Sonderverband Graukopf - DER SPIEGEL
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Sonderverband Graukopf Hitlers vergessene Geheimtruppe

Verwirren, sabotieren, terrorisieren: Uniformiert als Soldaten der Roten Armee kämpften russische Nationalisten und Überläufer im geheimen "Sonderverband Graukopf" an der Seite der Nazis gegen die Bolschewiki - bis sie den Deutschen zu gefährlich wurden. Von Burkhard Grafenstein
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Wehrmachtsoffizier unter Rotarmisten: Dieses Foto aus dem Nachlass eines Wehrmachtsoffiziers machte Burkhard Grafenstein stutzig. Es zeigt den Leutnant inmitten von Soldaten in Uniformen der Roten Armee. Des Rätsels Lösung: Bei den vermeintlichen Rotarmisten handelt es sich um Soldaten der Sondereinheit Graukopf. Russische Überläufer, die auf deutscher Seite gegen die Bolschewiki kämpften.

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Sonderverband: Das Bild zeigt Wehrmachtsoffiziere und russische Freiwillige des Sonderverbands Graukopf. In Uniformen der Roten Armee wurde die Soldaten ab 1942 hinter den feindlichen Linien an der Ostfront zu Sabotagezwecken eingesetzt. Der Offizier in der Mitte ist erkennbar hoch dekoriert.

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Appell vor russischer Fahne: "Graukopf"-Kommandant Sergej Nikititsch Iwanow (im Vordergrund) hält auf diesem Bild eine Ansprache. Dahinter, Zweiter von rechts, Oberst Igor K. Sacharow.

Die Angehörigen der Einheit sahen sich als Keimzelle einer künftigen russischen Befreiungsarmee und nannten den Verband "Russische Nationale Volksarmee". Über dem Platz weht die nationalrussische Trikolore, die heute Staatsflagge Russlands ist.

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Warten auf dem Appellplatz: Ein Bataillon des Sonderverbands Graukopf ist angetreten. Vorne eine Reihe von Anwärtern auf eine Beförderung. Links ist eine sowjetische 76-mm-Regimentkanone M1927 zu sehen.

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Auf dem Appellplatz: Eine Militärzeremonie im Ausbildungslager Osintorf in Weißrussland. Auf dieser Aufnahme aus dem August 1942 sind zu ehrende oder zu vereidigende Mitglieder der auf deutscher Seite stehenden Russen des Sonderverbands Graukopf zu sehen. In der Gruppe davor ist ganz links Oberst Igor Sacharow, der zunächst stellvertretender Kommandeur der Einheit war, zu erkennen, rechts daneben stehen Generalleutnant Georgij Schilenkow und in der Wehrmachtsuniform Leutnant Müller-Burkhardt, aus dessen Nachlass die Fotografien stammen. Im Hintergrund ist eine Ehrenabordnung der Wehrmacht angetreten.

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Posieren im Spähwagen: Konstantin G. Kromiadi, einer der Kommandeure der geheimen Sondereinheit, hat sich für diese Aufnahme in einen leichten Panzerspähwagen gesetzt, der von der Roten Armee erbeutet wurde. Oben im Turm ein Soldat der "Russischen Nationalen Volksarmee", wie sich die "Grauköpfe" selbst bezeichneten.

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Hitlers Russenkämpfer: Ein Trupp von 20 Soldaten der Russkaja Nationalnaja Narodnaja Armija (RNNA), wie sich die Einheit selbst nannte, beim Exerzieren mit aufgepflanztem Bajonett. Die auf der Aufnahme schwarz wirkenden Uniformen sind die blauen Uniformen der sowjetischen Luftstreitkräfte.

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Beförderungszeremonie: Ranghohe deutsche Offiziere gratulieren den ausgebildeten Offizieren einer nationalrussischen Sondereinheit, deren Uniformen denen der Roten Armee zum Verwechseln ähnlich sehen. Gut zu sehen ist aber, dass sie Schulterstücke tragen, die in der Roten Armee abgeschafft worden waren. Links wird die Beförderungsurkunde gereicht.

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"Graukopf"-Sondereinheit: Ein Soldat der "Grauköpfe" hat sich ein Schweißtuch unter die Mütze gesteckt. Möglicherweise kehrt der Trupp gerade von einem Einsatz zurück.

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Verschollener Kosake: Der Exil-Russe Sergej N. Iwanow (l.), der politische Kopf der RNNA, erkrankte im Mai 1942 an Typhus. Über sein Schicksal nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist nichts bekannt.

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Verschwundener Iwanow: Im Gegensatz zu Konstantin Kromiadi (l.) ist über Iwanow wenig bekannt. Unbestätigten Angaben zufolge nahm Iwanow in seiner Jugend auf Seiten einer Kosakenarmee am Russischen Bürgerkrieg teil und soll den Rang eines Horunschi gehabt haben, was in etwa einem Leutnant entspricht. Vor Kriegsende soll Iwanow Leiter der Geheimdienstschule des Komitees zur Befreiung der Völker Russlands (KONR) in Pressburg gewesen sein. Iwanow lebte vor dem Zweiten Weltkrieg als Ingenieur in Berlin, er hatte gute Kontakte zu NSDAP- und Regierungskreisen. Nach der Auflösung des Graukopf-Verbands stieß er für einige Zeit zur russischen Experimentaleinheit des SD, der "Drushina", von wo er 1943 nach Deutschland zurückgerufen wurde.

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"Falsche" Rotarmisten: Sie sehen aus wie Rotarmisten, sind aber Russen, die die Seiten gewechselt haben. Der stehende Graukopf-Soldat auf dem Bild führt eine russische Maschinenpistole. Bataillone des Verbandes wurden nicht nur für Diversionszwecke, sondern auch für Sicherungsaufgaben im rückwärtigen Frontgebiet eingesetzt.

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Trainingszentrum: Angehörige des "Sonderverband Graukopf" sind vor einem verlassenen Gebäude des Übungsareals in Osintorf angetreten. Sie führen russische Maschinengewehre mit sich und haben vor sich die dazugehörigen Munitionskoffer abgestellt.

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Pferdedraisine: Auf dem Foto ist stehend Oberst Igor K. Sacharow zu erkennen. Sitzend links mit deutscher Uniform könnte Sergej N. Iwanow zu sehen sein. Bataillone des Sonderverbands Graukopf wurden auch für Sicherungsaufgaben hinter der Front eingesetzt. Nach der Auflösung der Einheit bekamen die Soldaten Wehrmachtsuniformen. Der genaue Aufnahmeort ist nicht bekannt, auch nicht die übrigen abgebildeten Personen.

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Training: Der Emigrant Sergej Nikititsch Iwanow (vorne rechts) exerziert nach russischem Reglement mit der von ihm geführten Brigade Graukopf im Torfwerk Osintorf. Die Soldaten tragen Uniformen der Roten Armee in leicht abgewandelter Form, mit (wieder) hinzugefügten Schulterstücken. Der nationalrussische Sonderverband Graukopf wurde von den Deutschen für Kommandoeinsätze gegen eingekesselte Truppenteile der Roten Armee und Partisanen eingesetzt.

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Rast in der Hitze Russlands: Angehörige des auf deutscher Seite kämpfenden russischen Sonderverbands Graukopf, die sich - wahrscheinlich nach oder vor einem Vereidigungsappell - ausruhen.

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Exil-Russen für Deutschland: Ein deutscher Wehrmachtsoffizier vereidigt Offiziere und Mannschaften des russischen Sonderverbands Graukopf. Ganz rechts ist Oberst Igor K. Sacharow zu sehen, neben ihm Generalleutnant Schilenkow.

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Vereidigungszeremonie: Angehörige des Sonderverbands Graukopf im Ausbildungslager Osintorf. Auf dem Zettel, die die Soldaten in der Hand halten, dürften die Eidesformel stehen.

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Stalins russische Gegner: Soldaten des auf deutscher Seite kämpfenden russischen Sonderverbands Graukopf. Am linken Bildrand sind sowohl deutsche als auch russische Offiziere zu erkennen.

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Wilhelm Canaris: Der Chef der Spionageabwehr während der NS-Zeit, Wilhelm Canaris, genehmigte das "Unternehmen Graukopf".

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Reinhard Gehlen: Auch Reinhard Gehlen war 1942 als Vorgesetzter von Freiherr von Gersdorff in die Bildung des Sonderverbands "Graukopf" eingeschaltet.

Das Foto zeigt Gehlen, als er 1943 in der Wehrmacht die Spionageabwehr an der russischen Front leitete.

Foto: AP
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Josef Stalin: Die Brigade Graukopf sollte nach dem Plan der russischen Exilanten dazu aufgestellt werden, um Stalin zu entführen. Die Deutschen hielten wenig von dieser Idee, ließen die Russen aber gewähren, um mit dem Verband experimentieren zu können.

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