrsten.
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Seriöser Gesichtskünstler: Am besten konnten die professionellen Grimassenschneider das Publikum zum Lachen bringen. Wer hätte auch schon gedacht, dass dieser scheinbar seriöse junge Mann in der Mitte sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verformen kann?

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Ganz in Gold: Etwas Erotik brachten diese "Goldrauschplastiken aus dem Zug nach Westen" auf die Marktplätze der Nation.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Das Wunderzebra: Was genau das Publikum so an "Original Cemper's Wonderzebra" faszinierte, ist leider nicht überliefert. Den elegant überkreuzten Vorderbeinen nach zu urteilen scheint es sich hier jedoch um zwei Menschen in einem Zebrakostüm zu handeln.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Nabu und Maka: Die beiden Geschwister sollten angeblich aus Grönland stammen und trotz ihrer kindlichen Körpergröße bereits 23 und 26 Jahre alt sein.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Rauchige Töne: Oskar Wirker trat gern mit Zylinder und seiner "musikalischen Zigarette" der Marke "Salem Gold" auf und gab dem erstaunten Publikum ein Konzert darauf zum Besten.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Der Maulwurfmensch: Diese Postkarte erinnert an einen Künstler, der sich Nago nannte, und sich für sein Publikum wie ein Maulwurf unter die Erde wühlte.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Gesichtsakrobaten: Beim Publikum immer beliebt waren auch professionelle Grimassenschneider, die ihr Gesicht auf unglaubliche Art und Weise verziehen konnten. Einer von ihnen war Max Duffek, der hier den indischen Gott Daruma darstellt.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Die Kugelroller: Im Deutschen Reich besonders beliebt waren die Fassroller - Menschen, die das Land in einem Fass durchquerten, um damit Geld zu verdienen. Die Postkarte zeigt einen Kugelroller, der mit seiner dreieinhalb Zentner schweren Kugel ab Weihnachten 1911 durch die Welt rollte - offensichtlich um eine Wette zu gewinnen.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Mutaja der Wühlmensch: Bei der Hauptattraktion dieses Schaustellers konnten die Zuschauer zwar nicht all zuviel sehen, beliebt war sie trotzdem. Der Mann, der sich Mutaja nannte, wühlte sich zwei Meter tief unter die Erde - und lebendig aus seinem "Grab" wieder heraus.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Der Knopfkönig: Bei seinem Glitteranzug dürften Rockstars heute noch vor Neid erblassen. "Mister Grolimund" präsentierte sich seinem Publikum als "erster Knopfkönig der Welt" - was er außer seinem Anzug voller Knöpfe noch vorführen konnte, bleibt ungewiss.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Willys Weltreise: War das Leben von Willy Schwiegershausen aus Leipzig wirklich so abenteuerlich wie auf den Bildern dargestellt? Oder wollte er sein Publikum einfach mit exotischen Romangeschichten unterhalten? Die Fotografien entstammen jedenfalls zeitgenössischen völkerkundlichen Büchern, welche zu einer Montage umfunktioniert wurden und den Rahmen zu Willys Erzählungen bildeten.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Hermann Funke: Er ist das "wirkliche Original" - aber warum pfeift er "Hüte"?

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Reden ist Geld: Vortragsmeister wie Paul Roth waren beim Publikum besonders beliebt, daher gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch besonders viele redegewandte Schausteller und Sprachakrobaten, die sich so ihr Einkommen verdienten.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Brünhilde: Als "schönste und größte deutsche Riesin" trat diese Dame zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf - und wie zum Beweis für ihre Körpergröße musste ihre Gehilfin auf einen Stuhl steigen, um ihr die Frisur zu richten.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Gesprengte Ketten: Max Siegfried konnte sich offenbar auch aus völlig auswegslosen Lagen befreien und warb damit, der "beste Entfesslungskünstler der Gegenwart" zu sein. Frei kommen musste er auch - denn wie hätte er sonst die Postkarten verkaufen können, die ihm den Lebensunterhalt sichern sollten?

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Hungern um die Wette: Immer wieder ging es bei den Attraktionen auch um Schaukämpfe zwischen den Darstellern - wie zwischen dem "kleinen Harry" und "Fastello", die 1926 in einem Berliner Gasthaus 50 Tage um die Wette hungern wollten. Ihr Lohn: Das Gasthaus versprach, sie danach vier Wochen lang aufzupäppeln.

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Originaler Zwangsjackenbefreier: Raus kam Mstr. Brunowo immer - die Frage ist aber, wer hat ihn hineingesteckt?

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Von Berlin nach Paris: Um gegen die Konkurrenz des Automobils zu protestieren reiste der Berliner Droschkenunternehmer Gustav Hartmann mit seinem Fuchswallach "Grasmus" wochenlang von der deutschen in die französische Hauptstadt. Am Straßenrand jubelten ihm immer mehr Menschen zu und der deutsche Schriftsteller Hans Fallada schreibt die Geschichte in seinem Roman "Der eiserne Gustav" auf. Der Erfolg nützte Hartmann allerdings wenig, langfristig setzte sich das Automobil doch durch.

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Arthur Zahlé: Ohne diese Postkarte wäre sein Name wahrscheinlich längst vergessen und niemand würde sich noch an den "Excentrik Soubretten-Imitator" erinnern.

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Original-Luftschifffahrt: Gleich zwei Mini-Zeppeline und ihre junge Besatzung balancierte Mayo Almandos auf seinen Füßen.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Auf Leichtmetall um die halbe Welt: Auf seinem Wasserschlitten aus Konservenbüchsen plante Wilhelm Kurth von Berlin zum Nordpol zu paddeln. Es ist eher unwahrscheinlich, dass er es auch tatsächlich getan hat.

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Werbung für den Moselwein: Deutsche Winzer rollten mit zentnerschweren Fässern durch das ganze Land, um gegen die Konkurrenz aus Frankreich zu protestieren.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Der "sensationelle Kopfkünstler": Mit einem Hut in der Linken und einem Stock in der rechten Hand balancierte der Kopfkünstler Rangelli scheinbar über Straßen und Brückengeländer - ohne Angst und Schmerzen zu zeigen. Die verkauften Postkarten waren sein Lohn.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Der menschliche Hydrant: Was Künstler Hans Röhrl seinem Publikum vorführte, stand gleich in drei Sprachen auf seiner Postkarte - "Trinken einer Unmenge von Flüssigkeiten, ganz einerlei ob Kaffee, Tee, Bier, Wein oder Wasser, die ein Mensch mit normalem Magen unmöglich zu sich nehmen kann."

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Weltreisender Beyer: Immer wieder brüsteten sich einige Schausteller im frühen 20. Jahrhundert damit, wilde Weltreisen - teilweise auch zu Fuß - gemacht zu haben. Viele hatten jedoch kaum einen Fuß vor die Tür gesetzt - und hatten einfach die Bilder auf den Postkarten, die sie an exotischen Orten zeigen sollten, aus Büchern zusammenmontiert. So ist nicht bekannt, ob sich Erich Beyer 1927 tatsächlich in der spanischen Exklave Melilla an der nordafrikanischen Küste aufhielt.

Foto: Sammlung Peter Weiss
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Ein Kraftakt: Beim Publikum besonders beliebt waren Schausteller, die ihre schier unmenschliche Kraft vorführten. Um die Jahrhundertwende war Bodybuilding als Sport in Mode gekommen - und so manch Hobbysportler bewunderte hier, was er nie erreichen würde.

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Siriastro Leburtéso: Der Mann mit dem stechenden Blick und dem geheimnisvoll klingendem Namen trat als "Psycho-Graphologe" auf. Bedeutete das, dass er die Seele eines Menschen über dessen Handschrift analysieren konnte?

Foto: Sammlung Peter Weiss
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