Flüchtlinge auf dem Mittelmeer Rettung in letzter Minute
Deutschland erreichen immer weniger Flüchtlinge - doch über das Mittelmeer versuchen weiter Tausende, nach Europa zu kommen. Die nicht-staatliche Organisation SOS Mediterranee hat ein Schiff gechartert, um in Seenot geratene Menschen vor der libyschen Küste zu retten.
Das Rettungsteam besteht vor allem aus Freiwilligen, die sich Urlaub von ihren herkömmlichen Berufen genommen haben.
Mathias Menge ist schon seit März für SOS Mediterranee als Rettungsleiter im Einsatz. Eigentlich ist er Kapitän - und steuert riesige Containerschiffe.
Die Helfer von SOS Mediterranee holen die Flüchtlinge erst zu sich aufs Schiff, dann werden sie an die italienische Marine übergeben und aufs Festland gebracht.
Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt, dass in diesem Jahr schon 2800 Menschen bei dem Versuch gestorben sind, das Mittelmeer zu überqueren.
Die Flüchtlinge kommen aus allen Ländern Afrikas: Eritrea, Mali, Somalia, Nigeria, Gambia, Sudan oder der Elfenbeinküste.
Manche hatten gar nicht vor, nach Europa zu reisen. Sie wollten in Libyen arbeiten - und landeten dort im Gefängnis.
Viele Flüchtlinge sind in seeuntüchtigen Schlauchbooten unterwegs. Er habe gar nicht einsteigen wollen, erzählt ein Mann. Aber der Schlepper habe ihm keine Wahl gelassen: "Wenn du nicht in dieses Boot steigst, erschießen sie dich."
"Diese Menschen haben so viel Schlimmes erlebt, lieber sterben sie im Meer als noch einen Tag länger in Libyen zu bleiben", sagt Rettungsleiter Menge.
Um die 2000 Euro verlangen viele Schlepper für die Fahrt in den Schlauchbooten. Das ist rund das Achtfache dessen, was Menschen in Eritrea durchschnittlich pro Jahr zur Verfügung haben.
Panisch, zitternd und teilweise komplett unbekleidet kommen die Flüchtlinge an Bord.
Hoffnung naht: Diese Flüchtlinge sind gleich in Sicherheit.
Das Mittelmeer ist die weltweit gefährlichste Flüchtlingsroute. Trotzdem wagen auch viele mit Kleinkindern den Weg.
Statistisch betrachtet kamen je 1000 Ankünften in der EU in den Monaten April, Mai und Juni etwa 50 Menschen ums Leben oder gingen verloren.
Die privaten Seenotretter haben schon Hunderte Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Trotzdem wollen sie nicht als Helden gefeiert werden.