Söldnerlegende "Kongo-Müller" - DER SPIEGEL
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Söldnerlegende "Kongo-Müller" Legionär an der Medienfront

"Negerjagd", "Preußentum" und Gefechte am Äquator: Siegfried Müller erfüllte sich seinen Traum von einer Militärkarriere im bürgerkriegsgeplagten Kongo. Der selbstverliebte Söldner gerierte sich als brutaler Feldherr, schraubte Schädel auf seinen Jeep - und wurde zum Filmstar wider Willen.
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"Kongo-Müller": Siegfried Müller, genannt "Kongo-Müller", war in den sechziger Jahren ein Söldner in Afrika und an der Niederschlagung des sogenannten Simba-Aufstands beteiligt. Das Bild zeigt ihn etwa 1963 in Kamina, Kongo. An der Uniform trägt er stolz das Eiserne Kreuz aus dem Zweiten Weltkrieg, das er angeblich niemals ablegte.

Foto: AP
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Krieg im Kongo: Militärs bewachen in der kongolesischen Hauptstadt Léopoldville, dem heutigen Kinshasa, gefangene Krieger. 1960 hatte sich die belgische Kolonialmacht schlagartig aus dem Kongo zurückgezogen - das Land stürzte bald nach der Unabhängigkeit in Chaos und Bürgerkrieg.

Foto: JEAN JACQUES LEVY/ AP
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Selbstverliebter Legionär: Der Deutsche Siegfried Müller posiert auf dieser undatierten Aufnahme lächelnd mit Speer und Schild.

Foto: Gerd Heidemann
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Brutale Vergeltung: Kongolesische Soldaten treten im Dezember 1964 zehn Rebellen, die nahe der Stadt Ituri festgenommen wurden, zu Tode. Die Rebellen hatten zuvor zwei Frauen eines Dorfes zerstückelt.

Foto: AP
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Vor dem Kampf: Kongolesische Rebellen gebrauchen das Restfett in ihren Corned-Beef-Büchsen, um ihre Gewehre einzuschmieren. Das Foto wurde am 26. Juli 1964 nahe der Stadt Kasenga aufgenommen.

Foto: AP
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Diktator Mobutu: Der mächtige Armeechef Joseph Mobutu putschte sich 1965 im Kongo an die Macht und regierte das Land bis 1997. Er soll auch an dem Sturz und der Ermordung des ersten frei gewählten Ministerpräsidenten des Kongo, Patrice Lumumba, beteiligt gewesen sein. Nach Lumumbas Sturz brachen heftige Kämpfe im Kongo aus.
Auf dem Foto von 1960 hält Mobutu das Buch "Hände weg vom Kongo" von Nikita Chruschtschow in der Hand, damals Parteichef der KPdSU.

Foto: AP
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Populärer Söldner: In dem Film "Die Wildgänse kommen" (1977) mit Richard Burton in der Hauptrolle wird dem irischen Söldner-Haudegen Michael Hoare, auch "Mad Mike" genannt, ein filmisches Denkmal gesetzt. Hoare war der Vorgesetzte Siegfried Müllers im Kongo.

Foto: ddp images
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Der "Kongo-Otto": Siegfried Müller dagegen wurde auf der Leinwand zur Lachnummer. Für die Komödie "Didi und die Rache der Enterbten" musste er für die groteske Söldner-Figur "Kongo-Otto", gespielt von Dieter Hallervorden, herhalten. Auf dem Szenenfoto stützt sich "Kongo-Otto" auf seinen Jeep, an dessen Kühlergrill der Schädel eines gefallenen Rebellen angebracht ist - auch Müller hatte den Schädel eines getöteten Aufständischen an seinem Wagen.

Foto: ddp images
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Siegfried Müller: Der Afrika-Legionär galt seinen Mitkämpfern als "preußisch wie eine Pickelhaube" (hier beim Hissen einer Flagge mit dem preußischen Adler). Nach dem erfolglosen Versuch, der Bundeswehr beizutreten, kämpfte Siegfried Müller von 1964 bis 1965 auf Seiten des westlich-orientierten Politikers und Premierministers Moïse Tschombé im Kongo.

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Moïse Tschombé: Nach der Unabhängigkeit des Kongo erklärte Moïse Tschombé im 11. Juli 1960 die Unabhängigkeit der an Bodenschätzen sehr reichen Provinz Katanga. Siegfried Müller kämpfte für den einstigen Separatistenführer und späteren Premier von 1964 bis 1965.
Das Bild von Oktober 1961 zeigt Tschombé auf einer Fahrt durch die Straßen Genfs.

Foto: AP
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Festgenommene Aufständische: Im August 1964 führen Soldaten der kongolesischen Regierung eine Gruppe Rebellen ab, nachdem die Regierungstruppen die Rebellen unter Führung von Gaston Soumaliot aus der Stadt Bukavu zurückgedrängt hatten.

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Söldner aus Überzeugung: Seinen brutalen Job verklärte Siegfried Müller zu einer bedeutenden kulturellen Mission zur Verteidigung der Werte des Westens gegen den Kommunismus - auch der Kongo war indirekt Schauplatz des Kalten Krieges.

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In Feldherren-Pose: Söldner Siegfried Müller setzte sich gern lächelnd für die Medien in Szene und wurde in den westdeutschen Illustrierten bald nur noch "Kongo-Müller" oder "Ko-Mü" genannt. Für die DDR wurde er dagegen zum Sinnbild des westlichen Militarismus.

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Major Hoare: Unter dem Kommando des irischen Majors Michael Hoare (undatierte Aufnahme) heuerten im August 1964 im Kongo insgesamt 700 Söldner an - der Deutsche Siegfried Müller war einer der ersten.

Foto: AP
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Massengefangennahme: Kongolesische Regierungssoldaten bewachen im bürgerkriegsgeplagten Kongo Tausende Menschen, die sich als Rebellen verdächtigen - darunter auch etliche auch Frauen und Kinder. Foto von 1964.

Foto: Reg Lancaster/ Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?