Slum-Tour in Mumbai Gucken, nicht gaffen
Touristenführer Balaji ist 25 Jahre alt und in Dharavi aufgewachsen: Der Blumenbinder lebt mit seiner Familie und rund einer Million anderen Indern auf einer Fläche von knapp zwei Quadratkilometern.
Auch wenn dieser Junge in die Kamera strahlt - mit den Einheimischen haben die Organisatoren von Reality Tours & Travel ausgemacht, dass Touristen auf ihren Rundgängen nicht fotografieren. Sie sollen mit den Bewohnern interagieren und sie nicht mit der Kamera bedrängen. Gegen Aufnahmen aus ihrem Slum haben die Einheimischen nichts - daher hat der Veranstalter dieses und die folgenden Fotos aus dem eigenen Bildarchiv zur Verfügung gestellt.
Die Gänge in Dharavi sind dunkel und kaum mehr als schulterbreit. Links und rechts liegen Wohnungen, die oft nicht mehr als winzige Räume sind. Knapp die Hälfte der Familien im Slum lebt auf weniger als zehn Quadratmetern.
Unermüdliche Arbeiter inmitten der indischen Metropole Mumbai: Das Hauptgeschäft der Slumbewohner ist das Recycling.
Über hundert Tonnen Müll produzieren die rund 22 Millionen Bewohner Mumbais täglich. 80 Prozent davon landen bei den Wiederverwertern von Dharavi.
Unter gefährlichen und gesundheitsschädlichen Bedingungen reinigen die Einheimischen gebrauchte Farbeimer, beulen Stoßstangen aus, sortieren und zerkleinern Plastikteile, die geschmolzen und später als Granulat verkauft werden.
Außerdem gibt es mehr als 15.000 Kleinbetriebe und Werkstätten: Töpfereien, Lederverarbeitung und Schneidereien.
In den Höfen trocknen Papadams, hauchdünne, knusprige Fladen aus Linsenmehl, die an Restaurants geliefert werden. Die meisten Produkte aus Dharavi werden auf dem heimischen Markt verkauft, aber auch europäische Designer lassen hier nähen.
Die Lebensumstände sind schwer. Reality Tours & Travel will zeigen, wie die Menschen leben, aber auch, was sie auf die Beine stellen und welch großen Gemeinschaftssinn sie haben.
Von den Touristengeldern profitieren die Bewohner Dharavis direkt: 80 Prozent der Gewinne von Reality Tours & Travel und seiner Wohlfahrtsorganisation Reality Gives fließen zurück in den Slum. Angeboten werden Gesundheitsprogramme, Englisch- und Computerkurse, Bildungsprogramme sowie Sportmöglichkeiten.