Rahmenbaukurs, Teil Schritt für Schritt zum eigenen Rad
Der erste Schritt zum eigenen Rahmen führt auf den Sattel eines Fahrrad-Dummy. Robert Piontek stellt meine gewünschte Sitzposition ein, diese gibt dann unter anderem die Sattelhöhe vor.
Dazu müssen die Füße auf den Pedalen positioniert werden.
Die Messdaten werden in einem Computerprogramm eingegeben, mit dem die Geometrie für den Rahmen festgelegt wird.
Als Anleitung für alle weiteren Arbeitsschritte dient ein Ausdruck der Rahmengeometrie. Entscheidend sind die Rohrlängen und in welchem Winkel die Teile zueinanderstehen.
Es folgt die Qual der Wahl: Stahl ist nicht gleich Stahl. Bei Big Forest Frameworks gibt es zwei Regale, die nur mit Columbus-Rohren gefüllt sind, ein Regal ist dem britischen Hersteller Reynolds vorbehalten. Guter Stahl besitzt eine hohe Festigkeit.
Auch bei den Muffen gibt es viele verschiedene. Einige der Verbindungsstücke sehen eher klassisch aus, andere modern. Es gibt aber auch die Möglichkeit, einen muffenlosen Rahmen zu bauen. Das ist schwieriger.
Bevor es wirklich los geht, muss Redakteurin Hucko Feilen üben. Mit wiegenden Handbewegungen entsteht eine U-förmige Öffnung.
Nach ersten handwerklichen Lockerungsübungen kann es losgehen mit dem Bau eines Rahmens. Rohre und Streben müssen eingekürzt werden. Dieses ist noch viel zu lang für einen vergleichsweise kleinen Rahmen.
Bei manchen Stahlrohren kommt zunächst ein Rohrschneider zum Einsatz, der den Stahl schon einmal grob auf Länge bringt. Er funktioniert so ähnlich wie ein manueller Dosenöffner.
Schneidewerkzeug mit Zähnen, das in die Bohrmaschine eingespannt wird. Mit elektrischer Unterstützung werden die Rohre abgeschnitten.
Außer mit dem Zuschneiden der Rohre verbringen Rahmenbauschüler viel Zeit mit Feilen und Schmirgeln: Die Rohre müssen fettfrei sein, bevor sie mit Hilfe von Lot verbunden werden.
Diese Fächerschleifer leisten Putzhilfe. Der Aufsatz kommt auf die Bohrmaschine, dann kann das Rohr auch von innen geschliffen werden.
Die Vorarbeiten fürs Löten dauern immer noch an. Dort, wo der Brenner zum Einsatz kommen und das Lot fließen soll, muss der Rahmen zuvor mit Flussmittel bepinselt werden. Die Paste schützt das Rohr beim Löten.
Nun heißt es bald: Feuer frei, es darf gelötet werden. Überwiegend kommt im individuellen Rahmenbau Silberlot zum Einsatz. Messing ist zwar deutlich billiger, fließt aber auch nicht so gut wie Silber.
Brenner mit Propanflamme. Nun muss noch Sauerstoff hinzugegeben werden, um die Temperatur des Feuers zu erhöhen.
Damit der Rahmen hält, werden alle Verbindungsteile erhitzt und mit Silberlot verbunden.
Das Hauptdreieck ist fertig. Nun fehlen noch diverse Anbauteile, zum Beispiel alle Streben, Aufnahmen fürs Bremskabel, Schutzblech und eine Vorrichtung zur Befestigung des Fahrradständers.
Mit einem Holzbolzen werden die Kettenstreben eingedellt, damit mein Bike später breitere Räder aufnehmen kann.
Alle Kleinteile für den Rahmen werden sandgestrahlt, damit sie fettfrei sind - eine Voraussetzung fürs Löten.
Aufnahme für den Fahrradständer, die direkt am Tretlager angebracht wurde.
Die Verstärkung zwischen den Sitzstreben wird auch Brücke genannt.
Im Uhrzeigersinn wird das Fräswerkzeug im Steuerrohr gedreht. Wichtig ist, dass dabei Schneidöl zum Einsatz kommt, um das Material zu schonen.
Mit dem Körner wird unter anderem ein Punkt am Tretlager markiert, der dann später mit der Bohrmaschine durchlöchert wird. Hintergrund ist, dass dadurch beim Fahren Regenwasser abfließen kann.
Nach vier Tagen Arbeit ist der gelötete Rahmen - auch Diamant genannt - fertig.
Am Ende muss das gute Stück abtauchen. Das Wasserbad soll letzte Spuren des Flussmittels entfernen.